Historisches Gold-Hoch lockt Investoren: Afrikanische Staaten fahren Abbau massiv hoch

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Gold ist begehrt, der Preis ist aktuell hoch. Afrikanische Länder mit reichen Gold-Vorkommen kurbeln den Abbau an: Doch nur wenigen verhilft das zu Wohlstand.

Mogadishu/Accra – Multiple Krisenherde auf der Welt ließen den Goldpreis binnen der vergangenen Monate immer weiter steigen. Im Januar erreichte er gar ein historisches Hoch. Zwar folgte eine leichte Schwächephase, doch bewegt sich der Preis des Edelmetalls weiter auf hohem Niveau: 2025 machte sich das in einem jährlichen Wertzuwachs von 47,49 Prozent bemerkbar. Weil die Gold-Wertsteigerung neues Begehren bei Investoren weckt, ergeben sich für die maßgeblich an der Goldförderung beteiligten Länder nun neue Möglichkeiten. 

Fotomontage aus Goldnuggets in einem Glas und arbeitenden Kindern in einer Goldmine in Ghana und © picture alliance/dpa/APA | Georg Hochmuth und picture alliance/dpa | Kristin Palitza

Verschiedene afrikanische Staaten wittern gegenwärtig gar einen neuen Goldrausch. Wie groß aber ist die Zuversicht, dass die aktuelle afrikanische Goldgräber-Stimmung auch positive Effekte für die jeweiligen Staatskassen und die Einwohner der Länder bringt?

Interesse an Gold steigt mit Unsicherheit und globalen Krisenherden

In einer Zeit diverser Kriege, der rigorosen Zoll-Strategie von US-Präsident Donald Trump und immer neuen potenziellen Verwerfungen ist Unsicherheit zu einem präsenten Hemmnis für die Stimmung auf weltweiten Märkten geworden. Ein Phänomen, das ganz zentral für das gesteigerte Interesse am Edelmetall Gold ist, wie Salah-Eddine Bouhmidi, Online-Broker der IG Bank in Frankfurt am Main, jüngst gegenüber Deutsche Welle (DW) einräumte. „Dementsprechend wird Gold als sicherer Hafen angesteuert, wie die immense Nachfrage gerade zeigt“, so Bouhmidi. 

Aktuell (Stand 10. Februar) rangiert der Goldpreis laut finanzen.net bei 5050,46 US-Dollar pro Unze (31,1 Gramm), der Euro-Preis liegt tagesaktuell bei 4239,36 Euro. Unter großen Investoren scheint das erhöhte Interesse am Edelmetall ungebrochen: Etwa die chinesische Notenbank griff den 15. Monat infolge beim Edelmetall zu. Eugenia Mykuliak, Geschäftsführerin der B2PRIME Group, erklärte dem Online-Finanzportal sharedeals.de: „Die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken, mit China im Zentrum, hat sich sowohl zu einer wichtigen stabilisierenden Kraft als auch zu einem wichtigen Markt-Indikator entwickelt.“

In Somalia macht sich bereits seit einem Jahrzehnt ein Goldrausch bemerkbar

In verschiedenen Ländern des afrikanischen Kontinents, die in ihrer Gesamtheit ohnehin bereits zu mehr als einem Viertel an der globalen Gold-Förderung beteiligt sind – und damit so viel wie kein anderer Kontinent – wachsen deshalb Hoffnungen auf neue Chancen, die vom Abbau des begehrten Edelmetalls ausgehen könnten. Und das unter anderem in Somalia, dem ostafrikanischen Land am Horn von Afrika, das nach dem ökonomischen Zusammenbruch Ende der Achtzigerjahre und jahrelangen militärischen Auseinandersetzungen zwischen der Al-Shabaab-Miliz und der provisorischen Regierung vor knapp zehn Jahren gar als „Failed State“ („Gescheiterter Staat“) galt. 

Die Siedlung Milxo – abgelegen im weiterhin umkämpften Nordosten Somalias – ist binnen des letzten Jahrzehnts zu einem neuen Goldgräber-Hotspot in Ostafrika avanciert: Der Ort, der 2016 kaum mehr als eine Ansammlung von Gebäuden mit wenigen Hundert Menschen war, hat sich inzwischen zu einer weitläufigen Siedlung mit schätzungsweise 10.000 bis 15.000 Einwohnern entwickelt. Mittlerweile lockt Milxo Goldsucherinnen und Goldsucher auch über Somalias Landesgrenzen hinaus an, wie die Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC) schreibt. Darunter solche aus dem Sudan und Jemen, aber auch aus dem benachbarten Äthiopien wie auch aus Tansania. 

