Der Moosburger Stadtrat hat eine weitgreifende Verkehrsberuhigung der Innenstadt diskutiert – und konkrete Änderungen für mehrere Straßen im Zentrum beschlossen.
Moosburg – Die Verkehrsberuhigung im Moosburger Zentrum ist ein Debatten-Dauerbrenner und hat am Montag wieder einmal für kontroverse Diskussionen im Stadtrat geführt. Ausgangslage waren zwei Anträge.
Anträge von SPD und Grünen
Der erste kam von SPD-Ortschef Gunnar Marcus und hatte es in sich: Gefordert wurde unter anderem eine „großräumige Schaffung von Fußgängerzonen im Bereich Herrnstraße/Stadtplatz/Auf dem Plan“, teilweise als „Shared Space“ (Erläuterung siehe Infobox am Textende) umgesetzt. Parallel wurden die Drehung von Parkplätzen und Schrittgeschwindigkeit am Rathaus vorgeschlagen. Außerdem empfahl Marcus eine die Altstadt umspannende Einbahnregelung für Teile der Bahnhof-, Leinbergerstraße und des Grieses. Ziel sei es, „dass die Innenstadt weiterhin gut mit dem Auto erreichbar ist, jedoch dieser Erreichbarkeit nicht alles andere untergeordnet wird“. Pkw sollten an den Rand der Innenstadt gedrängt und dafür Platz für Fußgänger, Radfahrer und mobile Stadtbegrünung geschaffen werden. Das alles solle nicht sofort geschehen, erklärte der SPD-Rat, sondern von den Stadtverantwortlichen gemeinsam mit Verkehrsexperten geplant und scheibchenweise getestet werden.
Antrag 2 stammte von Grünen-Fraktionschef Michael Stanglmaier und hatte zwei Forderungen im Gepäck: Zum einen Tempo 20 für den Stadtplatz zwischen Kirchen und Weingraben – analog zum verkehrsberuhigten Geschäftsbereich in Herrnstraße und Weingraben. Zum anderen durchgängig Tempo 30 für die Münchener-/Thalbacherstraße zwischen Westerberg- und Leinbergerstraße sowie für die Landshuter-/Leinbergerstraße und den Gries zwischen Stadtwald- und Thalbacherstraße. Ausgenommen seien höherwertige Anordnungen wie eben Tempo 20 am Stadtplatz. Begründet wurde der Antrag primär mit der Aufwertung der Innenstadt, mehr Verkehrssicherheit und Wohn-/Aufenthaltsqualität sowie dadurch Stärkung des Handels und der Gastronomie.
Geteilte Meinungen bei den Fraktionen
In den Beschlussvorschlägen der Verwaltung war der Antrag der Grünen weitgehend übernommen worden. Sabine Wiesheu, Leiterin der Straßenverkehrsbehörde, bezeichnete den Großteil der Vorschläge als sinnvoll. Als schwierig erachtete sie hingegen den „Shared Space“ der SPD (“gibt es rechtlich nicht in Deutschland“) und die Einbahnstraßenregelungen, wofür es erst ein Gutachten brauche. Bauamtsleiter Herbert Held warb dafür, zunächst die Temporegeln wie von den Grünen beantragt umzusetzen, „abzuwarten, was nach einem Jahr passiert und erst dann ein Planungsbüro zu beauftragen“.
Es folgte eine Debatte, in der unterschiedliche Fraktionen ihre Vorbehalte gegenüber den komplexen SPD-Vorstellungen äußerten. Selbst Gunnar Marcus‘ Parteikollege, Martin Pschorr, war wenig begeistert von den Ideen seines Genossen, bezeichnete Teile als „widersinnig“ und wollte lieber den „pragmatischen“ Punkten der Grünen zustimmen. Zudem appellierte er, sämtliche Änderungen im Vorfeld mit den Anrainern der Innenstadt abzustimmen, „weil wir wissen, dass da durchaus unterschiedliche Meinungen bestehen“.
Reinhard Lauterbach (FW) erinnerte daran, dass man vor wenigen Jahren für viel Geld ein 120 Seiten langes Verkehrsgutachten erstellt habe. „Vielleicht orientieren wir uns mal an dem, was wir schon haben und arbeiten uns daran vor.“ Ähnlich sah das Erwin Weber (CSU): „Wir haben vor drei, vier Jahren viel Geld für ein Gutachten ausgegeben. Ich weiß nicht, ob das Herrn Marcus bekannt ist.“ Auch Georg Hadersdorfer monierte: „Wir lassen da und dort mal was machen, setzen aber nichts um.“
Neuer Stadtrat soll Verkehrsklausur abhalten
Als Bürgermeister Josef Dollinger eine Verkehrsklausur für den neuen Stadtrat nach der Wahl empfahl, um auf Basis des Konzepts Lösungen zu diskutieren, herrschte nicht nur breite Zustimmung, sondern war auch Gunnar Marcus zufrieden: „Ich wollte erreichen, dass endlich mal was weitergeht.“
Beinahe einstimmig beschlossen wurden schließlich Tempo 20 am Stadtplatz und Tempo 30, wie von den Grünen vorgeschlagen.
Das Verkehrskonzept „Shared Space“ erklärt:
„Shared Space“, zu Deutsch „geteilter Raum“, ist ein Verkehrskonzept, das auf die klassische Trennung von Verkehrsflächen für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer verzichtet. In diesen Zonen werden Verkehrszeichen, Ampeln, Fahrbahnmarkierungen und oft auch Bordsteine bewusst entfernt oder stark reduziert. Dadurch entsteht ein einheitlicher, offener Raum, den sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt teilen.
Die Grundidee dahinter ist, dass die unklare Vorfahrtssituation und das Fehlen von Regelungen zu mehr Vorsicht und Rücksichtnahme führen. Anstatt sich auf Schilder zu verlassen, sind die Teilnehmer gezwungen, langsamer zu fahren, Blickkontakt aufzunehmen und miteinander zu kommunizieren. Ziel ist es, die Verkehrssicherheit durch erhöhte Aufmerksamkeit aller zu steigern und die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes zu verbessern.