Kanzler Merz wirbt im Sauerland fürs Handwerk – und formuliert Eltern-Appell: „Ganz ehrlich, hört auf“

  1. Startseite
  2. Deutschland
  3. Nordrhein-Westfalen

Kommentare

Hoher Besuch am Freitag im Sauerland: Bundeskanzler Friedrich Merz war zu Gast bei der Handwerkskammer. Er zollte dem Handwerk Respekt und teilte persönliche Einblicke in seine Familie.

Olsberg - In Nordrhein-Westfalen läuft der Wahlkampf zur Kommunalwahl am 14. September auf Hochtouren. Da lässt es sich auch der Bundeskanzler nicht nehmen, das bevölkerungsreichste Bundesland zu besuchen. Bereits am Montag traf Friedrich Merz in Münster auf NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und das Landeskabinett. Nach einem Besuch in Jülich für die Einweihung eines Supercomputers zog es den Bundeskanzler am Freitagabend in seine Heimat.

125-jähriges Jubiläum der Handwerkskammer Südwestfalen - Merz
Kanzler Merz war in Olsberg zu Besuch. © Christoph Reichwein/dpa

In der Konzerthalle Olsberg feierte die Handwerkskammer (Hwk) Südwestfalen Geburtstag. Vor 125 Jahren legten die Handwerker der Region den Grundstein für die Interessenvertretung. Ehrengast war Bundeskanzler Friedrich Merz. „Südwestfalen gehört auch deshalb zu den schönsten, wirtschaftsstärksten und lebenswertesten Regionen der ganzen Bundesrepublik, weil sie eine der handwerksstärksten ist – dazu möchte ich Ihnen ganz herzlich gratulieren“, wird Merz in einer Mitteilung der Kammer zitiert.

Kanzler Merz wirbt fürs Handwerk: „Besser als der Irrweg einer akademischen Ausbildung“

Der Bundeskanzler machte sich in seiner Rede für die duale Ausbildung stark. „Die Ausbildung in einem Handwerksbetrieb ist für viele junge Menschen in Deutschland besser als der Irrweg einer akademischen Ausbildung, auf dem sie scheitern“, so Merz. In einer Talkrunde diskutierte er mit dem Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, dem HwK-Präsidenten Jochen Renfordt und dessen Vize Michael Neuhaus über die Zukunft des Handwerks.

In der Runde wird Merz sehr persönlich. Laut Welt sagte er: „Es ist eine Diskussion, die wir in den Familien führen müssen. Ich sage es an die Adresse der Eltern: Ganz ehrlich, hört auf, Euren Kindern zu sagen, dass der Mensch erst beim Abiturienten anfängt und erst als Akademiker seine Vollendung erfährt.“ Er spricht über seine Familie. Sein Bruder sei zur Berufsfachschule gegangen, habe es nicht bis zum Abitur geschafft. Eine Entscheidung seiner Eltern, für sein Bruder „lebenslänglich dankbar“ gewesen sei.

Friedrich Merz „ungewohnt defensiv“ bei Besuch im Sauerland

Doch Friedrich Merz sprach auch andere Themen an. Laut Welt erklärte der Bundeskanzler „ungewohnt defensiv“, dass es Reformen der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen brauche und einen „großen Handlungsdruck“ gebe. Die sozialen Sicherungssysteme müssten zukunftsfest gemacht werden. Grundlegende Reformen würde man im Herbst auf den Weg bringen.

Beim Thema Migration schlug er kurz wieder den Bogen zurück zum Handwerk, sprach von „Erfolgsgeschichten“ in Betrieben, die Migranten als Auszubildende aufgenommen haben. „Wir brauchen die jungen Menschen“, sagte er laut Welt. Kurz darauf betonte er auch, dass die illegale Migration „weiter reduziert“ werden müsse.

Beim Antrittsbesuch von Friedrich Merz bei Ministerpräsident Hendrik Wüst in Münster nannte der Bundeskanzler die Stadt die heimliche und offene Hauptstadt Westfalens.

Auch interessant

Kommentare