Viele Länder in Afrika fahren ihre Gold-Abbaukapazitäten hoch

Aber auch andernorts auf dem afrikanischen Kontinent trafen Regierungschefs Entscheidungen, die dem gesteigerten Interesse an Gold per erhöhten Abbaukapazitäten Abhilfe schaffen sollen. So etwa im flächenmäßig vergleichsweise kleinen Burkina Faso: Das westafrikanische Land schafft es DW zufolge, seine Gold-Fördermengen im Jahr 2025 auf ein bislang ungeahntes Niveau zu steigern: mit 94 Tonnen wurde so viel Gold abgebaut wie noch nie zuvor in der Historie Burkina Fasos, die Steigerung gegenüber 2024 betrug allein rund 30 Tonnen.

Ghana dagegen reformierte sein Bergbaugesetz, und zwar um eine einfache Umleitung der Einnahmen der Gold-Förderung in die Staatskasse zu ermöglichen. Bislang nämlich verdiente der Staat Ghana nur wenig durch Steuern und Lizenzgebühren an den reichen Geld-Ressourcen im Land, wie DW hinweist. Ein Grund dafür ist die rege Aktivität ausländischer Förderunternehmen vor Ort, zu denen unter anderem der weltweit größte Goldproduzent Newmont aus den USA gehört, aber auch AngloGold Ashanti und Gold Fields. 

Hinsichtlich ihres Gold-Abbaus nachgezogen haben außerdem Mali, die Demokratische Republik Kongo und Tansania. In allen drei Ländern gab es Gesetzesänderungen, die den Abbau des begehrten Edelmetalls verstärkt ermöglichen sollen.

Afrikanisches Paradox – der Wohlstand durch Gold erreicht nur die wenigsten

Dass immense Ressourcen an Gold auf dem afrikanischen Kontinent gleichbedeutend sind mit Reichtum für Staat und Bevölkerung, ist jedoch in Afrika nicht der Fall. Einzig Botswana schaffte es in den vergangenen Jahrzehnten, seine reichen Vorkommen an Bodenschätzen – darunter vor allem Diamanten – in gediegenen Wohlstand umzumünzen. Bedeutende Minen in Jwaneng, Karotte und Orapa machten das Land zum weltweit führenden Edelstein-Produzenten, die Branche generiert in Botswana rund 30 Prozent des landeseigenen BIP. Mit Diamanten begonnen hatte in Botswana alles, als in der Kalahari-Wüste 1967 erstmals reiche Vorkommen entdeckt worden waren, wie die BBC informiert.

Andernorts wird dagegen weit weniger von begehrten Bodenschätzen wie Gold und Diamanten profitiert. So hat das Fehlen von Regulierungen in Somalia Bedingungen geschaffen, die der Vereinnahmung der Gold-Ressourcen durch die Elite und der Ausbeutung durch bewaffnete Gruppen Vorschub leisten, wie die GI-TOC zu bedenken gibt. So etwa hat die Al-Shabaab-Miliz, die in den nahe gelegenen Golis-Bergen präsent ist, wiederholt versucht, Bergbaubetriebe zu besteuern oder zu infiltrieren. Während das Ausmaß der Einnahmen aus Gold umstritten ist, deuten Telefonaufzeichnungen und Augenzeugenberichte auf anhaltende Erpressungsaktivitäten hin.

Ein Problem ist auch, dass das Gold aus Milxo mit minimaler Kontrolle globale Lieferketten erreicht. Fast alle Exporte gehen GI-TOC zufolge nach Dubai, wo sie von Kurieren auf kommerziellen Flügen weiter transportiert werden. Die gemeldeten Importe von somalischem Gold in die Vereinigten Arabischen Emirate habe sich seit 2017 fast verdoppelt, von 2,8 Tonnen auf mehr als fünf Tonnen im Jahr 2023. (Quellen: Deutsche Welle, finanzen.net, sharedeals.de, Global Initiative Against Transnational Organized Crime, BBC) (fh)

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