Zwischen Tradition und Jäger-Konflikt: Hubertusmesse in Rottach-Egern

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Traditionell geschmückt: Im Rahmen der Hubertusmesse fand die Ehrung des Hubertushirsches statt. © Ingrid Versen

Trotz durchwachsenem Wetter war die Hubertusmesse in Rottach-Egern gut besucht. Neben der Feierlichkeit gab es aber auch viele ernste Worte zur aktuellen Debatte über die Jagd.

Rottach-Egern – Trotz des widrigen Wetters war die St. Laurentius-Kirche in Egern zur traditionellen Hubertusmesse voll besetzt. Zu Beginn bedankte sich Haupt-Organisator Christian Liebl zunächst bei Monsignore Walter Waldschütz, der als Hausherr die Möglichkeit zu dieser besonderen Messe gegeben hatte.

Dank galt Pfarrer Andreas Giehrl aus der Oberpfalz, selbst Jäger und Revierinhaber in der Nähe seiner Pfarrgemeinde , der heuer in Egern die Messe zelebrierte, musikalisch umrahmt vom Bund Bayerischer Berufsjäger unter der Leitung von Tobias Hupfauer. Zuvor hatten die heimischen Jäger vor der Kirche auf einem Anhänger den diesjährigen Hubertushirschen traditionell geschmückt zur Ehrung hergerichtet.

Er stammt aus einem heimischen Revier, ein 14 Ender, Alter etwa 13. Kopf. Klare Worte fand Christian Liebl nach der offiziellen Begrüßung: „Wider aller negativen Stimmen zur Überschrift in der Vorankündigung von Teilen der hiesigen Presse sei deutlich gesagt, dass die heutige Hubertusmesse von den einheimischen Jägern organisiert wurde, und zwar für alle Jäger, Einheimische und Gäste aus Nah und Fern.

Ehrung des traditionell geschmückten Hubertushirsches

Die Kirche sei ein öffentlicher Raum, der Zugang für Jedermann gewährt. „Diese Gastlichkeit prägt die Hubertusmesse nun schon rund zwei Jahrzehnte und so wird es auch bleiben“, versprach Liebl sichtlich bewegt. Vor Beginn der Hirsch-Ehrung, außerhalb des Gotteshauses, erklärte Christian Liebl den Anwesenden eindringlich die derzeit heiß diskutierte Situation:

„Neben der umstrittenen Fütterungsthematik hat der Jagdvorsteher mit dem neuen Jagdjahr 2025 alle einheimischen Jäger durch Auswärtige ersetzt, ohne Zustimmung der Jagdgenossenschaft“. Dies vor dem Hintergrund, dass die einheimischen Jäger vor Ort für Kultur, Tradition und Verlässlichkeit stehen und auch zum großen Teil selbst Grundeigentümer sind oder diese vertreten.

Volles Haus bei der Hubertusmesse in Rottach-Egern

Die traditionelle Hubertusrede hielt danach mit ruhigen Worten Johannes Holzner (50) als Jäger, Landwirt, Waldbesitzer und als Wissenschaftler der Hochschule in Weihenstephan-Triesdorf zum Thema „Angewandte landwirtschaftliche Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensplanung“. „Diese vier Rollen, die sich manchmal reiben, manchmal ergänzen und doch eines gemeinsam haben: die Liebe zur Heimat und den Wunsch, sie zu bewahren“, beleuchtete Holzner als „Brückenbauer“.

Darum sei es wichtig, dass man sich an Hubertus nicht nur feierlich, sondern auch nachdenklich versammeln würde. „Die Hubertusfeier ist mehr als ein Fest – sie ist eine Einladung, in uns zu gehen“. Wenn man heute über den Jäger als „Hüter von Kultur und Natur“ spreche, so spreche man über Verantwortung.

Bewegende Hubertusmesse: Jäger kämpfen für Heimat und Tradition

Nicht über Besitz, nicht über Macht, sondern über Pflege und Bewahrung. „Wir Jäger sind keine Herren über die Natur, wir sind ihre Diener. Wenn wir das vergessen, verlieren wir das, was uns mit ihr verbindet. Mit erhobener Stimme forderte der sympathische Redner auf: „Darum lasst uns Brücken bauen, zwischen den Ständen, zwischen den Interessen, aber auch zwischen Herz und Verstand“.

Er schloss leidenschaftlich und beschwörend: „Denn nur gemeinsam können wird das bewahren, was uns alle nährt – die Heimat, die Natur, das Leben selbst“. Die Veranstaltung endete mit einem Festzug entlang der Seestraße zu den Kirschner Stuben, wo die Hubertusfeier mit einem gemeinsamen Wildessen endete. Ingrid Versen

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