Brand in der Schweiz: Ehemalige Bar-Angestellte packen aus – Notausgang tabu, Feuerlöscher unzugänglich

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Nach dem Brand in der Schweiz gibt die Gemeinde zu: Die Bar wurde jahrelang nicht kontrolliert. Derweil erheben Ex-Angestellte schwere Vorwürfe gegenüber den Betreibern.

Crans-Montana – Auch Tage nach der Brand-Katastrophe in der Silvesternacht in der Schweizer Bar „Le Constellation“ ist der Schock groß. 40 Menschen sind bei dem Feuer ums Leben gekommen, über 100 Menschen wurden teils schwer verletzt. Immer wieder kam der Verdacht auf, dass die Sicherheitsvorschriften in der Bar nicht eingehalten wurden. Darauf weisen jetzt auch zwei ehemalige Angestellte hin.

40 Menschen sind bei dem Flammen-Inferno in Crans-Montana gestorben, darunter viele junge Menschen. © Olivier Arandel/imago; Romain Doucelin/imago

Eine Mitarbeiterin arbeitete 2023 in der Bar. Gegenüber dem französischen Sender BFMTV behauptet sie: Ein Notausgang sei zu dieser Zeit verschlossen gewesen, da dieser „direkt ins Gebäude führte“. Angestellten sei es untersagt worden, diese Tür zu benutzen. „Es ist sehr eng; wäre die Tür hinten, gegenüber den Toiletten, offen gewesen, hätte das die Zahl der Opfer verringert“, so die Mitarbeiterin mit Blick auf die Silvester-Tragödie. Das deckt sich mit den Aussagen eines Stammgastes, der zuvor von einem versperrten Notausgang gesprochen hatte.

Nach Silvester-Brand in Schweizer Bar: Ehemalige Angestellte bemängeln Sicherheitsvorschriften

Auch ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter der Bar nahm die Sicherheitsvorkehrungen als unzureichend wahr. „Der Isolierschaum, der fehlende Zugang zu Feuerlöschern, nicht eingewiesenes Personal, nur ein einziger Sicherheitsmann vor Ort, ein Notausgang, der manchmal blockiert oder geschlossen war“, zählte er dem Sender gegenüber die Mängel auf.

In der Silvesternacht seien zwar zwei Notausgänge für die vorgeschriebene Anzahl der Gäste vorhanden gewesen, sagte Gemeindepräsident Nicolas Féraud auf einer Pressekonferenz am Dienstag (6. Januar). Inwieweit diese an dem Abend verfügbar waren, müssten die Ermittlungen zeigen. Auch ein Feuerlöscher, für die Größe des Lokals ausreichend, sei vorhanden gewesen.

Bekannt ist inzwischen aber auch: Die Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde haben die Bar jahrelang nicht kontrolliert, obwohl dies jährlich hätte stattfinden müssen. „Der Gemeinderat hat zur Kenntnis genommen, dass die periodischen Kontrollen zwischen 2019 und 2025 nicht regelkonform durchgeführt wurden, und bedauert dies zutiefst“, sagte Féraud.

Dutzende Tote bei Brand-Katastrophe: Schweizer Bar wurde jahrelang nicht kontrolliert

Die letzte Kontrolle fand 2019 statt. Die Isolierung wurde damals nicht beanstandet. „Die Sicherheitsbeamten waren der Meinung, dass bei den schallisolierenden Schaumstoffmatten in der Bar keine Sicherheitsmängel bestünden“, so Féraud. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um ein billiges Baumarkt-Produkt gehandelt haben könnte. Ob die Schaumstoffmatten zertifiziert waren, wusste Féraud nicht. Dass eine Bestechung vorliegen könnte oder ein Auge bei der Kontrolle zugedrückt wurde, dementierte der Gemeindepräsident. Warum die Bar sechs Jahre lang nicht kontrolliert worden war, konnte er jedoch nicht beantworten.

Was passierte in der Silvesternacht?

Gegen 1:30 Uhr brach das Feuer in der Bar „Le Constellation“ aus. Nach bisherigen Ermittlungen wurde der Brand durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst, die Schaumstoff an der Decke in Brand setzte. Das Feuer breitete sich in Sekundenschnelle aus. Die Schweizer Behörden sprechen von einem sogenannten „Flashover“.

Ungeachtet der Rolle der Gemeinde betonte Féraud aber auch: „Der Barbetreiber war extrem fahrlässig bei dieser Bar. Er hat Risiken auf sich genommen, die man nicht verantworten kann.“ Inzwischen wurde dem Betreiber-Paar die Betriebserlaubnis für ihr zweites Lokal „Le Petit Maison“ in Crans-Montana entzogen.

Nun soll eine externe Gruppe die Brandschutzvorschriften in Lokalen der Gemeinde überprüfen. „Wir werden alle Restaurants durchgehen, um künftig solche Tragödien zu vermeiden“, so Féraud. Gleichzeitig soll ein Verbot von Feuerwerkskörpern in Innenräumen erlassen werden.

Gegen das Betreiber-Paar wurde ein Strafverfahren eröffnet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. In Untersuchungshaft befinden sich Jacques und Jessica Moretti derzeit nicht – das sorgt bei zwei Schweizer Anwälten für Kritik. Trotz der laschen Kontrollen tritt die Gemeinde Crans-Montana als Nebenkläger auf. (Quellen: BFMTV, Kantonspolizei Wallis, Pressekonferenz Gemeinderat) (kas)

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