Die Rentenkommission soll nach den Plänen des CDU-Politikers konkrete Vorschläge für eine deutliche Anhebung des Renteneintrittsalters vorlegen.
Berlin – Unionsfraktionschef Jens Spahn schlägt Alarm: Die Deutschen müssen sich auf ein deutlich höheres Renteneintrittsalter einstellen. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost macht der CDU-Politiker eine Aussage, die vielen Bürgern den Schweiß auf die Stirn treiben dürfte.
„Wenn die Lebenserwartung weiter steigt, wird auch das Renteneintrittsalter weiter steigen“, erklärt Spahn seine Logik. Der 44-Jährige rechnet fest damit, dass die geplante Rentenkommission konkrete Vorschläge für eine Anhebung des Renteneintrittsalters vorlegen wird. Seine drastischste Aussage: „Jedes zweite heute neugeborene Mädchen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit 100 Jahre alt werden. Wenn man 100 wird, kann man nicht mit Mitte 60 aufhören zu arbeiten.“
Rente mit 67 für Spahn nur der Anfang
Die Statistik gibt Spahn recht: Das durchschnittliche Renteneintrittsalter steigt bereits kontinuierlich an. Laut Deutscher Rentenversicherung lag es 2024 bei 64,7 Jahren – sowohl für Männer als auch für Frauen. Zum Vergleich: 2004 gingen Frauen noch mit 63,0 Jahren und Männer mit 63,1 Jahren in Rente.
Derzeit wird das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Bis 2029 soll dieser Prozess abgeschlossen sein. Doch für Spahn ist das offenbar nur ein Zwischenschritt. „Ich gehe davon aus, dass uns die Rentenkommission Vorschläge für eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und zur Lebensarbeitszeit machen wird“, so der Unionsfraktionschef.
Demografischer Wandel als Herausforderung – Sozialkassen unter Druck
Hintergrund für Spahns Überlegungen ist der demografische Wandel in Deutschland. Fast ein Viertel aller Erwerbstätigen ist bereits zwischen 55 und 64 Jahre alt – der höchste Wert in der gesamten Europäischen Union. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an.
Der CDU-Politiker sieht die Finanzierung der Sozialsysteme in Gefahr. Mehr als jeder zweite Euro, der in Deutschland erwirtschaftet wird, gehe derzeit durch die Hände des Staates, kritisiert Spahn. Die Staatsquote müsse wieder unter 50 Prozent sinken.
Kritik an den Renten-Plänen der CSU
Spahns Ideen dürften nicht überall auf fruchtbaren Boden fallen. Die größte deutsche Gewerkschaft IG Metall stellt sich strikt gegen Überlegungen zu einem höheren Renteneintrittsalter. „Für die Mehrheit der Beschäftigten sei ein höheres Rentenalter unter den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen illusorisch“, erklärte IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban zu dem Thema. Die Gewerkschaft betont, dass die Beschäftigten erst die Voraussetzungen schaffen müssten, um ein höheres Rentenalter überhaupt erreichen zu können.
Auch aus der SPD kommt deutlicher Widerstand gegen die Pläne der Union. Die Sozialdemokraten wehren sich gegen eine Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre. Sie wollen weiterhin an der bestehenden Regelung der Rente mit 63 festhalten. Sozialverbände warnen laut RP Online vor den sozialen Folgen einer solchen Reform und bezeichnen entsprechende Vorschläge als nicht ausreichend für die Bedürfnisse der Beschäftigten. (Quellen: Berliner Morgenpost, Deutsche Rentenversicherung, DPA, IG Metall, RP Online) (cgsc)