Beschimpft und verdächtigt – Warum dieser Mann nie wieder Fundsachen abgeben will

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Ein Mann findet ein Portemonnaie und will das Richtige tun. Stattdessen wird er als Dieb beschimpft und von der Polizei ausgefragt.

Es sollte eine gute Tat werden. Ein Mann findet auf einem Rastplatz zwischen Berlin und Kiel ein Portemonnaie einer älteren Dame – ohne Bargeld, aber mit allen Ausweisen und Karten. Statt es liegen zu lassen oder zu entsorgen, googelt er die Besitzerin und ruft sie direkt an. Was dann folgt, lässt ihn bis heute fassungslos zurück: „Du Schwein! Du Dieb!“, schreit die Frau am anderen Ende der Leitung. Der Versuch, ihr zu erklären, dass er die Geldbörse zurückgeben wolle, scheitert an weiteren Beschimpfungen. Er legt auf, verwirrt, aber noch immer gewillt, das Richtige zu tun.

Eine Person hebt eine Geldbörse auf
Manchmal erntet man keine Dankbarkeit für Ehrlichkeit ©  IMAGO / Pond5 Images

Der Mann fährt zur nächsten Autobahnpolizei, die er extra suchen muss. Doch statt Dankbarkeit erwartet ihn dort die nächste Überraschung. Die Beamten verlangen sofort seinen Ausweis und fragen nach seinem Wohnort. Als er irritiert anmerkt, dass sich die Situation wie ein Verhör anfühle, kommt die Unterstellung: „Wir vermuten, dass Sie das Geld aus dem Portemonnaie genommen haben. Wo ist das Geld?“ Der Mann bricht das Gespräch ab, übergibt die Geldbörse und verlässt die Wache mit dem Schwur: Nie wieder wird er eine Fundsache persönlich abgeben.

Wenn ehrliche Finder zu Verdächtigen werden: „Welcher Dieb geht zur Polizei?“

Die Geschichte, die der Betroffene im Reddit-Forum „luftablassen“ teilte, traf einen Nerv. Tausende Nutzer reagierten, viele mit eigenen Erfahrungen und Kommentaren. „Als Polizist müsste man eigentlich wissen, dass es nicht unüblich ist, dass der Dieb das Geld nimmt und das Portemonnaie irgendwo hinwirft. Welcher Dieb würde damit bitte zur Polizei gehen?“, schreibt ein Nutzer.

Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Wer eine Fundsache im Wert von mehr als zehn Euro findet, ist nach § 965 BGB verpflichtet, diese bei der zuständigen Behörde abzugeben. Im Gegenzug steht dem Finder ein gesetzlicher Finderlohn zu – fünf Prozent bei einem Wert bis 500 Euro, drei Prozent für den Mehrwert darüber. Bei Gegenständen mit ideellem Wert, etwa Ausweisen oder Schlüsseln, wird der Finderlohn nach billigem Ermessen festgelegt. Meldet sich der Eigentümer binnen sechs Monaten nicht, geht die Fundsache in das Eigentum des Finders über.

Positive Erfahrungen mit Polizei und Fundsachen werden ebenfalls geteilt

Doch es geht auch anders. Ein Reddit-Nutzer erzählt von seiner positiven Erfahrung: Kurz vor Weihnachten fand er eine Tasche mit Autoschlüssel und 60 Euro. Obwohl er knapp bei Kasse war, brachte er alles zur Polizei und verzichtete sogar auf den Finderlohn. Er erlaubte der Polizei lediglich, seine Kontaktdaten an den Besitzer weiterzugeben. Am 24. Dezember lag ein Brief in seinem Briefkasten – mit einer Danksagung und 50 Euro von der Person, die die Tasche verloren hatte. „Habe mich sehr drüber gefreut“, schreibt er.

Ein weiterer Nutzer teilte eine Erfahrung aus der Kindheit, die im Gedächtnis blieb. Nachdem er einen Umschlag mit Geld bei der Polizei abgab und der Besitzer ausfindig gemacht wurde, gab es von diesem nur ein trockenes „Dankschön“. „Dann passiert das, womit ich am wenigsten gerechnet hab: Einer der Beamten seufzt, holt seine eigene Brieftasche raus und drückt mir 50 Mark in die Hand. Aus seiner privaten Kasse. Der Besitzer vom Geld? Weg. Der Polizist? Ehrenmann.“

Nach vielen unterschiedlichen Geschichten fasst ein Nutzer die Diskussion am Ende passend zusammen: „Manche Leute haben einfach einen Schaden. Lass dir davon bitte nicht deine Gutherzigkeit kaputt machen.“ Ärger mit der Autobahnpolizei kann es übrigens auch geben, wenn einen dieser Blitzer erwischt.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/portemonnaie-gefunden-ehrlicher-finder-wird-zum-verdaechtigen-94161970.html