Bahn und GDL verhandeln wieder – doch bald drohen neue Streiks

  1. Startseite
  2. Welt

Kommentare

Vermutlich können Sie sich noch gut an den letzten Bahnstreik erinnern. Nun verhandeln DB und GDL erneut. Ein Angebot der Bahn fehlt noch, „Arbeitskampfmaßnahmen sind möglich“.

Die gute Nachricht zuerst: Im Februar wird es keine Streiks bei der Deutschen Bahn geben. Die DB und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben sich auf eine sogenannte Friedenspflicht bis 28. Februar geeinigt. Streiks danach sind aber denkbar. Am Montag (9. Februar) nahmen beide Parteien die Tarifverhandlungen wieder auf.

Stillstand auf Deutschlands Gleisen? Ab März sind Streiks wieder möglich. © Deutsche Bahn Streik GDL

Die Gespräche zur vierten Tarifrunde sind auf fünf Tage angelegt. Die Verhandlungen treten jetzt „in die entscheidende Phase“, heißt es in einem Schreiben an die GDL-Mitglieder, das unserer Redaktion vorliegt. Dort wird auch auf die Friedenspflicht eingegangen. „Arbeitskampfmaßnahmen sind dann möglich“, heißt es dort. „Ob sie notwendig werden, entscheiden die Verhandlungen.“

GDL will mehr Geld – „Streik ist und bleibt legitimes Mittel“

GDL-Chef Mario Reiß, Nachfolger des bundesweit bekannten Gewerkschafters Klaus Weselsky, schließt Streik nach wie vor nicht aus. Schon im Herbst 2025 sagte Reiß im Interview mit unserer Redaktion: „Der Streik ist und bleibt ein legitimes Mittel im Arbeitskampf.“ Ob es aber tatsächlich dazu kommt, ist fraglich. Nach aktuellem Stand ist eher davon auszugehen, dass die Bahn der Gewerkschaft ein Angebot vorlegt. Das war bislang ausgeblieben.

In den Tarifverhandlungen drängt die Lokführergewerkschaft auf acht Prozent mehr Geld. 3,8 Prozent davon sollen über eine Entgelterhöhung erzielt werden. Die weiteren Erhöhungen will die Gewerkschaft über Umstrukturierungen im Tarifsystem erreichen. Konkret geht es dabei etwa um die Einführung einer neuen Tarifstufe. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.

Im Interview begründete Reiß die Forderungen vor allem mit drohender Armut im Alter. „Unsere Mitglieder verdienen durch die Inflation de facto immer weniger“, sagte Reiß. „Ein Eisenbahner verdient mit 42.000 bis 46.000 Euro weniger als das Jahresdurchschnittsgehalt von gut 50.000 Euro. Die Folge ist ein nicht zu unterschätzendes Armutsrisiko im Alter“, so der 59-Jährige. „Einem Lokführer bleiben beispielsweise in Rente nach allen Abzügen 1.170 bis 1.240 Euro – nach 48 Jahren Schichtdienst. Das ist in höchstem Maße ungerecht – und das wollen wir ändern.“

Mario Reiß im Interview mit Reporter Andreas Schmid in der Berliner GDL-Zentrale.
Mario Reiß im Interview mit Reporter Andreas Schmid in der Berliner GDL-Zentrale. © Ippen.Media

Eine Einigung scheint noch in weiter Ferne. Ende Januar beendeten GDL und DB die Tarifverhandlungen ergebnislos. Ein Angebot legte die Bahn nicht vor. Die Zielvorstellungen beider Seiten lägen noch weit auseinander, teilte die Bahn mit. Deshalb habe es noch kein Angebot gegeben. „Die Atmosphäre ist weiterhin sachlich und konstruktiv, das ist gut“, betonte Konzern-Personalvorstand Martin Seiler. „Aber es gibt viel Gesprächsbedarf.“

Verhandlungen zwischen GDL und DB: Streik im März möglich

Reiß gilt als etwas gemäßigter als Weselsky, der bei der letzten Tarifrunde Anfang 2024 bereits nach der zweiten Gesprächsrunde die Verhandlungen für gescheitert erklärt und eine Urabstimmung über unbefristete Streiks eingeleitet hatte. Nun wird erst einmal bis Freitag miteinander gesprochen. Vertraulich, wie beide Seiten erklären. Deshalb wollte sich auch weder die GDL noch die DB auf Anfrage äußern.

Gibt es in den Gesprächen jetzt keine Einigung, ist für die letzte Februarwoche erneut eine fünftägige Verhandlungsrunde angesetzt. Sowohl die GDL als auch die Bahn haben betont, das sei prinzipiell genug Zeit, um zu einem Kompromiss zu kommen. Sollte es bis Ende Februar trotzdem nicht klappen, könnte die Tarifrunde schnell eskalieren. Schichtungen, Arbeitskämpfe und Einschränkungen für die Fahrgäste wären dann ein wahrscheinliches Szenario. (Quellen: Deutsche Bahn, Gewerkschaft Deutscher Lokführer, dpa, eigene Recherchen)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/tarifverhandlungen-deutsche-bahn-db-und-gdl-dann-droht-wieder-streik-zr-94161138.html