Rettung des Sporthorts gescheitert: „Man möchte heulen“

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Ein überzeugendes Konzept: Der Sporthort in der früheren Curlinghalle des Olympia-Eissportzentrums ist aus finanziellen Gründen endgültig gescheitert. © privat/TSVP

Die Eltern, die den Sporthort in Garmisch-Partenkirchen erhalten wollten, müssen sich geschlagen geben. Finanziell ist das Angebot, das der Turn- und Sportverein Partenkirchen (TSVP) in diesem Schuljahr ins Leben gerufen hatte, einfach nicht zu stemmen.

Garmisch-Partenkirchen – In einem sind sich alle einig: Sie bedauern das Scheitern des Sporthorts. „Die Kinder lieben es da draußen“, sagt Andreas Wieland. Der Geschäftsführer der Eishockey-GmbH des SC Riessersee weiß, wovon er spricht. Auch seine Tochter nutzte das Angebot in und um die Curlinghalle, das neben Mittagessen, Spielen, Basteln und Hausaufgabenbetreuung auch ein zielorientiertes, abwechslungsreiches Training umfasste. „Top gemacht“ nennt er das, was der TSV Partenkirchen zum Anfang dieses Schuljahrs auf die Beine gestellt hatte. Der Verein zog allerdings Ende März die Reißleine – aus finanziellen Gründen. Daraufhin sprang die Gemeinde ein, um die Betreuung der 27 Kinder zumindest bis zum Schuljahresende sicherzustellen.

In der Zwischenzeit versuchten Eltern und auch das Team um Leiter Max Wasielewski und seine Lebensgefährtin Sina Jäger, die für eine Stellungnahme nicht zu erreichen waren, das Ganze zu retten. Die Ideen reichten von einer Elterninitiative bis hin zur Gründung einer GmbH. Wieland kam ins Boot und überlegte, über den SCR-Nachwuchs etwas auf die Beine zu stellen. Letztlich standen aber auch er und alle weiteren, die sich engagierten, vor dem Dilemma, dass das Angebot „in der Größenordnung nicht stemmbar ist“.

Kalkulation für den Sporthort nicht aufgegangen

Um in den Genuss von Fördermitteln nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz zu kommen, ist qualifiziertes Fachpersonal eine entscheidende Voraussetzung. Das gibt es bisher nicht. „Aber auch wenn künftig Zuschüsse geflossen wären, hätte es im Monat pro Kind 280 bis 300 Euro gekostet“, kalkuliert Wieland. Die Zahlen sind deutlich und zeigen auch, weshalb sich der TSVP zurückgezogen hat. Der Verein steht aktuell eh vor einem gewaltigen Minus in Höhe von rund 260.000 Euro. Allein der gescheiterte Kindersporthort schlägt hier mit mindestens 60.000 Euro zu Buche. Schon das demonstriert, dass die Kalkulation nicht aufgegangen ist. „Es ist nicht finanzierbar“, betont Christian Loth, der neue TSVP-Vorsitzende. Gegen die Rettungsversuche der Eltern „haben wir uns nicht gesperrt“. Allerdings sind sie in puncto Halle auch von der Gemeinde und den Gemeindewerken abhängig. Das heißt im Umkehrschluss, sie können die Räumlichkeiten nicht einfach an Dritte untervermieten.

„Entsetzlich“ findet Jörn Hinrichs das endgültige Aus dieses Angebots. „Man möchte heulen.“ Vor allem, weil sich sein Sohn und alle anderen Kinder dort so wohlgefühlt haben. Wo der Bub künftig betreut wird, ist derweil noch offen. Hinrichs lebt mit seiner Familie im Ortsteil Garmisch, der Hortplatz, den sie bekommen könnte, ist allerdings in Partenkirchen. „Wie soll er da hinkommen?“ Auch diesbezüglich war der Sporthort „eine richtige Erleichterung für die Eltern, weil die Kinder an der Schule abgeholt und hingebracht wurden“.

Gemeinde sucht Personal für weitere Hort-Gruppe

Damit ist nun definitiv Schluss. Mit der Folge, dass etliche Mütter und Väter vor einem Problem stehen. „Ich habe von vielen Seiten gehört, dass sie keinen Platz gekriegt haben“, sagt Hinrichs. Dieses Dilemma ist im Rathaus nicht bekannt. „Auf unserem Little-Bird-Portal haben wir aktuell keine Warteliste, daher ist uns auch nicht klar, wie es zu dieser Aussage kommt“, erklärt Silvia Schwarzenberger, Sprecherin der Marktgemeinde. „Ganz im Gegenteil: Einige Kinder, die bereits im Mai angemeldet wurden und auch einen entsprechenden Hortplatz erhalten hatten, wurden aus uns unbekannten Gründen wieder abgemeldet.“ Derzeit bietet allein der Hort Partenkirchen Platz für 75 Kinder und hat eine betriebliche Genehmigung für 100 Kinder, „die wir allerdings aufgrund Personalmangels nicht voll machen können“. Deshalb hat die Gemeinde erst jüngst eine weitere Stelle für dieses Betreuungsangebot ausgeschrieben und hofft, im Herbst eine weitere Gruppe für 25 Mädchen und Buben eröffnen zu können. Freilich nur, „wenn wir passendes Personal finden“.

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