Deutschland kann die Energiewende schaffen – wenn Windkraft, Photovoltaik und Stromnetze ausgebaut werden. Das war die zentrale Botschaft des zweiten Landtagsvizepräsidents Ludwig Hartmann (Grüne) in Grafrath.
Grafrath – Ludwig Hartmann war Gast einer Podiumsdiskussion des Grünen-Ortsverbandes Ampermoos im Bürgerstadel unter dem Motto „Volle Kraft für die Energiewende“. Beinahe 100 Zuhörer waren dazu erschienen.
Neben Hartmann hatten die Grünen mit Projektentwickler Valentin Heusgen, Umweltingenieurin Kristina Willkomm und Tobias Lexhaller, Vorstand der Bürgerstiftung des Landkreises Fürstenfeldbruck und ehemals bei der Bürger-Energiegenossenschaft Sonnensegler, drei Menschen für das Podium gewonnen, die sich seit geraumer Zeit mit der Energiewende befassen. Einhelliger Tenor des Quartetts: Fossile Brennstoffe und Atomkraft haben keine Zukunft.
Alleine schon, um sich vom Ausland unabhängig zu machen, müsse Deutschland auf erneuerbare Energien setzen, so Hartmann. „Wir beziehen 98 Prozent unseres Öls und 96 Prozent unseres Gases aus dem Ausland“, rechnete der Landtagsabgeordnete vor. Für die mittlerweile abgeschalteten Atomkraftwerke sei 100 Prozent des Urans aus Russland gekommen, das sich seit mehr als zwei Jahren in einem Angriffskrieg auf die Ukraine befindet. Einzig Braunkohle werde hierzulande gefördert – aber mit entsprechend einhergehender Umweltzerstörung.
Dass Deutschland zuletzt Strom aus dem Ausland bezogen hat, sei nicht aufgrund eines Mangels erfolgt, sondern weil die Preise im Ausland günstiger waren. Überhaupt gibt es beim Strom in Deutschland laut den Podiumsteilnehmern kein Problem der Erzeugung, sondern der Verteilung. Heusgen forderte: „Wir brauchen Photovoltaik und Windkraft flächendeckend überall.“ Denn bislang werde Wind vornehmlich im Norden, die Sonne im Süden genutzt. Der erzeugte Strom müsse aber an die Verbraucher weitergeleitet werden. „Wir sind beim Netzausbau zu spät dran“, sagte Heusgen.
Kommunen einbinden
Und Willkomm forderte von der Politik einen guten Rahmen für Windkraft. „Mit 10H-Regelung sind die Anträge für Anlagen eingebrochen und die Akzeptanz bei den Bürgern ist geschwunden“, sagte sie. Man brauche aber Windräder übers ganze Land verteilt, „weil immer woanders der Wind weht“.
Einige waren sich die Diskutanten auch darüber, dass für die Energiewende die Kommunen eingebunden werden müssen. Lexhaller sieht Grafrath hier bei der Wärmeversorgung in einer idealen Situation. „Es gibt eine Kläranlage, die warmes Wasser in die Amper leitet, außerdem sollen ein Windrad und eine Freiflächen-Photovoltaik㈠anlage entstehen.“ Sein Rat an die Gemeinde: „Einfach eine Großwärmepumpe bei der Kläranlage bauen und damit ein Nahwärmenetz aufbauen.“