Ein teurer „Mythos“: Das Dachauer Volksfest kämpft mit wachsendem Defizit

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Dachau

Kommentare

Das Dachauer Volksfest zählte in diesem Jahr rund 250 000 Besucher. Damit ist es nach München und Rosenheim das drittgrößte Volksfest in Oberbayern. © Yannick Thedens

Im Jubiläumsjahr 2026 droht dem Volksfest ein Rekordverlust, vor allem gestiegene Sicherheitskosten treiben das Defizit in die Höhe.

Dachau – Im kommenden Jahr steht der Stadt Dachau ein großes Jubiläum ins Haus: das 100. Jubiläum ihres Volksfests! Wie genau das Jubelprogramm aussehen soll, steht noch nicht fest. Sicher ist dagegen schon heute: Die Großveranstaltung, immerhin das drittgrößte Volksfest Oberbayerns nach München und Rosenheim, wird ein Riesen-Defizit schreiben.

Gut, neu ist diese Entwicklung nicht. Schon in den vergangenen Jahren überstiegen die Ausgaben die Einnahmen bei weitem, in diesem Jahr liegt das Minus bei über 230 000 Euro. Im kommenden Jahr aber ist die Prognose noch düsterer: Ausgaben von 744 500 Euro stehen dann nur noch Einnahmen von 418 800 Euro gegenüber – macht ein Defizit von 325 700 Euro.

Zufahrtssperren für 20 000 Euro

Was also tun? Ausgaben kürzen? Einnahmen erhöhen? Stadträte, Stadtverwaltung und OB waren sich einig, dass – wenn überhaupt – nur Letzteres zum Erfolg führen kann. Denn laut Kulturamtsleiter Tobias Schneider, im Rathaus verantwortlich für das Volksfest, sind Einsparungen nicht möglich (siehe Kasten unten). Zu hoch seien die gesetzlichen Anforderungen an die Sicherheit. Allein die Zufahrtssperren, die in diesem Jahr erstmals aufgestellt wurden und die Amokfahrten mit Pkw oder Lkw verhindern sollten, hätten 20 000 Euro gekostet. Und auch der Seniorennachmittag, der die Stadt mittlerweile 84 000 Euro kostet und in diesem Jahr 4000 betagte Besucher ins große Festzelt lockte, steht nach Ansicht von Stadtrat und Verwaltung nicht zur Diskussion.

Für Jürgen Seidl (FDP) war die Antwort daher klar: Die Stadt muss die Gebühren für die Standbetreiber erhöhen. „Das ist doch nicht vermittelbar, dass einige Akteure mit vollen Taschen rausgehen und unser Defizit steigt Jahr um Jahr!“

Ruf als Familien-Volksfest nicht gefährden

Volksfestreferent Robert Gasteiger (Bürger für Dachau) fand, genau wie Katja Graßl (CSU), dass die Stadt sich an die veränderten Konsumgewohnheiten der Besucher anpassen sollte. Sprich: „Den Dauertrinker, der am Vormittag ins Festzelt kommt und dann zehn Mass Bier trinkt, gibt‘s nicht mehr.“ Die Leute würden stattdessen über die Festwiese schlendern und hier ein Glas Wein oder da einen Cocktail trinken. Auch das alkoholfreie Bier, wie OB Florian Hartmann meinte, sei „mittlerweile genießbar“. Der sogenannte Bierpfennig, also die Abgabe, die die Wirte pro ausgeschenktem Hektoliter Bier zahlen müssen, sollte daher einer allgemeinen „Umsatzpacht“ weichen.

Doch auch diese Umsatzpacht hat, zumindest bei den kleinen Ständen, ihre Tücken, wie Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) bemerkte. Denn in Bayern gilt die „Lex Schausteller“, die regelt, dass anders als stationäre Bäcker oder Metzger die reisenden Marktkaufleute kein elektronisches Kassensystem brauchen. Für die Standlbetreiber ist das Dachauer Volksfest laut Kühnel daher „eine Gelddruckmaschine“. Sarah Jacob, Grünen-Stadträtin und hauptberuflich beim Finanzamt beschäftigt, bestätigte dies: Sie habe beruflich schon die Bilanzen von Schaustellern gesehen und „war erstaunt, was die verdienen. Ich habe sogar kurz überlegt, ob ich umsatteln soll“.

Nicht alles lässt sich mit Geld bezahlen

OB Florian Hartmann und Volksfest-Chef Tobias Schneider aber gaben sich vorsichtig. Dachau, so Hartmann, sei weit um bekannt als familienfreundliches Volksfest. Erhöhte man die Gebühren für die Stände, würden deren Betreiber dies an die Kunden weitergeben. „Da müssen wir aufpassen, dass wir so attraktiv bleiben, wie wir sind.“ Anders als auf vielen anderen Volksfesten seien die Besucher-mäßig stärksten Tage eben nicht die Freitage und Samstage. „Bei uns sind die besten Tage die Sonntage. Das zeigt, dass wir wahnsinnig stark sind bei Familien!“

Zudem, so erklärte Schneider, seien die erhofften Mehreinnahmen durch höhere Standgebühren überschaubar. „Zwei Drittel unserer Einnahmen kommen aus dem großen Festzelt.“ Der Hebel, den man damit bei den Schaustellern habe, „ist nicht groß“.

Am Ende, fand Hartmann, dürfe man ohnehin „nicht alles mit Geld bewerten“. Das Volksfest schaffe ein „Identitätsgefühl“ und sei eine „Imagepflege“, die man im Haushalt gar nicht darstellen könne. Markus Erhorn (Freie Wähler Dachau) sprach denn auch von einem „lebendigen Mythos. Da ist jeder Cent gut investiert“!

Teure Sicherheit

Die größten Ausgabenpositionen für das Volksfest sind: Bauhofleistungen (zirka 170 000 Euro), Verwaltungskosten für städtisches Personal (160 000 Euro), Brandwache der Feuerwehr (45 000 Euro), Sicherheit (90 000 Euro), Seniorennachmittag (84 000 Euro) und Feuerwerk (12 500 Euro). Um die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, muss die Stadt vier Eingänge den ganzen Tag mit Security und „zertifizierten Zufahrtsschutzmaßnahmen“ ausstatten. Außerdem finanziert sie einen externen Ordnungsdienstleiter, der die Platz-Security und die Securities der fünf Zelte koordiniert.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/dachauer-volksfest-kaempft-mit-wachsendem-defizit-93989880.html