Wegen der Teilzeit-Pläne kocht die Stimmung: Beschäftige berichten von ihrer Arbeitsrealität – Überstunden, Dauerstress und Betreuungslücken inklusive.
Kassel – Teilzeitarbeit ist für Millionen Menschen in Deutschland Alltag – besonders für Frauen. Laut Statistischem Bundesamt arbeitete 2024 fast jede zweite Frau in Teilzeit, während der Anteil bei Männern deutlich niedriger liegt. Genau dieses Modell steht nun politisch unter Druck: CDU-Politiker um Friedrich Merz wollen den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Zukünftig soll Teilzeitarbeit nur in besonderen Fällen – wie Kinderbetreuung, Pflege oder Weiterbildung – gesetzlich garantiert werden. Eine reduzierte Arbeitszeit aus rein persönlichen Gründen wäre demnach nicht mehr automatisch möglich.
Die Vorschläge der Union stoßen auf breite Kritik. Linke Politiker betonen, dass der klassische 40-Stunden-Job für viele Menschen heute nicht mehr zur Lebensrealität passt und plädieren für flexiblere Arbeitszeitmodelle. Auch Beschäftigte melden sich in sozialen Netzwerken zu Wort und berichten, Teilzeit sei in der Praxis oft alles andere als bequem.
Beitrag zu Teilzeitmodell löst Grundsatzdebatte aus: „Mir reicht das völlig“
Frauen greifen besonders häufig auf Teilzeit zurück, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Doch Teilzeit bedeutet oft weniger Gehalt, eingeschränkte Karrierechancen und eine höhere Arbeitsverdichtung.
Eine hitzige Debatte wurde kürzlich auf Threads ausgelöst, als eine Nutzerin verärgert schrieb: „Es gibt doch nicht ernsthaft Menschen, die sich darüber aufregen, dass andere Menschen Teilzeit und nicht Vollzeit erwerbsarbeiten oder? Teilzeitarbeit bedeutet auch Teilzeitgehalt, nur mal so“.
Die Reaktionen waren zahlreich und teils hitzig. Viele Mütter berichten von Doppelbelastungen, die weit über die vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen: „Ich arbeite offiziell 29 Stunden, muss aber 35 arbeiten, um die Ferienzeit mit meinen Stunden abzudecken (Schule). Rechne ich noch die Fahrzeit dazu, komme ich auf 39 Stunden. Plus die Arbeit zuhause. Also mir reicht das völlig“.
Eine andere ergänzt: „Tja, jeder sieht, dass ich Donnerstags und Freitags früher nach Hause gehe. Dass die Schulzeiten der Kinder aber nicht an Familien angepasst sind, bei denen beide Elternteile arbeiten, sieht niemand“. Auch regionale Unternehmen reagieren unterschiedlich auf die politischen Vorschläge – manche restriktiv, andere flexibel.
Teilzeitkräfte: Zwischen Mehrarbeit und Effizienz
Teilzeit ist alles andere als ein einheitliches Modell – für viele Beschäftigte ist sie sowohl Notwendigkeit als auch zusätzliche Belastung. Eine Mutter beschreibt ihre Realität: „Ach, du hast schon wieder Feierabend? Wie schön. Nein, ich arbeite von 5-10 und mache dann bis 20 Uhr die gesamte Care-Arbeit zuhause. Ich hab niemals Feierabend, weil mein Kind mich 24/7 auf Abruf braucht“.
Viele Beschäftigte widersprechen der Vorstellung, dass Teilzeit automatisch weniger Leistung bedeutet: „Ich würde sogar behaupten, dass Teilzeitkräfte für viele Arbeitgeber der bessere Deal sind. Meistens erlebe ich es so, dass sie den gleichen Output bringen wie Vollzeitkräfte, nur für weniger Gehalt.“ Gleichzeitig berichten andere von praktischen Herausforderungen: „Ich bin nie nur auf die Stunden gekommen, die ich arbeiten sollte, allerdings waren die Stunden dann nur Mehrstunden und nicht Überstunden – schlechter Deal.“ Ein weiterer Kommentaar: „Ich, 75 Prozent Teilzeit, arbeite schön überall mit und damit eben auch über meine Stunden!“
Teilzeit als bewusste Entscheidung
Für andere ist Teilzeit hingegen eine bewusste Entscheidung für ein ausgewogenes Leben: „Ich arbeite Teilzeit und es ist das beste, was ich machen konnte: Ich verdiene Geld und habe dennoch ein Leben. Nein, ich habe keine Angst vor der Pension, da ich mein Geld anlege“. Teilzeit bietet zudem Flexibilität, die im Alltag vieler Familien entscheidend ist: „Teilzeit nachmittags hier. Häufig gefragt, da Ersatz für die Eltern, die nur vormittags arbeiten können. Win-Win-Situation.“
Einige Nutzer weisen auf strukturelle Gründe hin, warum Teilzeit oft kritisch gesehen wird: „Das liegt wahrscheinlich nur daran, dass die Führenden bei Teilzeitkräften das Gefühl des Kontrollverlustes haben. Bei Vollzeitkräften kann man sich zu den Kernarbeitszeiten umschauen – und wer fehlt, ist faul.“ Hinzu kommt ein politischer Aspekt: Die geplanten steuerfreien Überstundenzuschläge betreffen derzeit ausschließlich Vollzeitkräfte – Teilzeitbeschäftigte, darunter viele Frauen, profitieren bislang nicht davon.
Teilzeit: Rechte, Chancen und finanzielle Folgen
Ein User bringt die Debatte auf den Punkt: „JEDER hat das Recht auf Teilzeit. Es kann jeder einfach seine Arbeitszeit reduzieren und entsprechend weniger verdienen. Vollzeit zu arbeiten ist eine freie Entscheidung.“
Die Kommentare zeigen: Teilzeit funktioniert sehr unterschiedlich – sie kann sowohl Belastung als auch Chance sein und hängt stark von individuellen Lebensumständen ab. Wer dauerhaft Teilzeit arbeitet oder Care-Arbeit übernimmt, muss jedoch oft langfristige Konsequenzen tragen – etwa geringere Rentenansprüche. (Quellen: Statistisches Bundesamt, Thread) (vw)
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