Causa Achner plötzlich wieder auf dem Tisch: Neuer Beschluss für Kieswerk-Expansion nötig

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Vor über vier Jahren haben die Gemeinden Wallgau und Krün beschlossen: Das Kieswerk Achner darf nach Süden expandieren. Nun kommt die Causa erneut auf den Tisch.

Seit 1936 gibt es im Oberen Isartal im Landkreis Garmisch-Partenkirchen das Kieswerk Achner. Und das soll noch lange so bleiben. Das wünschen sich nicht nur die Betreiber, sondern auch die beiden Gemeinden Wallgau und Krün, auf deren Flur sich das rund sieben Hektar umfassende Abbau-Gelände zwischen Finz und Isar befindet. Deshalb haben die Gemeinderäte beider Kommunen vor über vier Jahren jeweils einen Beschluss gefasst: Das Kieswerk darf nach Süden expandieren (wir berichteten).

Planungen haben sich verzögert

Seither ist viel Wasser die Isar hinuntergeflossen, passiert ist trotzdem nicht viel. „Bei Planer und Bauherren haben sich die Planungen verzögert“, informierte Wallgaus Bürgermeister Bastian Eiter (Wählerverein) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Deshalb hatte die Volksvertretung den zugrundeliegenden Bebauungsplan Nr. 19 „Sondergebiet Kieswerk und Recycling – Krüner Weide“ erneut vor sich auf dem Tisch liegen. „Jetzt brauchen wir einen Aktualisierungsbeschluss, weil der letzte schon so lange her ist“, erklärt Eiter das doppelte Prozedere. Doch diesmal soll das Projekt zügig vorangehen, ohne große Schwierigkeiten.

Hintergrund dieser Bauleitplanung ist, dass das Kieswerk langfristig im Bestand gesichert werden soll. Gleichzeitig möchte man in Richtung Süden eine neue Fläche mit etwa 20 000 Quadratmetern für den Kiesabbau ausweisen. Im erweiterten Kieswerk soll künftig auch Bauschutt gebrochen sowie Baustoffe recycelt werden. Schon 2020 betonte Bürgermeister Eiter, dass das Kieswerk „nicht größer wird“. Es verschiebt sich lediglich. Denn im Gegenzug sollen einige Stellen im nördlichen Bereich rekultiviert werden. Das Abbau-Areal ist übrigens nicht in Firmenbesitz, sondern gehört einheimischen Grundeigentümern, mit denen verhandelt werden muss. Besteht ein langfristiger Bebauungsplan für das Sondergebiet, der die Nutzung und Spielregeln klar festlegt, sei das „ein stückweit einfacher für alle“, sagte Sepp Achner, einer der Geschäftsführer, damals.

Kieswerk Achner in Wallgau
Soll erweitert werden, um zukunftsfähig zu bleiben: Das Kieswerk Achner in Wallgau. © Kieswerk Gebrüder Achner Krün

Kieswerk von öffentlichem Interesse

2021 sind letztlich alle Stellungnahmen von Behörden und Verbänden im Wallgauer und Krüner Rathaus vorgetragen worden – oder wie es im Bürokratendeutsch heißt: Träger öffentlicher Belange. Damit der Beschluss gefasst und gegenüber der Naturschutzbehörde begründet werden kann, mussten Eiter und sein Krüner Amtskollege Thomas Schwarzenberger (CSU) ausführlich erklären, wieso das Kieswerk ein großes, öffentliches Interesse hat. Schließlich kritisierte bereits die Untere Naturschutzbehörde 2021, dass die geplante Erweiterung die Zerstörung von einem Hektar Biotopfläche mit sich bringt.

Konkret gesagt: Kleinere Flächen an Schneeheide-Gewächsen und Kiefernbäumen verschwinden. Doch aufgrund der natürlichen Grenzen – Isar und Finz – sind auch keine „Alternativen vorhanden“, sagt Eiter. Weiteres Problem: Die Abbautiefe soll bis zu 839 Meter über Meeresspiegel reichen. „Das bedeutet, dass es sich um einen Nassabbau handelt“, sagt Eiter. Da würden aus naturschutzrechtlichen Gründen schärfere Auflagen verlangt. Die bisherigen Kiesabbauflächen sollen wieder aufgefüllt und rekultiviert werden.

Gemeinderat muss sich mit Projekt noch einmal auseinandersetzen

In ihrer Begründung schreiben Eiter und sein Krüner Amtskollege Schwarzenberger, dass es „keine größeren Kiesvorkommen im Oberen Isartal gibt“. Damit verbleiben die Flächen der Gebrüder Achner als einzige, die den Bedarf an Kies und Sand im Isartal decken können. „Sonst müssten die Rohstoffe von weit her angeliefert werden“, geben beide Bürgermeister in dem Schreiben zu Bedenken. Auch das Wasserwirtschaftsamt in Weilheim tat seine Bedenken zu dem Projekt kund.

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Die Behörde wies darauf hin, dass das Kieswerk zwischen zwei Grundwasser-Mess-Stellen liegt– also auf hochsensiblem Areal. Deshalb dürfe kein belastetes Wasser versickern und so weiter. Alle Bedenken und Anregungen sind in die geänderten Flächennutzungs- und Bebauungspläne eingearbeitet und nochmals öffentlich ausgelegt worden. Dieser Schritt ist nun im Jahr 2024 leider wieder notwendig, meint Eiter. Der Aktualisierungsbeschluss liegt jetzt erneut für mehrere Wochen öffentlich aus. Der Krüner Gemeinderat hat sich ebenfalls mit dem Bebauungsplan ein weiteres Mal zu befassen: Da wird er Anfang August im Sitzungssaal auf den Tisch kommen. (joho)

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