Knapp 80 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage sind mit der Verkehrssituation in Starnberg unzufrieden, gut 70 Prozent wünschen sich mehr Straßengastronomie in der Innenstadt. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, dafür haben überproportional viele Schüler des Gymnasiums Starnberg mitgemacht.
Starnberg – Wie schätzen Starnberger Bürger die aktuelle Verkehrssituation ein? Was halten sie vom Parkplatzangebot? Wie sicher finden sie das Fahrradfahren in der Stadt? Was könnte ihre Meinung nach zur Belebung der Innenstadt beitragen? Einen Fragebogen zu diesen Themen hatte eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der City-Initiative, des Stadtrats und des ADFC ausgearbeitet. Von November vergangenen Jahres bis Mitte Februar hatten die Bürger die Gelegenheit, die zwölf Fragen zu beantworten und die Bögen in die grün-weißen Boxen mit dem Starnberg-Wappen zu werfen, die unter anderem in Geschäften und Arztpraxen aufgestellt waren. Dieser Tage haben die Verantwortlichen um Peter Lietzenmaier die Ergebnisse vorgestellt.
„Natürlich sind die Ergebnisse nicht repräsentativ“, betonte der frühere UWG-Stadtrat Dr. Jürgen Busse. Aber einen Anhaltspunkt lieferten sie natürlich. Mehr als 1200 Bögen seien ausgefüllt worden, schilderte Lietzenmaier bei der Übergabe der Unterlagen im Büro von Bürgermeister Patrick Janik. Etwa drei Viertel stammten von Schülern des Gymnasiums Starnberg, ergänzte UWG-Stadtrat Winfried Wobbe. Dort sei das Thema teils sogar im Unterricht bearbeitet worden.
Eine deutliche Mehrheit, nämlich 79,7 Prozent der Teilnehmer, gab an, mit der Verkehrssituation in Starnberg unzufrieden zu sein. Auf die Frage, ob die Innenstadt mehr Parkplätze benötige, antworteten 51,1 Prozent mit Ja und 48,9 Prozent mit Nein. Die Stellplätze in den Parkhäusern benutzen 45,9 Prozent und damit noch nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer, obwohl 59,9 Prozent sie als benutzerfreundlich bezeichneten. Für die Einführung eines Parkleitsystems sprachen sich 56,6 Prozent aus.
Mehr Fahrradabstellplätze mit Stahlbügelhaltern zum Anschließen favorisierten 59,1 Prozent. Die Frage, ob das Radfahren in der Innenstadt sicher ist, beantworteten nur 39,8 Prozent mit Ja, aber 60,2 Prozent mit Nein. Die Schüler des Gymnasiums fühlen sich beim Radfahren deutlich sicherer (45,7 Prozent Ja) als die älteren Teilnehmer der Umfrage in der Innenstadt (31,3 Prozent Ja).
Abgefragt wurde auch die Haltung der Menschen zur Schaffung von Fußgängerzonen. Eine Einführung auf der Maximilianstraße befürwortete mit 65,1 Prozent Ja-Stimmen eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer, eine Einführung auf der Wittelsbacherstraße erhielt hingegen nur 48,6 Prozent Zustimmung. In beiden Fällen gab es bei den Gymnasiasten deutlich mehr Befürworter als bei den Innenstadt-Teilnehmern.
Eine klare Zustimmung gab es beim Wunsch nach einer Belebung der Innenstadt mit mehr Straßengastronomie: 71,2 Prozent sprachen sich dafür aus. Auch beim Ladenangebot gibt es ganz offensichtlich Nachholbedarf. Dass es in der Starnberger Innenstadt ausreichend Einkaufsmöglichkeiten gibt, bejahten nämlich nur 42,3 Prozent der Teilnehmer. Die Sauberkeit in Starnberg für ausreichend hielten 44,9 Prozent.
Es gehe nicht darum, im Stadtrat sofort Beschlüsse zu fassen, erklärte Jürgen Busse. Vielmehr verstehe er die Zahlen „als Ansporn für Diskussionen mit Bürgern“. Er habe nämlich das Gefühl, dass seit der Corona-Zeit der öffentliche Diskurs zwischen Verwaltung, Stadtrat und Bürgern merklich nachgelassen habe, sagte Busse. „Starnberg ist eine lebens- und liebenswerte Stadt, aber wir können einiges zum Positiven verändern und bewegen.“ Dabei stelle er sich weniger Termine zum großen Ganzen vor, sondern „Bürger-Workshops zu bestimmten Themen“.
Patrick Janik erklärte, dass auch er von großen Bürgerwerkstätten wenig halte. „Dieses Spiel haben wir früher zu oft gespielt“, sagte er und erinnerte an eine Ideenwerkstatt im Frühjahr 2017, als zahlreiche schwarz-gelbe Bänder in Starnberg flatterten, oder auch an Gespräche zur Dorferneuerung. Wenn immer geredet werde, aber nichts passiere, untergrabe das dauerhaft auch die Motivation der Bürger, betonte der Bürgermeister. Janik dankte den Initiatoren für deren Arbeit und bürgerschaftliches Engagement „sehr herzlich“. Er wolle jetzt von der Verwaltung die Umfrageergebnisse aufbereiten lassen und den Stadträten – vermutlich im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität – zur Beratung vorlegen. Die Zeit für eine neue Diskussion über eine Fußgängerzone halte er für reif, sagte Janik, „auch wenn die Maximilianstraße die einzige Straße in der Innenstadt ist, mit der wir keine Probleme haben“. Die Forderungen des ADFC-Kreisvorsitzenden Anton Maier, die Infrastruktur für Radfahrer zu verbessern, wollte Janik so nicht teilen. Die Stadt arbeite gerade an einer Radwegeverbindung von der Jahnstraße zum Bahnhof See. Die Reaktionen auf Veränderungen zugunsten von Radfahrern seien aber auch „deutlich negativ“, erklärte er.