Ein Faschingsverein aus Schwaben hat den Reeperbahn-Bus vom Reicherbeurer Faschingszug gekauft. Der Transport über 250 Kilometer wird zur logistischen Herausforderung.
Reichersbeuern – Der nur alle zehn Jahre stattfindende Reichersbeurer Faschingszug „Muafaz“ ist jetzt ein Jahr her. Während die meisten Wagenbauer-Gruppen ihre Gefährte bereits zurückgebaut oder in wenigen Fällen auch verkauft haben, wartete ein Team noch zu. Die Männer, die einen alten Gelenkbus aufwändig zu einer Reeperbahn-Partybar umfunktioniert hatten, haben nun einen Käufer gefunden.
Viele Interessenten aber Probleme mit dem Transport
„Wir haben bereits nach dem Faschingszug über Kleinanzeigen versucht, einen neuen Besitzer für unseren Bus zu finden. Aber das war ein bisschen so, wie wenn man an Silvester versucht, einen Christbaum zu verkaufen“, sagt Andreas Melf. „Also haben wir es im November nochmal mit Internetinseraten probiert“, ergänzt Sepp Melf. An Interessenten habe es nicht gemangelt – es gab diverse Anfragen von Frankfurt bis Hamburg. „Aber in den meisten Fällen ist der Verkauf dann am Transport-Thema gescheitert“, erklärt Andreas Melf. Bis heute steht der Kiez-Bus auf dem Firmengelände seiner Zimmerei in der Sägmühle. „Ich habe ein Dach draufgebaut und ihn gut eingepackt, damit er vor der Witterung geschützt ist.“
1000 Arbeitsstunden für Umbau investiert
Ein Faschingsverein aus dem Stuttgarter Raum hat sich jetzt für den Bus entschieden und ihn bereits bezahlt. Den Preis möchte Melf nicht verraten. „Wir sind zufrieden und froh, dass wir den Bus nicht zurückbauen und verheizen müssen. Immerhin steckt da wahnsinnig viel Arbeit und Herzblut drin.“ Circa 1000 Arbeitsstunden hätten die zwölf Mitglieder der Gruppe zwischen Weihnachten und Fasching aufgebracht, um das Gefährt zu bauen. Innen ist eine Bar – und über eine schmale Treppe, kommt man auf das ausgebaute Dach. Außen zieren lustige Fotos der beteiligten Männer mit freiem Oberkörper den Eingang.
In den nächsten Tagen tritt der Bus die 250 Kilometer lange Reise nach Schwaben an. „Dazu brauchen sie anscheinend einen TÜV und eine Sondergenehmigung“, so Melf. Die Alternative wäre ein Spezialtransport mit einem Tieflader gewesen, „und das ist wirklich sehr teuer“.
Oberbayern planen Besuch in Schwaben
Seit dem Faschingszug hatte der Bus keine weitere Verwendung. „Eigentlich sollte er beim Dorffest in Reichersbeuern als Bar aufgestellt werden, aber das mussten wir ja leider wetterbedingt absagen“, erinnert Bürgermeister Ernst Dieckmann, der an dem Wagen wie berichtet als „Puff-Mama Layla“ beteiligt war. Insofern finden es alle Beteiligten sinnvoll, dass der Bus wegkommt. Freilich gehe damit auch etwas Wehmut einher. „Da blutet einem schon das Herz“, sagt Melf. Aber man werde im Sommer auf ein Fest der Schwaben fahren. „Da können wir dann schauen, was sie draus gemacht haben.“
Übrigens: Ein Wagen vom Reichersbeurer Faschingszug mit dem Motto „Mad Max“ wird heuer im Faschingszug in Gmund mitfahren, wie „Muafaz“-Komitee-Chef Klaus Hochwind berichtet. Die „Wilde 13“ steht im Biergarten des „Altwirt“ in Wackersberg und das Ananas-Haus von Spongebob Schwammkopf am Bahnhof in Reichersbeuern.