Weil ihnen die Gondel auf den Berg zu teuer, versuchte ein Pärchen mit dem Hund über den tief verschneiten Klettersteig auf die Zugspitze zu gelangen. Eine Zufallsbegegnung verhinderte Schlimmeres.
Ehrwald/Garmisch-Partenkirchen – „Die Leute glauben nicht, dass oben am Berg noch tiefster Winter herrscht.“ Regina Poberschnigg, Chefin der für die Tiroler Seite der Zugspitze zuständigen Bergrettung Ehrwald, kann derzeit nur den Kopf über viele Bergtouristen schütteln, die mit völlig unzureichender Ausrüstung versuchen, die Zugspitze zu erklimmen.
Touristen an der Zugspitze: Statt Pickel, Bergstiefeln, Steigeisen und Seilen hatten sie nur Halbschuhe an
Poberschnigg begegnete am Wochenende zwei deutschen Wanderern, die mit ihrem Hund in Halbschuhen vom Eibsee über den Stopselziehersteig auf die Zugspitze gehen wollten. „Das ist ein Klettersteig, der im Moment auch noch tief verschneit ist“, so Poberschnigg. Ab 1500 Meter Höhe gebe es die ersten Schneefelder, die Halteseile seien unter Schnee begraben, man bräuchte Pickel, eigene Seile und Steigeisen für den Steig.
Die unglaubliche Antwort der Touristen: „Sie sagten, dass ihnen die Liftkarte zu teuer ist.“ Die Tiroler Zugspitzbahn nimmt 62 Euro für die Fahrt. „Als ich antwortete, dass eine Hubschraubereinsatzstunde in Tirol für eine Bergung 120 Euro pro Minute kostet, waren sie auch nicht beeindruckt.“ Schließlich kehrten die beiden aber doch um.
Wetterstein-Umrundung an der Zugspitze: Mountainbiker starten in kurzen Hosen in zwei Meter tiefen Schnee
Gleichzeitig versuchen jetzt schon viele Mountainbiker die Wetterstein-Umrundung an der Zugspitze zu absolvieren. Eine legendäre Tour mit insgesamt 1956 Höhenmetern, die auf bis zu 1600 Meter Höhe führt. Poberschnigg: „Die fahren mit kurzen Hosen los und wundern sich dann, dass sie oben im Gaistal im zwei Meter tiefen Schnee nicht mehr weiterkommen.“
Ein Dutzend Radler habe das am Wochenende versucht. „Die meisten hatten noch die Kraft, selbst umzukehren, bei zweien war aber die Luft draußen, wir mussten sie mit dem Skidoo nach unten bringen.“ Viele Urlauber könnten bei den sommerlichen Temperaturen im Tal nicht glauben, dass am Berg winterliche Bedingungen herrschen. Poberschnigg: „Am Zugspitzgipfel liegen bis zu drei Meter Schnee.“ Man versuche, den Leuten nur zu erklären, ab wann es gefährlich werde. „Wir wollen keine Spaßbremsen sein.“
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Auch am 2108 Meter hohen Krippenstein bei Obertraun im Dachsteingebirge (Oberösterreich) wollten jüngst zwei Tschechen (19 und 21 Jahre alt) von Bergrettern mit einem Skidoo geborgen, nachdem sie nur mit Turnschuhen und ohne eine Orientierungshilfe den Klettersteig begangen hatten, dann über schneebedecktes Gelände zurück zur Seilbahn wandern wollten und nicht mehr weiter kamen.
Bergwacht mahnt: „Klappspaten, Bunsenbrenner und Planen taugen nicht fürs Hochgebirge“
Auch die benachbarte Bergwacht Garmisch-Partenkirchen musste in den vergangenen Tagen immer wieder ausrücken, weil Wanderer die im größeren Höhen nach wie vor winterlichen Verhältnisse unterschätzt hatten.
Zuletzt flogen sie eine Gruppe Wanderer aus dem Reintal aus, die nicht mehr weiter kamen. Der Rat der Bergretter: „Klappspaten, Bunsenbrenner, diverse Planen und 50+ Liter Rucksäcke mögen im Flachland adäquate Utensilien zum Zelten sein, sind jedoch in den Bergen völlig fehl am Platz und zur Gänze untauglich.“
Zuletzt war es bei Après-Ski-Unfällen in Tirol zu zwei Todesfällen gekommen. Die Situation in den Bergen ist derzeit tückisch. Am Achensee (Tirol) starb ein 19-Jähriger in einer Lawine. In der Schweiz gab es eine Lawinenkatastrophe mit fünf Toten. In den italienischen Dolomiten wurde eine 14-Jährige von einem Schneebrett erfasst.