„Trend aus vergangenen Zeiten“: Tölzer Land setzt auf Wander-App – Doch eine Gemeinde bleibt skeptisch

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Lust auf Wandern: In Lenggries können die Gäste jetzt schon per App Punkte für erreichte Tourenziele sammeln. Die digitale Wandernadel soll nun landkreisweit eingeführt werden. © Hubs Walther

Die App „digitale Wandernadel“ soll landkreisweit eingeführt werden. Acht Kommunen wollen mit dabei sein. Gegenwind gab‘s dagegen im Gemeinderat der Jachenau.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wanderlust, Spieltrieb und Sammlerfreude: All das verbindet sich, wenn man mit einem Wanderpass in der Tasche auf Tour geht. An verschiedenen Gipfeln oder auf Hütten kann man sich einen Stempel abholen. Der volle Pass wird dann mit einer kleinen Anstecknadel als Zeichen der alpinen Errungenschaften belohnt. Wie so vieles andere auch funktioniert dieses Spiel heutzutage nicht mehr (nur) auf Papier, sondern vorzugsweise per Handy-App. Die „digitale Wandernadel“ soll nun auch im Tölzer Land eingeführt werden. Während Lenggries als Pilotgemeinde voranschreitet, trat die Jachenau zuletzt auf die Bremse.

„Digitale Wandernadel“ fürs Tölzer Land

Der althergebrachte Wanderpass schien seine besten Zeiten eigentlich schon hinter sich zu haben. „Zu Kurzeiten war er bei uns sehr beliebt“, berichtet die Leiterin der Tölzer Tourist-Info, Brita Hohenreiter. Von den Anstecknadeln mit dem Motiv des Tölzer Wanderhuts „hatten wir noch einige im Keller“, sagt sie. Doch die Nachfrage habe sich in jüngerer Zeit in Grenzen gehalten.

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Die Firma „Summit Lynx“ aber habe den „Trend aus vergangenen Zeiten“ aufgegriffen und ins digitale Zeitalter transportiert. Statt mit einem Passbüchlein in der Hand können Wanderer nun mit einer App auf dem Smartphone losmarschieren. Das Handy trackt den Standort des wackeren Wanderers und schreibt bei Erreichen eines bestimmten Ziels Punkte gut. Wer eine bestimmte Punktzahl erreicht, bekommt eine digitale Urkunde aufs Handy. Mit der können sich die Nutzer an die Tourist-Info des jeweiligen Ortes wenden und sich – ganz analog und zum Anfassen – eine Anstecknadel in den Kategorien Gold, Silber oder Bronze holen.

Acht Gemeinden führen „digitale Wandernadel“ ein

Viele Regionen von Ostfriesland bis zum Wilden Kaiser haben die digitale Wandernadel bereits eingeführt. Relativ gleichzeitig wurden Hohenreiter sowie die Lenggrieser Tourismus-Chefin Maria Bader auf das Angebot aufmerksam und regten eine Einführung im Tölzer Land an. „Tölzer Land Tourismus unterstützt dies und hat angeboten, mit dem Anbieter einen Rahmenvertrag abzuschließen“, erklärt Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid. Nach Stand der Dinge wollen auch Sachsenkam, Benediktbeuern, Bad Heilbrunn, Wolfratshausen, Kochel und Schlehdorf mit.

Belohnung für fleißige Wanderer: Mit der digitalen Wandernadel können sich Interessierte den „Lenggrieser Wanderkristall“ erlaufen.
Belohnung für fleißige Wanderer: Mit der digitalen Wandernadel können sich Interessierte den „Lenggrieser Wanderkristall“ erlaufen. © Gemeinde Lenggries

In Lenggries gibt es die digitale Wandernadel schon. Elf Ziele im Gemeindegebiet locken mit Punkten, darunter die Reiser-Alm, die Lenggrieser Hütte oder die Benediktenwand. Wer vier Ziele erlaufen hat, kann gegen 2 Euro seine digitale Urkunde gegen den bronzenen Wanderkristall – einen Ansteck-Pinn fürs Revers – eintauschen. Bei sechs Punkten gibt‘s die Auszeichnung in Silber, bei acht in Gold. Selbst ohne Beteiligung weiterer Kommunen „hätten wir es allein umgesetzt“, sagt Maria Bader.

App als Instrument der Besucherlenkung

Ganz allein wären ihr die Kosten von 4000 Euro im Jahr zu teuer gewesen, sagt hingegen Brita Hohenreiter für Bad Tölz. Bei der jetzigen Zusammenarbeite aber entfallen auf Bad Tölz, Lenggries und den Tölzer Land Tourismus jeweils nur 600 Euro, auf die übrigen Gemeinden je 367 Euro, wie Sabine Schmid vom Landratsamt aufschlüsselt.

Für Bader und Hohenreiter liegen die Vorteile auf der Hand. „Es ist ein Instrument der Besucherlenkung“, erklärt die Chefin der Lenggrieser Tourist-Info. Die Gäste würden damit angeregt, die Orte aufzusuchen, die touristisch schon erschlossen sind „und nicht zu den geheimen Lieblingsplätzen der Einheimischen zu gehen“, meint auch ihre Tölzer Kollegin. Dies diene dem Schutz von Flora und Fauna, aber auch der einheimischen Bevölkerung. „Das trägt zur Tourismusakzeptanz bei“, so Hohenreiter.

Jachenau ist nicht mit dabei

Für die Tages- und Übernachtungsgäste sei die digitale Wandernadel zudem ein „nettes Angebot“, findet sie. Und: „Wir können damit Werbung für die schönsten Ziele der Region machen.“ Bader spricht von einem „tollen Marketing-Instrument“. Wenn man damit gemeindeübergreifend die ganze Vielfalt des Tölzer Lands darstellen könne, umso besser. In der App müsse man auch nicht unbedingt nur Berggipfel als Ziele definieren, es könnten genauso gut Aussichtspunkte oder Themenwege im Tal sein.

Zurückhaltend hat in seiner jüngsten Sitzung hingegen der Jachenauer Gemeinderat auf das Projekt reagiert. „Ich sage nicht, dass es ein Schmarrn ist, aber für mich hat die Sache einen faden Beigeschmack“, erklärte Bürgermeister Klaus Rauchenberger. „Dass wir mit unseren 40 000 Übernachtungen im Jahr genauso viel zahlen sollen wie eine Nachbargemeinde mit 200 000 Übernachtungen, dafür fehlt mir das Verständnis“, so der Rathauschef. „Wir machen die Tür nicht zu, aber unter diesen Bedingungen sind wir nicht dabei“, formulierte es Gemeinderat Josef Orterer – und dem entsprach das einstimmige Votum des Gremiums. (ast)

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