Ein Pilot packt in sozialen Netzwerken über den Flugmodus aus. Flugzeuge stürzen davon zwar nicht ab, aber im Cockpit ärgere man sich trotzdem.
Kassel – Jeder kennt die Durchsage kurz vor dem Abflug: „Bitte schalten Sie Ihre elektronischen Geräte in den Flugmodus.“ Doch was passiert eigentlich, wenn Passagiere das vergessen? Ein TikTok Nutzer, der laut eigenen Angaben Pilot ist, beantwortete diese Frage vor Kurzem auf seinem TikTok-Kanal auf.
Unter dem Nutzernamen @perchpoint erklärt er: „Das ist nur eine freundliche Erinnerung daran, dass der Flugmodus keine Verschwörung ist.“ Er sagt aber auch: „Wenn man vergisst sein Handy in Flugmodus zu schalten, ist das nicht das Ende der Welt.“ Das Flugzeug würde dadurch nicht abstürzen und es würde auch nicht die Bordsysteme stören. Trotzdem sollte man den Flugmodus nicht einfach abtun, so der nach eigenen Angaben Experte.
Piloten klären über Flugmodus auf: „Keinen Grund zur Besorgnis“
Der EasyJet-Pilot Chris Foster sieht das ähnlich. Gegenüber dem Liverpool Echo erklärt der erfahrene Pilot: „In Wirklichkeit gibt es keinen Grund zur Besorgnis. Die Kontrollsysteme der Flugzeuge sind heute so ausgereift, dass sie (Anm. d. Redaktion: die Handynutzung) keine Störungen verursachen würde.“
Auch der deutsche Luftfahrtexperte Cord Schellenberg beruhigt Reisende. Gegenüber der Welt stellt er klar: „Wäre es wirklich gefährlich, das Handy während Start und Landung zu nutzen, dann würden Fluggesellschaften die Handys einsammeln oder ganz verbieten.“ Ein Pilot macht kurz vor dem Abflug eine kritische Durchsage. Später wird er dafür gefeiert.
Störgeräusche nerven Piloten: Kostenfalle Roaming
Trotzdem gibt es einen Grund, warum Airlines weiterhin auf den Flugmodus bestehen. Das Problem liegt nicht in der Flugzeugtechnik, sondern in den Kopfhörern der Piloten. Handys können störende Geräusche verursachen, ähnlich dem Pfeifen, das entsteht, wenn ein Smartphone zu nah an Lautsprechern liegt.
Diese Störsignale können Piloten ablenken und im schlimmsten Fall wichtige Funksignale überlagern, erklärt @perchpoint. Besonders bei Passagieren in der Nähe des Cockpits können solche Interferenzen auftreten. Es würden schon drei bis vier Handys reichen, um eine solche Störung zu verursachen. Der Pilot vergleicht das Geräusch mit einer Fliege im Ohr.
Ein weiterer wichtiger Aspekt: die Kosten. Denn viele moderne Flugzeuge haben eigene Mobilfunknetze. Smartphones wählen sich automatisch ein, auch wenn Sie das Gerät gar nicht benutzen. „Nutzen Sie Ihr Handy im Flugzeug ohne eingeschalteten Flugmodus, zum Beispiel um Urlaubsfotos zu verschicken, kann es teuer für Sie werden“, warnt die Verbraucherzentrale. Es könnten sogar hohe Kosten entstehen, wenn Sie Ihr Handy im Flugzeug nicht aktiv nutzen. Das ist etwa der Fall, wenn sie die mobilen Geräte eigenständig mit dem Boardnetz verbinden. Letztes Jahr wurde übrigens ein Pilot direkt nach dem Abflug im Cockpit von einer Spinne gebissen. Es könnte eine Tarantel gewesen sein.
Flugmodus: Das steckt hinter der Regel
Die Flugmodus-Regel entstand in den 1990er Jahren, als Handys noch große, strahlungsstarke Geräte waren. Damals gab es theoretische Bedenken wegen möglicher Störungen der Flugzeugelektronik, heißt es auf dem Portal Airhelp. Heute sind diese Sorgen unbegründet. Luftfahrtexperte Schellenberg erklärt: „Mittlerweile hätte es eher mit mehr Komfort zu tun als mit Sicherheit, dass Smartphones in den Flugmodus gesetzt werden sollen.“
Wer den Flugmodus mal vergisst, muss sich keine Sorgen machen. Das Flugzeug wird deshalb nicht abstürzen. Trotzdem sollten Sie die Funktion aktivieren - aus Rücksicht auf die Piloten und um hohe Roaming-Gebühren zu vermeiden. (jus) (Quellen: Airhelp, Liverpool Echo, Tik-Tok @perchpoint, Verbraucherzentrale)