Der 54-Jährige Anton Margreiter kandidiert ohne Gegenkandidaten für das Bürgermeisteramt. Er will vor allem junge Menschen für die Gemeindepolitik begeistern.
Greiling – Er ist Greilinger durch und durch. Seit zwölf Jahren ist Anton Margreiter (Freie Wählergemeinschaft) Bürgermeister seiner Heimatgemeinde. Und auch in der nächsten Amtsperiode möchte er sich als Chef im Rathaus für sein Dorf einsetzen. Er ist der Einzige, der sich in Greiling für das Bürgermeisteramt bewirbt. Um jede Stimme möchte er sich bemühen, betont er. Was hat sich seit 2020 in Greiling getan? Welche Projekte stehen in der Zukunft an? Im Interview erfährt unsere Mitarbeiterin Magdalena Kratzer, dass er vor allem auch junge Menschen wieder für die Gemeindepolitik begeistern möchte.
Herr Margreiter, Sie stehen kurz vor Ihrer dritten Amtszeit als Greilinger Bürgermeister. Von Ihrer Partei wurden Sie fast einstimmig wieder nominiert. Es gibt keinen Gegenkandidaten. Wie blicken Sie mit so viel Rückenwind auf die bevorstehende Kommunalwahl?
Die Freie Wählergemeinschaft Greiling e.V. ist keine Partei, sondern eine Gruppierung. Wir unterliegen keinerlei parteipolitischen Zwängen. Darauf legen wir großen Wert. Über den entgegengebrachten Vertrauensvorschuss meiner Liste freue ich mich natürlich sehr und bemühe mich um jede Stimme unserer Bürgerinnen und Bürger.
Amt ist zur Lebensaufgabe geworden
Schon letztes Jahr gaben Sie bekannt, dass Sie noch mal kandidieren. Gab es keine Zweifel?
Mit meinen 54 Jahren fühle ich mich auf jeden Fall fit genug für weitere sechs Jahre als Erster Bürgermeister der Gemeinde Greiling. Natürlich habe ich meine Entscheidung vorher mit meiner Familie abgesprochen. Nach zwölf Jahren kann ich schon sagen, dass dieses Amt für mich zu einer Lebensaufgabe geworden ist, die mir nach wie vor sehr viel Freude macht. Und: Es gibt für mich noch viel zu tun.
Was gefällt Ihnen daran, Bürgermeister zu sein? Was sind die Herausforderungen?
Gemeindepolitik ist die unterste politische Ebene, bei der man noch in direktem Kontakt mit den Menschen steht. Natürlich wird immer wieder klar, dass man es nicht allen Bürgerinnen und Bürgern recht machen kann. Aber gemeinsam mit den Mitgliedern des Gemeinderats und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung arbeiten wir unvoreingenommen und pragmatisch an gerechten Lösungen für alle Seiten. Dabei tut es gut, dass dabei keine parteipolitischen Vorgaben im Vordergrund stehen. Das haben wir der großen Politik voraus. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie ernst es die Regierung mit ihrer Zusicherung einer Entbürokratisierung meint. In vielen Bereichen würde uns eine Entschlackung und Verschlankung guttun. Wir als Gemeinde können halt keine Aufgaben mehr nach unten delegieren.
Gemeindesaal, Dorferneuerung, Kindergarten, Kreisstraße TÖL12. In Greiling ging einiges vorwärts in den vergangenen Jahren. Worauf sind Sie besonders stolz? Was war rückblickend eine besondere Herausforderung?
Sie haben das neue Feuerwehrhaus, das neue Einsatzfahrzeug und den Solarpark an der Mühlleiten vergessen. All diese Projekte sind für eine so kleine Gemeinde wie Greiling schon große Herausforderungen. Wir haben bei den Realisierungen immer die Gemeindefinanzen im Blick und sind bis heute eine der wenigen Gemeinden, die schuldenfrei sind. Wenn ich ein Projekt hervorheben würde: Ich bin besonders stolz auf unseren neu gestalteten Gemeindesaal.
Stimmt, es ist viel geschehen. Greiling wehrte sich gerichtlich vor der Zwangszuweisung von Geflüchteten und bekam Recht. Wie blicken Sie heute darauf zurück?
Wenn die letzten Jahre in den verantwortlichen Behörden mit den richtigen Zuweisungszahlen gerechnet worden wäre, hätten wir uns den Gang vor Gericht wahrscheinlich sparen können. Das Verwaltungsgericht hat uns im Eilverfahren recht gegeben, weil wir nachweisen konnten, dass die Gemeinde Greiling jederzeit bereit war, konstruktiv an der Bewältigung der Flüchtlingskrise mitzuwirken. Gott sei Dank gibt es noch funktionierende Rechtsmittel, wenn sich, wie in unserem Fall, eine Gemeinde ungerecht behandelt fühlt. Rückblickend betrachtet war die Klage der richtige Weg für uns.
Wie läuft es mit der Asylunterkunft am Kranzer?
Seit Dezember 2024 könnten in der Flüchtlingsunterkunft. Am Kranzer 240 Geflüchtete untergebracht werden. Diese Unterkunft haben die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, wie auch schon von 2015 bis 2019, unter enormem Zeitdruck gebaut, und sie wird auch von der VG betrieben. Die Lage ist recht entspannt, weil bisher zu keinem Zeitpunkt mehr als 110 Personen untergebracht waren.
Dorferneuerung in den kommenden Jahren im Fokus
Was wollen Sie in den nächsten sechs Jahren anpacken? Was wünschen Sie sich?
Für die nächsten Jahre ist zu befürchten, dass sich die finanzielle Ausstattung der Gemeinden tendenziell nicht positiv entwickeln wird. Dabei kann auch das versprochene Sondervermögen nicht viel ändern. Die Gemeinde Greiling hat hier vorausschauend die Hebesätze für die Realsteuern erhöht, um unsere Pflichtaufgaben sicher erfüllen zu können. Wie schon erwähnt, wünsche ich mir eine wirkliche Entbürokratisierung, bei der auch die Entscheidungshoheit für viele Bereiche dann auch bei den Kommunen bleibt und sogar gestärkt wird. Gerne würden wir maßvoll erschwinglichen Wohnraum für unsere Bürgerinnen und Bürger entwickeln. Auch unsere Dorfentwicklung wird in den nächsten Jahren einiges an Arbeit abverlangen. Als vielleicht größte Aufgabe sehe ich aber, dass wir junge Menschen mit transparenter und nachvollziehbarer Gemeindepolitik sensibilisieren und begeistern, sich in der Zukunft ehrenamtlich für unsere schöne Gemeinde zu engagieren.