Anhaltender Frost verwandelt Teile der Ostsee in eine Eislandschaft wie in der Arktis. An einigen Küstenabschnitten entstehen beeindruckende Formationen.
Die deutsche Ostseeküste erlebt derzeit einen ungewöhnlich strengen Winter. Anhaltende Minustemperaturen haben die Küstengewässer stellenweise zufrieren lassen und sorgen für Naturschauspiele, die an arktische Regionen erinnern. Besonders betroffen sind die Gewässer rund um die Insel Rügen, wo das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sehr dichtes Eis meldet. Während Anwohner das seltene Phänomen bestaunen, bringt die Eisbildung auch Herausforderungen für die Schifffahrt und die Versorgung der Inseln mit sich.
An der Ostseeküste türmen sich derzeit Eisschollen zu meterhohen Bergen auf. Besonders beeindruckend zeigt sich das Phänomen nahe Garz am Greifswalder Bodden sowie am Palmer Ort auf der Insel Rügen. Dort schwemmen dicke Packeisschollen Richtung Land und laufen aufeinander auf, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie bestätigt. Die bizarren Eisformationen entstehen durch die Kombination aus anhaltendem Frost und starkem Wind, der die Schollen zusammenschiebt und übereinander türmt.
Eisberge an der Ostseeküste: Greifswalder Bodden mit 25 Zentimeter dickem Packeis
Der nordwestliche Teil des Greifswalder Boddens ist laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie mit sehr dichtem Eis bedeckt, das örtlich bis zu 25 Zentimeter dick ist. In den übrigen Bereichen liegt meist zehn Zentimeter starkes Eis, stellenweise auch mehr. Die Eisschicht nimmt weiter zu, wie Prognosen zeigen. Auch in der Hafenstadt Sassnitz sind auffallende Eiszapfen zu bewundern. Die Danziger Bucht an der südlichen Ostsee ist ebenfalls zugefroren. Am Wochenende werden Tiefstwerte von bis zu minus 22 Grad Celsius erwartet.
Die Eisbildung bereitet der Schifffahrt erhebliche Probleme. Die Fähre „Vitte“ wurde durch Eis beschädigt und fällt seit über einer Woche aus. Seitdem verkehrt nur der kleine Eisbrecher „Swanti“ nach einem Notfallfahrplan zwischen Rügen und Hiddensee. Menschen dürfen nur in Notfällen mitfahren, Urlauber können die Insel derzeit nicht erreichen. Das Mehrzweckschiff „Görmitz“ kämpfte sich stundenlang durch das Eis, um Hiddensee mit Lebensmitteln zu versorgen. In anderen Teilen Deutschlands bleibt es ebenfalls kalt – mit großer Glättegefahr.
Anwohner von Rügen wie Hannes Knapp zeigen sich laut Tagesspiegel aber beeindruckt von den Eisformationen, die an arktische Landschaften erinnern. Die Strukturen wecken Assoziationen an das Werk „Das Eismeer“ des romantischen Malers Caspar David Friedrich, der sich seine Inspirationen auch in Vorpommern holte. Während das Naturschauspiel Bewohner zum Staunen bringt, bleibt die Lage für die Inseln angespannt. Der Wind schiebt die Schollen besonders vor der Ostküste Rügens und vor Usedom zusammen, sodass die Versorgungssituation angespannt bleibt. Auch an einem tropischen Ort ist es so kalt, dass Leguane gefroren von den Bäumen fallen.