Gefahr auf Italiens Supervulkan: Karte zeigt dicht besiedelte Risikozonen

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Erdbeben am Supervulkan in Italien besorgen die Bevölkerung vor Ort. Eine interaktive Karte zeigt jetzt, welche Gebäude der größten Gefahr ausgeliefert sind.

Pozzuoli – Der Supervulkan der Phlegräischen Felder in Süditalien versetzt mit seinen ständigen Erdbeben eine halbe Million Menschen in seinem Einzugsbereich in Angst und Schrecken. Erst in der Nacht auf Freitag hatte es wieder einen relativ heftigen Erdstoß gegeben. Die Beben sind ein Zeichen des Bradyseimos, der das langsame Anheben der Eruption in der Caldera des Supervulkans bezeichnet, das von Erdbeben begleitet wird. Einige Forscher halten die Beben für Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs des Supervulkans, der in prähistorischer Zeit mehrfach ein Gebiet im Umkreis von bis zu 80 Kilometern in eine Todeszone verwandelt hat.

Diese Karte zeigt das Erdbebenrisiko in den Phlegräischen Feldern.
Diese Karte zeigt das Erdbebenrisiko in den Phlegräischen Feldern. © mappe.protezionecivile.gov.it

Supervulkan-Risikozone: Italiens Zivilschutzchef befürchtet Todesopfer bei einem Beben der Stärke 5

Während einige Forschergruppen vor neuen Eruptionen warnen, die von einer gewaltigen Dampfexplosion bis hin zu einer vernichtenden Supereruption reichen, befürchten die staatlichen Forscher des Nationalen Geophysikalischen und Vulkanologischen Instituts (INGV) vor allem ein schweres Erdbeben. Das stärkste bislang gemessene Beben ereignete sich voriges Jahr im Mai mit einer Magnitude von 4,4. Die INGV-Forscher halten jedoch auch ein Beben der Stärke 5,1 für möglich. Der Leiter der nationalen Zivilschutzabteilung des Innenministeriums, Fabio Ciciliano, schockte nach der letzten großen Bebenserie Mitte Februar davor, dass bei einem solchen Beben Menschen sterben würden.

Nach ersten Schätzungen staatlicher Stellen sind etwa zehn Prozent von über 9000 Gebäuden in der Region durch Erdbeben „hoch gefährdet“ - sprich: Bei einem Beben könnten sie einstürzen und ihre Bewohner unter sich begraben. Nur wussten die Bewohner der Roten Zone bislang nicht, ob auch ihre Gebäude gefährdet sind.

Karte zeigt, wo es sich in italienischer Bucht am Supervulkan am gefährlichsten lebt

Jetzt hat der italienische Zivilschutz eine interaktive Landkarte herausgegeben, in der die Bewohner in 250 Meter breiten Planquadraten sehen können, wie gefährdet ihr Haus ist. „Diese Karte zeigt die Ergebnisse der ersten flächenbezogenen Untersuchung der Anfälligkeit privater Gebäude in dem am stärksten vom bradyseismischen Phänomen betroffenen Gebiet der Gemeinden Pozzuoli, Bacoli und Neapel, wie im Plan zur außerordentlichen Anfälligkeitsanalyse vorgesehen“, heißt es in der Beschreibung der Karte. Dazu wurde im Parlament in Rom ein eigenes Gesetz erlassene. Die Karte kennt drei Stufen: Gel (geringe Gefährdung), Rot (mittlere Gefährdung) und Dunkelrot (hohe Gefährdung).

Voriges Jahr brachen von mehreren Häusern während der Beben Fassadenteile auf die Straße.
Voriges Jahr brachen von mehreren Häusern während der Beben Fassadenteile auf die Straße. © IMAGO/napolipress

Unter den insgesamt 442 Planquadraten in der Roten Zone des Supervulkans wurden 29 hochgefährdete Zellen identifiziert. Davon befinden sich neun mitten im stark besiedelten Badeort Bacoli (25.410  Einwohner) am Westufer der Bucht von Pozzuoli -eine Region, in der es auch mehrere Hotels gibt, in denen Touristen ihren Italien-Urlaub verbringen. Elf dunkelrote Planquadrate befinden sich in Pozzuoli (Einwohner), davon fünf in der Altstadt, in der sich viele historische Gebäude befinden und die am dichtesten bebaut ist - auch mehrere Kirchen stehen hier. Die Kathedrale ist ein mehrfach umgebauter Tempel aus der Zeit von Kaiser Augustus. Neun weitere dunkelrote Planquadrate befinden sich an der Ostseite der Bucht im Neapolitaner Stadtteil Bagnoli (23.648 Einwohner), ebenfalls in sehr dicht bebautem Gebiet.

Supervulkan bebt unaufhörlich: Italienischer Katastrophenschutz nahm Tausende Wohngebäude unter die Lupe

Die Zuordnung der Zellen erfolgte auf Basis einer ausschließlich externen Inspektion von 9078 Gebäuden, die 2023 und 2024 von der Abteilung für Katastrophenschutz des Innenministeriums vorgenommen wurde. „Sie hat daher eine rein statistisch-wahrscheinliche Bedeutung“, heißt es. Wem ein gefährdetes Haus in der Zone gehört, der kann es jetzt eingehend von Statikern untersuchen lassen, wobei Gebäude aus den dunkelroten und hellroten Planquadraten Vorrang haben. Die Ergebnisse der genaueren Untersuchungen werden online in einem Dashboard zusammengefasst.

Eigentümer können dann entscheiden, mit welchen Maßnahmen sie ihre Gebäude erdbebensicher nachrüsten wollen. Der Staat soll Umbaumaßnahmen bezuschussen. Was auch passieren kann, zeigt das Viertel Rione Terra am Fischerhafen von Pozzuoli wurde schon 1970 wegen der Bebengefahr geräumt. 5000 Einwohner mussten über Nacht ausziehen, weil man einen Vulkanausbruch befürchtete. Damals hatte sich dort der Boden innerhalb weniger Wochen um 1,70 Meter über den Meeresspiegel angehoben. Die Lage beruhigte sich aber wieder, 1984 und 1985 gab es wieder Erdbeben und das Land stieg um einen weiteren Meter an. Seit Beginn der jüngsten Krise im November 2005 kamen weitere 1,40 Meter hinzu.

Jüngst tauchte in der Region durch das Anheben des Untergrunds ein archäologischer Schatz aus einem See auf. Fischer berichten außerdem von „gekochten Fischen“ in ihren Netzen. Außerdem bereitet der hohe CO₂-Ausstoß des Supervulkans den Behörden auch in der U-Bahn Sorgen, Stichwort: Erstickungsgefahr.

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