Insolvenz-Welle bei Burger-Kette: Franchise-System wird zur Last

  1. Startseite
  2. Wirtschaft

Kommentare

Partner der Burger-Kette Hans im Glück verlieren ihre Filialen wegen finanzieller Sorgen an die Zentrale. Vorwürfe in Richtung Chefetage werden laut.

München – Rund 100 Filialen von Hans im Glück gibt es mittlerweile. In Deutschland, der Schweiz, Österreich und neuerdings auch in den Niederlanden breitet sich die seit 2010 bestehende Burger-Kette aus. Sie bringt aber längst nicht jedem Betreiber Glück. Für manchen endete das Engagement bereits in der Insolvenz.

Der Business Insider (BI) verweist etwa auf einen Unternehmer, dessen Name mit Ingo S. angegeben wird. Dieser habe 2019 drei McDonald’s-Filialen nach mehr als 20 Jahren verkauft und sei auf Hans im Glück umgeschwenkt. Die Filialen in Saarlouis, Kaiserslautern und Trier ließ der mittlerweile 60-Jährige demnach auf eigene Kosten umbauen. Doch die Umsätze seien weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, in Kombination mit den laufenden Kosten für Miete und Material beschwor dies die Insolvenz herauf.

Hans im Glück: Betreiber macht Schulden und verliert Filialen an Zentrale der Burger-Kette

Mittlerweile sind S. dem Artikel zufolge nur noch Schulden geblieben, seine drei Filialen gingen an die Hans-im-Glück-Zentrale über. Ähnlich sei es anderen Partnern der Kette ergangen, auch Restaurants in Wiesbaden, Mainz und Fulda auf ähnliche Weise an die Zentrale übergegangen, die die Fuldaer Zeitung berichtete. In Hamburg wechselte eine Hans-im-Glück-Filiale im Frühjahr nach fünf Jahren zur aus den USA stammenden Schnellrestaurant-Kette Kentucky Fried Chicken.

Bänke und Tische einer Hans-im-Glück-Filiale
Bringt längst nicht jedem Franchise-Partner Glück: Einige Betreiber der Hans-im-Glück-Filialen haben ihre Restaurants an die Zentrale verloren. © IMAGO / Horst Galuschka

Auch in anderen Städten soll es Probleme geben. Von juristischen Scharmützeln zwischen Filialbetreibern und der Zentrale ist die Rede. Ein unter Druck geratener Franchise-Nehmer wird so zitiert: „Die erwarteten Umsätze stellen sich nicht ein, gleichzeitig sind die Mieten und die Franchise-Gebühren, die an die Zentrale in München fließen, zu hoch.“ Hier zeigt sich also die Kehrseite des Franchise-Systems.

Kritik am Hans-im-Glück-Chef: „Wirtschaftlich gesehen sehr schwieriges Jahr 2024“

Hans im Glück selbst wirbt um Partner, die „idealerweise über Erfahrung in der Gastronomie verfügen und ein ausgeprägtes Gastgeber-Gen besitzen“. Ihnen wird mit auf den Weg gegeben: „Denn Glück braucht nicht viel. Glück braucht nur das Richtige.“ Als Vorteile werden einheitliche oder individuelle Marketingmaßnahmen, Schulungsangebote, Bau-Unterstützung oder auch der IT-Aufbau genannt. Zudem habe das Unternehmen immer ein offenes Ohr.

Während die Zentrale die Menü-Karten erstellt, den Wareneinkauf regelt und die Flächen vermietet, stecken die selbständigen Partner ihr Geld in Ladenbau und Betrieb. Hans-im-Glück-Chef Johannes Bühler gibt im BI-Bericht zu: „Wir hatten ein wirtschaftlich gesehen sehr schwieriges Jahr 2024.“ Durch Maßnahmen wie den Verzicht auf Darlehensrückzahlungen seien aber viele der 46 Partner unterstützt worden. Auch wenn in einigen Fällen die Reißleine habe gezogen werden müssen, würde es besser laufen als bei vergleichbaren Konzepten.

Gerade während und nach der Corona-Pandemie macht die Gastronomie schwere Zeiten durch. Die Wirtschaftsauskunftei CRIF stufte im Juni 2024 insgesamt 13.852 Gastronomiebetriebe als insolvenzgefährdet ein. Zudem wurde für das vergangene Jahr ein Anstieg der Insolvenzen in der Branche um mehr als 30 Prozent auf 1190 prognostiziert. Unter anderem meldete die Restaurant- und Bar-Kette Sausalitos Insolvenz an, die Donut-Kette Royal Donuts verfügt nur noch über einen Bruchteil der einst fast 300 Filialen.

Zukunft von Hans im Glück: Unternehmens-Chef kontert Kritik der Franchise-Nehmer

Auch das Hans-im-Glück-Konzept wird von einigen Franchise-Nehmern aber kritisch gesehen. Laut BI monieren sie, die Marke habe an Attraktivität verloren, statt jungen Kunden würden mehr Familien mit Kindern angezogen. Es sei jedoch zu viel Zeit vergangen, ehe die Ausstattung entsprechend auf bequemere Sitzmöbel und Spielecken umgestellt worden sei. Ebenso werde kritisiert, vermehrte Werbemaßnahmen hätten zu lange auf sich warten lassen. Ex-Partner sollen sogar vermuten, Bühler hoffe darauf, die Filialen günstig übernehmen zu können.

Fast Food mit großer Konkurrenz: In Deutschland gibt es diverse Burger-Ketten wie Hans im Glück. (Symbolbild) © IMAGO / Bihlmayerfotografie

Der Unternehmens-Chef kontert demnach, hektische Änderungen am Konzept seien nicht sinnvoll. Er verweist auf eine eigens von der Zentrale durchgeführte „Sanierungswerkstatt“ für angeschlagene Standorte. Vielmehr hätten die Betreiber vor Ort das seit der Pandemie geltende Lieferkonzept nicht ausreichend umgesetzt.

Auch Michael Lidl verteidigt Bühler in dem Artikel. Laut dem geschäftsführenden Partner der Unternehmensberatung Treugast würden Gastro-Ketten nicht davon profitieren, viele Standorte selbst zu betreiben. Der Experte betont: „Franchise bringt einer Kette mehr Marge ohne eigenes Risiko.“ Allerdings könne es sinnvoll sein, angeschlagene Filialen zu übernehmen: „Für den Unternehmenswert und einen möglichen Verkauf von Anteilen ist Konstanz wichtig.“ (mg)

Auch interessant

Kommentare