Miese Umfrage-Werte begleiten Schwarz-Rot seit ihrem Start. Neue Daten einer repräsentativen Umfrage zeigen die Gründe. Eine Analyse.
Berlin – Die Merz-Regierung, sie hatte einen schweren Start. Eine anhaltend schlechte Wirtschaftslage, ein unberechenbarer amerikanischer Präsident Donald Trump und der Ukraine-Krieg machen die Regierungsarbeit für Bundeskanzler Friedrich Merz nicht leicht. Und gleichzeitig tobt Streit zwischen den Regierungsparteien CDU, CSU und SPD.
Im Urteil der Bevölkerung bedeutet dies: schlechte Umfragewerte. Und Sondersendungen bei der ARD, die zum Ergebnis kommen: Alles noch viel schlechter als vor einem Jahr, als die ungeliebte Ampel zerbrach. Der Münchner Merkur von Ippen.Media hat nachgefragt und mit der zweiten Auflage des Common Sense Index* – einer repräsentativen Umfrage von Media Tenor und Mente Factum – exklusiv genau hingeschaut. Wie schlecht beurteilen die Deutschen die Bundesregierung wirklich?
Die Lage der Wirtschaft hat als Top-Sorge die Migration abgelöst
Die Wirtschaftslage hat laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen** aus November Migration als Sorgen-Thema der Deutschen abgelöst. Aber, das wird Schwarz-Rot nicht positiv zugeschrieben, wie der Common Sense Index zeigt. Stattdessen werden der AfD unverändert bei der Migrationsfrage die höchsten Kompetenz-Werte von den Menschen bescheinigt– obwohl die Partei bislang nicht aktiv zu den Lösungen beigetragen hat. Sowohl bei der Kriminalitäts-Bekämpfung als auch bei Migration im Allgemeinen kann die AfD insbesondere im Osten besonders punkten. Bei dem Thema Migration liegt die AfD also vor der CDU/CSU, die sonst bei allen anderen Aufgabenfeldern in der gesamten deutschen Betrachtung vorne liegt.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass die SPD, die als einzige Partei seit 10 Jahren bundesweit in der Regierung und damit in der Verantwortung steht, nahezu in keinem Politik-Feld die Menschen für sich begeistern kann. Die Union kann immerhin bei Sicherheit, Wirtschaftskraft stärken und Kriminalität bekämpfen punkten. Im Schnitt sehen ein Drittel der Befragten die Kompetenz bei CDU/ CSU.
Lösungen zur Wirtschaftskrise: Hohe Erwartungen an die Union – große Enttäuschung
Aber, auch wenn die Deutschen die Kompetenz bei der Wirtschaft vor allem bei der Union sehen, zeigt sich bei einem anderen Ergebnis sehr viel Enttäuschung mit der Bundesregierung. Auf die Frage, wer Schuld hat, dass für die Wirtschaft nichts getan wird, nennen 61 Prozent der Befragten die Union und 53 Prozent sehen den Fehler bei der SPD. Damit kommen beide Regierungsparteien sehr schlecht weg. Die Enttäuschung über zu wenig Initiative der Merz-Regierung mit der SPD als Juniorpartner ist groß.
Dabei sind Reformen dringend notwendig. Der Aufschwung ist wieder verschoben: Ökonomen haben die deutsche Wachstumsprognose zusammengestrichen. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 1,0 Prozent zulegen und damit langsamer als im Sommer mit 1,3 Prozent vorhergesagt, wie aus der am Donnerstag (11. Dezember) veröffentlichten Winterprognose der Kieler Forscher hervorgeht.
Die Umfragen
*Für den Common Sense Index wurden vom Meinungsforschungsinstitut Mente Factum in Zusammenarbeit mit Media Tenor im Zeitraum vom 26.11. bis 3.12.2025 1500 Menschen befragt.
**Die repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das Politbarometer wurde vom 4.11. bis 6.11.2025 mit 1322 Befragten durchgeführt.
Aber die Deutschen sind auch selbstkritisch. Fast ein Drittel gibt an, dass die Schwierigkeit, Reformen umzusetzen am Volk selber liegt: bei allem Klagen ist das, was die Menschen im hier und heute zu haben glauben, immer noch so bewahrenswert, dass sie weder bei Rente noch bei der Krankenhausreform sich für die längst überfälligen Anpassungen gewinnen lassen. (Quellen: Common Sense Index, Politbarometer, Institut für Weltwirtschaft)