Die offenbar unaufhaltsamen Dinge nehmen unvermindert ihren Lauf: Glaubt man dem Insolvenzverwalter, steht einer Veräußerung des Silva-Mountain-Grundstücks im Kaffeefeld nichts mehr im Weg. Der bisherige Investor indes scheint nach wie vor an sein Projekt zu glauben.
Wallgau – Mehr denn je hängt das Hotel-Projekt auf dem Kaffeefeld in Mittenwald am seidenen Faden – zumindest aus Sicht des bisherigen Investors Ulrich Franzky. Seit der Insolvenz seiner Mountain-Resort-Mittenwald-GmbH ist der Unternehmer aus München verzweifelt auf der Suche nach Geldgebern. Gegenüber dem Tagblatt war er am Freitag zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Es darf unterm Karwendel also weiter über das 30-Millionen-Euro-Projekt in exquisiter Traumlage gerätselt werden.
Wobei langsam Licht ins Dunkel kommt. Dafür sorgt Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt von der Münchner Pluta-Rechtsanwalts-GmbH. Auf Tagblatt-Anfrage lässt die Pluta-Pressestelle folgendes verlauten: „Im Insolvenzverfahren über das Vermögen der Mountain-Resort-GmbH läuft der Verkaufsprozess. Die Gläubigerversammlung hat den freihändigen Verkauf des Grundstücks genehmigt.“ Rechtsanwalt Willrodt verhandele derzeit mit mehreren Interessenten. „Ziel ist es, einen Investor zu finden, der das Grundstück kauft und das geplante Hotelprojekt fertigstellen wird.“
Dabei wird der Insolvenzverwalter wie folgt wörtlich zitiert: „Wir führen konstruktive Gespräche mit potenziellen Investoren. Die Angebotsphase läuft und wie üblich in solchen Verkaufsprozessen wird das Angebot mit dem höchsten Kaufpreis den Zuschlag erhalten.“ Weitere Details zum Verkaufsprozess dürfe Willrodt mit dem Verweis auf Vertraulichkeit nicht preisgeben.
Aus Sicht von Ulrich Franzky hört sich das nicht gut an. Doch sein Kampf um frisches Geld – die Rede ist seit Monaten von Finanziers aus der Schweiz – geht offenkundig weiter. Das entnimmt man einem Schreiben an Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD). Dieses sollte bei der Bürgerversammlung im Falle einer Anfrage, die seltsamerweise ausgeblieben war, beim Forum in der gut besuchten TSV-Halle verlesen werden. „Im laufenden Verfahren sind wir dabei, den Gutachtern einen Zahlungsplan vorzulegen, um das Hotelprojekt und den Bau wieder auf die Füße zu stellen“, heißt es. „Dabei sollen alle offenen Posten, die rechtmäßig sind, bedient werden.“ Für die Fertigstellung und den Bau habe man ein neues Planungsteam von Architekten, die parallel im Hintergrund weiterarbeiten. „Sobald wieder alles ordnungsgemäß läuft, werden diese dann auf die Fachplaner zugehen, um bis zum Frühjahr den Bau vorzubereiten.“
Für den Außenstehenden passen die Sichtweisen des Insolvenzverwalters und des bisherigen Investors irgendwie hinten und vorne nicht zusammen. Und was sagt der Bürgermeister, der wie die meisten in Mittenwald aktuell auch nur Mutmaßungen anstellen kann? „Ich sehe da nicht so schwarz, dass über Jahrzehnte dort oben eine Bauruine steht.“ Denn dafür, so Corongiu, „ist der Standort viel zu attraktiv“. Darüber hinaus besteht selbst für einen anderen Investor sofortiges Baurecht auf einem voll erschlossenen 18 360-Quadratmeter-Areal, für das vor knapp zwei Monaten von einem beauftragten Immobilienbüro aus Dachau 10,4 Millionen Euro aufgerufen wurden.