„Wetter-Krimi“ in Deutschland: Schneesturm legt Teile des Landes lahm – Experte warnt vor „Lebensgefahr“

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Der Winter zeigt in Deutschland seine volle Macht. „Elli“ verursacht Schneechaos und Verkehrsprobleme. Lebensgefährliche Wetterlagen drohen.

München – Deutschland rüstet sich für eine meteorologische Achterbahnfahrt der besonderen Art. Sturmtief „Elli“ nimmt Kurs auf die Bundesrepublik und bringt eine explosive Mischung aus Schneemassen, orkanartigen Böen und tückischem Glatteis mit sich. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt bereits vor einem „echten Wetter-Krimi“, der ab Donnerstagabend (8. Januar) seinen Höhepunkt erreichen soll.

Wer nicht unbedingt raus muss, soll in den kommenden zwei Tagen lieber zu Hause bleiben. © Collage snowfieldphotography/IMAGO - Jörg Halisch/picture alliance/dpa - Harald Tittel/picture alliance/dpa

Während im Nordosten weiterhin arktische Kaltluft dominiert, strömt vom Atlantik milde Luft heran. Diese Kollision der Luftmassen wird Deutschland in eine Wetterlage versetzen, die Meteorologen nur alle zehn bis 15 Jahre beobachten. Besonders brisant wird die Situation durch den stürmischen Wind, der die Schneemassen zu Verwehungen aufwirbeln kann. „Auf den Straßen besteht am Donnerstag und am Freitag Lebensgefahr“, sagt Wetterexperte Dr. Karsten Brandt am Dienstag zur Bild.

Sturmtief Elli verwandelt Deutschland in ein Schneechaos: Extreme Windgeschwindigkeiten erwartet

Bereits der Donnerstag beginnt gebietsweise mit leichtem bis mäßigem Schneefall mit ein bis fünf Zentimetern Neuschnee, im Schwarzwald und den Alpen auch mehr. Ab dem späten Donnerstagabend ziehen von Südwesten her kräftige Schneefälle auf, die sich rasch nordostwärts ausbreiten, so der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Vom Nordwesten über die mittleren Landesteile bis nach Bayern rechnen die Meteorologen mit Neuschneemengen zwischen drei und zehn Zentimetern innerhalb von neun bis zwölf Stunden. In Staulagen können sogar bis zu 15 Zentimeter zusammenkommen. Am Freitag (9. Januar) setzt sich der Schneefall im Norden und Osten fort, später auch in den westlichen Mittelgebirgen. Dabei sind erneut drei bis zehn Zentimeter, lokal sogar bis zu 20 Zentimeter Neuschnee möglich.

Ab der Nacht zum Freitag frischt der Wind im Norden sowie im Westen und Südwesten stürmisch auf. Die Böen erreichen dabei Geschwindigkeiten um 55 km/h, an den Küsten und in höheren Lagen gibt es Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h. Auf Helgoland und im Hochschwarzwald werden sogar Orkanböen zwischen 105 und 130 km/h erwartet. „Zu Fuß kann man die Orientierung verlieren und einschneien. Man kühlt sofort aus, verliert die Kraft und erfriert“, warnt Experte Dr. Brandt bei der Bild.

Verkehrschaos und Schulausfälle prägen den Alltag in weiten Teilen der Republik

Im Bergland sowie im Allgäu herrscht noch Dauerfrost. Am Donnerstag liegen die Höchstwerte in Bayern bei minus 4 und plus 2 Grad. Der Wind bleibt dabei stark. Im Süden und im Westen soll der Schnee laut DWD in gefrierenden Regen übergehen. Autofahrer müssen sich in der Nacht auf Freitag auf Glatteis einstellen. Am Freitag liegen die Temperaturen zwischen minus 6 Grad an der Oder und plus 8 Grad am Oberrhein.

Die Deutsche Bahn hat vorsorglich Einschränkungen im Fernverkehr angekündigt. Betroffen sind Verbindungen nach Norddeich-Mole, Kiel, Westerland/Sylt, Rostock, Binz/Rügen und Kopenhagen. Auf den Schnellfahrstrecken zwischen Wolfsburg und Berlin, Hannover und Würzburg sowie Frankfurt und Köln fahren die ICE-Züge mit reduzierter Geschwindigkeit von maximal 200 km/h, was zu Verspätungen von bis zu 30 Minuten führen kann.

Bereits am Donnerstag fällt dem NDR zufolge in mehreren niedersächsischen Regionen der Schulunterricht aus. Einrichtungen in Wilhelmshaven, Emden und im Landkreis Aurich stellen auf Distanzunterricht um. Andere Bundesländer könnten folgen. Hausarztpraxen sowie Krankenhäuser rechnen zudem mit einem Anstieg an Verletzungen durch witterungsbedingte Unfälle.

Winterdienste und Behörden kämpfen gegen Personalengpässe und Materialknappheit

Die Herausforderungen für die Winterdienste sind immens. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) versichert zwar gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass „alle verfügbaren Kräfte auf den Straßen, Bahnhöfen und Schienen unterwegs“ seien, doch die Realität sieht teilweise anders aus. In Mecklenburg-Vorpommern könnte ein Streikaufruf laut einer Pressemitteilung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr zu personellen Engpässen beim Winterdienst führen.

Besonders prekär ist die Situation in Hildesheim, wo der Winterdienst wegen Lieferengpässen beim Streusalz seinen Einsatz einschränken muss. Hamburg hat als Reaktion auf die extreme Wetterlage das normalerweise geltende Verbot von Streusalz auf Gehwegen bis zum 21. Januar aufgehoben, um älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen das sichere Fortkommen zu ermöglichen.

Das Sturmtief „Elli“ wird Deutschland mindestens bis zum Wochenende im Griff behalten. Erst zum Sonntag soll sich die Wetterlage langsam wieder beruhigen. Bis dahin heißt es für Millionen Deutsche: Vorsicht walten lassen und möglichst zu Hause bleiben. (Quellen: dpa, Bild, Deutscher Wetterdienst, Deutsche Bahn, NDR, Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern) (jaka)