Erneut hat die Insolvenzwelle ein alteingesessenes Traditionsunternehmen ereilt. Betroffen sind nach letztem Stand rund 100 Mitarbeiter. Wie geht es weiter?
Laichingen – Die Insolvenzwelle macht auch im zweiten Halbjahr 2025 nicht vor deutschen Traditionsunternehmen Halt. Nachdem jüngst erneut ein Unternehmen im 100. Jahr des Bestehens Insolvenz anmelden musste, trifft es nun einen großen Betrieb mit einer noch längeren Historie. Die 1891 in Stuttgart unter dem Namen „Robert Wiedmann – Werkzeug- und Vorrichtungsbau“ gegründete WBL–Gruppe hat bereits am 16. Juli am Amtsgericht Stuttgart Insolvenz angemeldet, wie aus den Bekanntmachungen der Länder hervorgeht. Seit 1944/45 hat das Unternehmen seinen Sitz in Laichingen (Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg) auf der Schwäbischen Alb.
Aus den Bekanntmachungen geht hervor, dass am 16. Juli sowohl die WBL Holding GmbH als auch das eigentliche Produktionsunternehmen, die traditionsreiche Werkzeugbau Laichingen GmbH, Insolvenz angemeldet hat. Zudem geht aus einem weiteren Eintrag vom 8. August hervor, dass die zur Gruppe gehörende Werkzeugbau Leipzig GmbH, die sich in Liquidation befindet, ebenfalls Insolvenz angemeldet hat. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger ernannt.
Werkzeugbau Laichingen: Insolvenzverwalter stellt Weichen für Fortführung des Traditionsunternehmens
Wie eingangs erwähnt, wurde das Laichinger Traditionsunternehmen im Jahr 1891 gegründet und kann demnach über eine mehr als 130-jährige Firmenhistorie zurückblicken. Spezialisiert ist die Firma auf Werkzeuge und Maschinen für die Automobilindustrie, was mitunter ein Grund für die aktuelle Schieflage ist. Wie die Schwäbische Zeitung vom vorläufigen Insolvenzverwalter Martin Mucha erfahren hat, ist zum einen der Auftragseingang rückläufig und zum anderen habe sich das Unternehmen mit notwendigen Finanzierungen schwergetan. Der erfahrene Sanierungsexperte will nun Möglichkeiten für eine Fortführung des Traditionsunternehmens ausloten.
| Name | Werkzeugbau Laichingen GmbH (WBL-Gruppe) |
|---|---|
| Gründung | 1891 in Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Sitz | Laichingen, Baden-Württemberg |
| Branche | Werkzeugbau, Maschinenbau |
| Mitarbeiter | 100 in Laichingen (Stand: 15. Juli) |
| Standorte | Laichingen (Hauptsitz), Leipzig (in Liquidation) |
„Wir stellen gerade die Weichen dafür, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann“, erklärte Mucha. „Dafür sprechen wir mit Kunden, Lieferanten und potenziellen Investoren.“ Ein Investoreneinstieg sei wahrscheinlich notwendig, da das Unternehmen aus eigener Kraft nicht in der Lage sein werde, aus der Insolvenz zu kommen. Eine Schließung der Werkzeugbau Laichingen GmbH sieht Mucha – offenbar im Gegensatz zum bereits dauerhaft geschlossenen Standort Leipzig (laut Google) – aber nicht. Im Gegensatz dazu muss ein insolventes Industrieunternehmen die Produktion einstellen und alle Mitarbeiter entlassen.
Insolvenz der WBL-Gruppe: Löhne und Gehälter der Mitarbeiter bis September gedeckt
Laut der Schwäbischen beschäftigte die WBL-Gruppe am Standort Laichingen zum Stichtag 15. Juli 2025 rund 100 Mitarbeiter, davon 89 Vollzeitkräfte und zehn Auszubildende. Ihre Löhne und Gehälter sind laut Mucha bis einschließlich September über das Insolvenzgeld abgedeckt. „Es ist derzeit alles im Fluss“, sagte der Rechtsanwalt. Wie es dann mit dem Traditionsunternehmen von der Schwäbischen Alb weitergeht, wird sich zeigen. Erst vor wenigen Wochen konnte ein über 120 Jahre altes deutsches Traditionsunternehmen durch einen Investoreneinstieg aus der Insolvenz gerettet werden.