In Kochel sorgt Bürgermeister Jens Müller mit der überraschenden Ankündigung, sich bereits 2026 wieder zur Wahl zu stellen, für Aufsehen. Eigentlich könnte er bis 2030 im Amt bleiben, doch er möchte durch die vorgezogene Wahl Kosten sparen. Aktuell gibt es jedoch keinen Gegenkandidaten.
Kochel am See – Der Kochler Bürgermeister Jens Müller (Unabhängige Wählergemeinschaft Kochel, UWK) hat mit seiner Ankündigung, sich nächstes Jahr vorzeitig zur Wahl zu stellen, die politische Konkurrenz auf dem falschen Fuß erwischt. Mit diesem Schritt hatte offenbar niemand gerechnet. Gut für Müller. Denn ein Gegenkandidat ist derzeit nicht in Sicht. Dies ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage der Heimatzeitung unter den Parteien und Gruppierungen, die im Gemeinderat vertreten sind. Nur der machtbewusste CSU-Ortsverband hält nach eigenen Angaben aktiv Ausschau nach einem geeigneten Herausforderer – Ausgang ungewiss.
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Überraschungscoup gelandet
Es war ein Überraschungscoup, den Müller vor rund zwei Wochen landete und damit den Kochler Politbetrieb in helle Aufregung versetzte. Zur Erinnerung: Der Jurist wurde erst 2024 gewählt und könnte gemäß dem Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz eigentlich sechs Jahre lang, also bis 2030, regieren. Doch der Nachfolger von Thomas Holz, der im Herbst 2023 für die CSU in den Bayerischen Landtag einzog, hat sich eine andere Marschroute vorgenommen. Er stellt sich deutlich früher, nämlich zur Kommunalwahl im März 2026, dem Bürgervotum. Um Kosten zu sparen, wie er erklärt. Denn eine Bürgermeisterwahl außerhalb des Turnus verschlinge unnötig viel Geld – die Rede ist von circa 25 000 Euro – und binde überdies Personal.
Das Kostenargument überzeugt allerdings nicht alle Ortspolitiker. Manch einer vermutet, Müller wolle sich vielmehr den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung sichern, um die anstehenden Großprojekte umzusetzen. Davon gibt es reichlich. Kochel steht bekanntlich vor schwierigen Fragen und Entscheidungen, die die Ortsentwicklung betreffen, sei es die Zukunft der Heimatbühne, der kommunale Wohnungsbau oder der richtige Umgang mit dem Overtourismus.
CSU will keine Proforma-Lösung
Für die CSU dürfte der Druck, dem Wähler eine Alternative zu Müller anzubieten, am größten sein. Doch einfach scheint diese Personalie für die Christsozialen nicht zu sein. Ortschef Florian Lantenhammer bleibt vage, spricht von einem ergebnisoffenen Prozess. „Wir sind auf der Suche“, berichtet er. „Wir haben potenzielle Leute.“ Nur könne er nicht sicher sagen, dass sich am Ende auch ein Anwärter auf den Führungsjob in der Verwaltung findet. Eine Proforma-Lösung kommt für Lantenhammer nicht in Frage. „Es muss jemand sein, der auch Erfolgschancen hat“, betont er. Die Bürgermeisterwahl 2024 dürfte bei den Schwarzen noch in leidvoller Erinnerung sein. Angetreten war damals Thomas Bacher (CSU) – und kassierte eine Niederlage.
Müller hatte sich nicht nur gegen den CSU-Mann, sondern auch gegen Rosi Marksteiner (Mitte) durchgesetzt. Für sie ist eine Bürgermeisterkandidatur kein Thema mehr, stellt sie unumwunden klar. „Ich habe das einmal gemacht. Das ist durch“, sagt sie. Kochel sei eben nicht bereit, schiebt sie hinterher, eine nicht-konservative Frau an die Rathaus-Spitze zu wählen. Ob jemand anderes aus ihrer Gruppierung den Hut in den Ring wirft, lässt sie offen. „Wir haben uns noch nicht ausgetauscht“, erklärt sie. Für den Gemeinderat trete sie aber wieder an.
Die anderen Zusammenschlüsse in dem Gremium der 4000-Einwohner-Kommune – die Freie Wähler Gemeinschaft, die Junge Liste und die Freien Bürger Ried – winken beim Stichwort Bürgermeisterkandidat sofort ab. Und auch SPD-Urgestein Klaus Barthel, der als Einzelkämpfer in dem Gremium sitzt, ist skeptisch, dass ein Rivale aus der Deckung kommt, um Müller das Amt streitig zu machen. „Ich sehe niemanden“, bilanziert der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Er selbst habe auch keine Ambitionen. Er bewerbe sich ja bereits als Landrat.