Verurteilter Rechtsextremist Marla Svenja Liebich möchte keine Frau mehr sein

Seit rund vier Monaten suchen Polizei und Staatsanwaltschaft nach der verurteilten Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich – bisher ohne Ergebnis. Es gebe keinen neuen Sachstand zu melden, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Halle auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur ("dpa") mit. "Die Fahndungsmaßnahmen dauern an," heißt es.

Liebich war zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden, hatte dann ganz offiziell ihr Geschlecht von männlich auf weiblich umtragen lassen, und dann die Haft in der Justizvollzugsanstalt in Chemnitz Ende August nicht angetreten. Dem Portal "Euronews" gab der verurteilte Neonazi nun ein Interview aus dem Untergrund. Und offenbarte: Sie möchte keine Frau mehr sein, sei jetzt non-binär.

"Wegen all dem Hass und der Hetze" will Liebich keine Frau mehr sein

Der Grund dafür: "Wegen all dem Hass und der Hetze" fühle sich Liebich als Frau nicht mehr wohl. Und weiter: "Ich habe ja wirklich Zweifel an meiner geschlechtlichen Identität, fühl mich durch die Hetze nicht als vollwertige Frau, aber auch nicht als Mann, also muss es was anderes sein". Sie habe nun die Wahl zwischen "divers" und "nicht eingetragen".

Am 5. August dieses Jahres habe Liebich bereits die Ummeldung mitsamt eines neuen Namens beantragt – doch den Termin am 5. November konnte Liebich nicht wahrnehmen, denn für den hätte man persönlich erscheinen müssen. Deswegen beklagt sich Liebich darüber, hält nichts vom Zwang zum persönlichen Erscheinen. Eine notariell beglaubigte Unterschrift müsse ausreichen, findet der verurteilte Neonazi.

So wurde Sven zu Svenja

Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Sven Liebich – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Die Berufung dagegen scheiterte, ebenso wie später die Revision.

Anfang dieses Jahres war bekanntgeworden, dass Sven Liebich seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla Svenja hat ändern lassen. Der Fall fachte die Debatte über das neue Selbstbestimmungsgesetz an. Mit dem im November 2024 in Kraft getretenen Gesetz, welches das frühere Transsexuellengesetz ablöste, wurden Änderungen des Geschlechtseintrags und des Vornamens deutlich erleichtert. Persönlich erscheinen für eine Geschlechtsänderung muss man aber auch unter dem neuen Gesetz.

Mit Material der dpa.