S7-Chaos: Pullach verschärft Ton gegen die Deutsche Bahn

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Bei Einsätzen von Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr können die langen Schrankenschließzeiten am Bahnübergang in Pullach zum Sicherheitsrisiko werden. © SIGI JANTZ

Der Frust mit der S7 geht weiter. Auf ihren Brandbrief hat die Gemeinde Pullach nur eine unbefriedigende Antwort der Deutschen Bahn erhalten und will das nicht auf sich sitzen lassen.

Unpünktliche Züge, minutenlang geschlossene Schranken, zugige Bahnsteige und Stolperfallen beim Einstieg. Seit der Trennung der früheren S7-Äste in die Linien S7 und S5 ist die Situation entlang der Strecke für viele Fahrgäste zur Geduldsprobe geworden. Die Geduld der Gemeinde Pullach jedenfalls ist am Ende. Nach einem Brandbrief an die Bayerische Eisenbahngesellschaft Anfang Dezember liegt inzwischen eine aus Sicht der Gemeinde unbefriedigende Antwort der Deutschen Bahn vor. Daher legt das Rathaus nun mit einem weiteren Schreiben an den DB-Konzernbevollmächtigten Heiko Büttner nach – mit scharfen Worten und konkreten Forderungen.

Notarzt vor Schranke ausgebremst

Besonders brisant: Die langen Schrankenschließzeiten sind nicht nur ein Ärgernis, sondern ein Sicherheitsrisiko. Am 19. November 2025 konnte ein alarmierter Notarzt seinen Einsatzort in der Ortsmitte nur mit erheblicher Verzögerung erreichen – weil die Schranken minutenlang geschlossen blieben, heißt es in dem Schreiben der Gemeinde an die DB. Die Deutsche Bahn begründete dies in ihrer Antwort mit der engen Zugfolge von S7 und S20. Für Pullach ist das zu wenig: „Für uns ist diese Antwort ohne einen Plan zur Abhilfe nicht befriedigend“, schreibt Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) im Antwortbrief. Die Gemeinde fordert nun einen kurzfristigen Vor-Ort-Termin, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Langsamfahrstellen bremsen die Linie aus

Auch die Pünktlichkeit der S7 lässt weiter zu wünschen übrig. Zwei sogenannte Langsamfahrstellen bei Icking und Höllriegelskreuth bremsen die Züge aus. Wann sie beseitigt werden, ist offen. Pullach verlangt nun einen verbindlichen Zeitplan.

Denn die Auswirkungen spüren Pendler jeden Tag: verpasste Anschlüsse, längere Fahrzeiten, Unsicherheit bei der Planung. „Die fortwährende Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit sind für unsere Bürgerinnen und Bürger ein Zeichen der mehr als stiefmütterlichen Behandlung der S7“, schreibt das Rathaus.

Barrierefrei nur auf dem Papier?

Besonders verärgert ist die Gemeinde über die Situation an eigentlich barrierefrei ausgebauten Bahnhöfen wie Pullach und Höllriegelskreuth. Dort halten derzeit Züge der Baureihe ET 424 – mit einer Einstiegshöhe, die nicht zu den Bahnsteigen passt.

Die Folge: Wer einsteigt, muss nach unten treten. Wer aussteigt, stolpert nach oben. Für mobilitätseingeschränkte Menschen ein echtes Problem. Pullach spricht von „Gefahren beim Aus- und Zustieg“ und fordert erneut den Einsatz der besser passenden Fahrzeuge der Baureihe 423 – bislang ohne Antwort der Bahn.

Kein ausreichender Witterungsschutz

Seit der Abkopplung der S7 von der Stammstrecke müssen viele Fahrgäste umsteigen – oft an schlecht geschützten, oberirdischen Bahnsteigen. Bei Verspätungen oder Zugausfällen stehen sie im Regen, im Wind oder wie derzeit bei Minusgraden in der Kälte. Dass die Bahn hier auf den Status quo verweist, stößt im Rathaus auf Unverständnis. „Die dadurch entstehenden langen Wartezeiten sind für viele Fahrgäste unzumutbar“, heißt es.

Chaos bei den Anzeigen

Auch bei der Fahrgastinformation hakt es. Zwar sollen die 16 eingesetzten Züge der Baureihe 424 bis Juli 2026 mit Ortungstechnik nachgerüstet werden – doch warum das nach über einem Jahr Einsatz nochmals ein halbes Jahr dauern soll, erschließt sich in Pullach niemandem. Hinzu kommt: Die Anzeigen am Bahnsteig und die Angaben in Apps wie „MVGO“ würden nicht immer überein stimmen. Für Pendler bedeutet das: Rätselraten statt Verlässlichkeit.

„Wir lassen nicht locker“

Die Gemeinde macht klar: Mit der Antwort der Bahn will man sich nicht zufriedengeben. „Wir werden bei unserer Forderung nach kurzfristigen, verlässlichen und konkreten Maßnahmen nicht locker lassen“, kündigt Tausendfreund an.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/pullach-ort29321/s7-chaos-pullach-verschaerft-ton-gegen-die-deutsche-bahn-94115625.html