Ob Mathe oder Musik, Sport oder Natur: Der Erdinger Noah Bronold (15) kann irgendwie alles. Bei der Mathe-Olympiade Bayern hat er es bis in die Endrunde geschafft.
Erding – „Ich will die Dinge verstehen“, sagt Noah Bronold von sich selbst und grinst – das leicht schelmische Lächeln eines Teenagers. Der 15-Jährige denkt gerne mal um die Ecke, mag es, wenn er auf Unbekanntes stößt. Weil er es liebt, Neues zu entdecken. Ein Tüftler eben. Jetzt hat er an der Mathematik-Olympiade Bayern teilgenommen – und hat es bis in die Endrunde geschafft.
Noahs Jugendzimmer ist flächenmäßig übersichtlich. Ein E-Piano an der einen und ein Schreibtisch an der anderen Wand nehmen einen Großteil des Raums ein. Zwei Leidenschaften des Erdingers, die Musik und die Mathematik. Über dem Schreibtisch hängen Medaillen, in der Ecke liegt Trainingskleidung. Seine dritte Passion: der Sport.
Der Jugendliche ist vom Typ Schwiegermutter-Liebling – freundlich, zuvorkommend, schlau. In der Schule engagiert er sich als Streitschlichter. Seit sieben Jahren spielt er Klavier, komponiert selbst. Es ist schwer vorstellbar, dass bei diesem Pubertier auch mal die Türen knallen. Seit Anfang des Jahres verzichtet er auf Zucker. „Das ist eine Challenge mit meinem großen Bruder“, sagt er, und seine braunen Augen blitzen. Ein Jahr wollen Noah und der 18-jährige Nico durchhalten. Das schwächt die Aggressionen – auch bei Heranwachsenden, erklärt Mutter Heike Müller.
Die Schule fällt Noah leicht. Im Gymnasium schreibt der Neuntklässler fast nur Einser. Außer in Deutsch, da gibt es auch mal eine Drei. Und in Kunst. „Das liegt mir halt nicht.“ Er spricht ruhig und unaufgeregt, aber selbstbewusst. Ein Streber ist er trotz seiner Leistungen noch lange nicht. Die Hausaufgaben, ja, die macht er täglich. Aber sonst? Lernen muss bei ihm schnell gehen. Ein paar Minuten investiert er auf jedes Fach in der Früh vor der Schule. Das muss reichen. Reicht auch.
Dennoch: „Ich würde nicht sagen, dass ich so der brave Schüler bin“, sagt Noah von sich selbst. Seine Klassenkameraden akzeptieren ihn – obwohl er in manchen Dingen etwas smarter ist. Manchmal könne er schon ein Klugscheißer sein, meint er. Aber: „Ich helfe meinen Freunden ja auch immer, dann passt’s wieder“, sagt Noah.
Er ist nicht nur der Tüftler im stillen Kämmerlein, sondern auch Teamplayer. Fünfmal die Woche trainiert er bei Trisport Erding für den Triathlon – Laufen, Schwimmen, Radfahren. Und einmal die Woche geht’s mit den Freunden zum Basketball.
Noahs Geheimrezept ist einfach großes Interesse. An so ziemlich allem. In seinem Zimmer hängen Fotografien von Mond und Sonne, im Wohnzimmer steht ein Teleskop. Die Gestirne, der Nachthimmel, überhaupt die Physik, da gibt es viel zu entdecken. Auf einer Kommode sammelt er Steine. „Ich mag die Natur, die Ruhe dort“, sagt der 15-Jährige. Im Frankreich-Austausch des Anne-Frank-Gymnasiums vorigen Herbst war er beeindruckt von der wilden Ardèche. Daheim geht er gerne mit seinem Zwillingsbruder Matteo spazieren. Und Mineralien sind sowieso faszinierend.
In seinem Zimmer stapeln sich unter der Leiter zum Hochbett Experimentierkästen. Chemie, auch so spannend. Daneben eine Zauberausrüstung. Damit hat Noah früher gerne die Familie unterhalten. Und irgendwann eigene Tricks entwickelt. Zum Vatertag hat Papa Harald Bronold vergangenes Jahr vom Junior ein selbst gebautes Schränkchen bekommen, mit einem versteckten Schließmechanismus, der bei Drehung Schoko-Kugeln ausspuckt. Der Patentrichter am Europäischen Patentamt war begeistert von der Kreativität seines Sohnes.
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Überhaupt das Planen, das Ausdenken und über einer Aufgabe Brüten, das ist Noahs Welt. Darum ist Mathe auch sein besonderes Steckenpferd. Nichts anderes als eine große Knobelei. „Bei der Mathematik-Olympiade fand ich es einfach super, die Aufgaben einmal ganz genau bis zum Ende durchzudenken“, sagt der Neuntklässler. Die Anforderungen seien weit über das Niveau im Schulunterricht hinausgegangen, meint Johann Stitzl, Fachschaftsleiter Mathematik am Anne-Frank-Gymnasium und Noahs Betreuer, anerkennend.
Stolz ist auch Noah, dass er sich für die Endrunde an der Mathematik-Olympiade Bayern qualifiziert hatte. Zwar reichte es am Ende doch nicht ganz für den Sieg, aber der 15-Jährige bereut den Extra-Arbeitsaufwand nicht: „Es war die Erfahrung wert“, sagt er.