Die kroatische Küste wird von einer extremer Sturmflut heimgesucht – mit Meter hohen Wellen. Die Feuerwehr leistet 200 Einsätze in einer Nacht.
Split – Ein außergewöhnlich heftiges Unwetter hat am Mittwochabend (4. Februar) die kroatische Adriaküste verwüstet und für eine verheerende Sturmflut gesorgt. Besonders schwer betroffen ist die Region um Kaštela nahe Split, wo der Meeresspiegel um mehr als 70 Zentimeter anstieg und Straßen sowie Gebäude überflutete.
Die Bewohner zeigen sich schockiert über das Ausmaß der Naturgewalt. „So etwas haben wir noch nie erlebt, der Meeresspiegel stieg um 70 Zentimeter und ergoss sich über die Uferpromenade“, berichten Betroffene vor Ort gegenüber oe24.at. Ein Anwohner aus Kaštel Novi schilderte die dramatische Situation: „Die Flut riss sogar die eiserne Haustür mit“.
Wellen bis zu acht Meter Meter an der Adria-Küste: „Kann mich nicht erinnern, dass es jemals so schlimm war“
Neben Kaštela waren auch Trogir, Omiš, Split und Pag von den Überschwemmungen betroffen. Die provisorischen Schutzmaßnahmen der Bewohner, die ihre Häuser mit Sandsäcken zu schützen versuchten, hielten dem Ansturm der Wassermassen nicht stand.
Die Feuerwehr war in der Nacht auf Donnerstag im Dauereinsatz und musste rund 200 Notrufe abarbeiten. „Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so schlimm war“, sagte Kaštelas Feuerwehrchef Darko Maretić gegenüber der kroatischen Nachrichtenagentur HINA.
Besonders dramatisch gestaltete sich die Lage nahe Palagruža, wo Wellen bis zu acht Meter Höhe auftraten und Windböen von bis zu 137 Stundenkilometern gemessen wurden – ein Wert, der nahe an den Rekord von 149 km/h aus dem Februar 1986 heranreicht. Bereits Anfang Januar kam es zu einem Wetterchaos in Kroatien.
Experte spricht von „Zyklonflut“ – Wetterdienst warnt am Freitag vor weiteren Extremwetter-Ereignissen
Ozeanologe Ivica Vilibić erklärt das Phänomen als „Zyklonflut“ oder „Sturmflut“, die durch eine Kombination aus niedrigem Luftdruck und stürmischem Südwind entstanden ist. Diese Faktoren trieben das Wasser mit voller Kraft in Richtung Küste. Besonders beunruhigend für Experten: Da der Meeresspiegel der Adria langfristig ansteigt, werden solche gefährlichen Ereignisse in Zukunft immer häufiger auftreten.
Die Entspannung ist nur von kurzer Dauer. Für Freitag warnen Meteorologen vor einer erneuten Verstärkung des Südwindes mit Regen und Gewittern. Der kroatische Wetterdienst DHMZ hatte bereits am Dienstag die höchste Warnstufe, den roten Meteoalarm für die Adriaküste ausgegeben.
Die Unwetter sind Teil eines größeren Wettersystems, das zuvor bereits in Italien für verheerende Schäden gesorgt hatte und nun ostwärts über den Balkan zieht. Experten warnen vor weiteren extremen Wetterereignissen in den kommenden Tagen entlang der gesamten östlichen Adriaküste. Quellen: oe24.at, HINA (bk)