Rund 60 Zuhörer haben sich in Hebertshausen über mögliches genossenschaftliches Wohnen in der Neuen Holzschleiferei informiert.
Mit Gleichgesinnten ein Haus bauen, in dem alle dann in eigenen Wohnungen langfristig sicher und bezahlbar leben können. Das ist die Kernidee des genossenschaftlichen Wohnens, das auch in der Neuen Holzschleiferei in Hebertshausen Realität werden könnte.
Und zwar mit der Genossenschaft Woge plus, die sich für ein Grundstück im Neubaugebiet bewerben möchte. Vor diesem Hintergrund präsentierte die Genossenschaft sich nun bei einem öffentlichen Infoabend. Eine Vorstellung im Gemeinderat hatte es bereits vor der Sommerpause gegeben (wir berichteten).
Interesse für genossenschaftliches Wohnen gibt es offenbar durchaus, knapp 60 Zuhörer, vorwiegend aus Hebertshausen und dem Landkreis, waren in die Sportgaststätte gekommen. Dort präsentierte Martina Fischer-Albang vom Woge-Vorstand dann Konzept, Finanzierung und rechtliche Grundlagen einer Wohnungsgenossenschaft.
Zuvor erläuterte Bürgermeister Richard Reischl kurz die Historie des Projekts der Neuen Holzschleiferei. Ziel sei, 2026 Baurecht zu schaffen. „Die Investorengespräche laufen.“ Grundsätzlich, so der Rathauschef, sei die Gemeinde aufgeschlossen, ein Grundstück in dem Neubaugebiet an die Woge plus zu vergeben. Vorausgesetzt, es gebe dafür Interesse aus der Bevölkerung.
Doch was genau bedeutet Wohnen in einer Genossenschaft? Unter anderem präge Genossenschaftswohnen „lebenslanges Wohnrecht und im Gegenzug die Bereitschaft, alles gemeinsam in Schuss zu halten“, erklärte Martina Fischer-Albang. Auch eine Genossenschaft könne nicht zaubern, ein Neubau koste viel Geld. „Wir wollen deshalb einfach und kostengünstig bauen und Flächen reduzieren“, betonte Fischer-Albang. Das Mobilitätskonzept, das im Bebauungsplan der Holzschleiferei verankert ist, „hat uns gefallen, denn Sharing ist uns ein Anliegen.“ Wert gelegt wird bei der Woge plus auch auf Vielfalt, Respekt und Toleranz, die Bewohner sollen sich als Gemeinschaft fühlen, „aber wir sind keine Kommune“.
Wie aber kommen Interessierte nun an eine Genossenschaftswohnung? Eine Wohnung beziehen können nur Mitglieder, für die Mitgliedschaft werden einmalig 1500 Euro fällig, informierte Martina Fischer-Albang. Sobald es ans Bauen geht, tragen die Mitglieder, die eine Wohnung bekommen, ein Drittel der Kosten bei, das sind die wohnungsbezogenen Pflichtanteile.
Dazu kommt später dann noch die einer Miete ähnliche Nutzungsgebühr plus Nebenkosten. Doch obwohl also die künftigen Bewohner eine Art Eigenkapital beisteuern „baut eine Genossenschaft keine Eigentumswohnungen“, stellte Martina Fischer-Albang klar.
Aus dem Publikum kamen nur wenige Fragen. Ob sich eine Genossenschaftswohnung vererben lässt, wollte jemand wissen. Insofern, als der eingelegte Pflichtanteil an die Erben ausbezahlt wird, lautete die Antwort. Die Wohnung aber wird wieder an Mitglieder der Genossenschaft vergeben. Das können dann auch die Erben sein.
Da sich wohl niemand bereits nach einem gut einstündigen Infoabend entscheiden würde, mitzumachen bei der Woge plus, sind weitere Informationsveranstaltungen bereits geplant: Ein zweiter allgemeiner Infoabend findet statt am Donnerstag, 2. Oktober, und zwar online, Beginn ist um 19.30 Uhr. Am Freitag, 17. Oktober, gibt es ausführliche Informationen zu Finanzierung und Rechtsform im Pfarrsaal Hebertshausen ab 18 Uhr, ein Treffen zum Kennenlernen und Austausch ist am Samstag, 25. Oktober, von 10 bis 13 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Prittlbach.
An diesem Vormittag in Prittlbach soll gemeinsam auch die Bewerbung um ein Baugrundstück bei der Gemeinde vorbereitet werden, die noch diesen Herbst eingereicht wird. Zum weiteren Zeitplan sagte Martina Fischer-Albang: „Wenn dann alles nach Plan läuft, können wir Ende 2028 einziehen.“