Eine Jugendgruppe des Alpenvereins besuchte 1976 den Iran. Monika Wiedemann aus Bad Tölz erinnert sich an ein weltoffenes Land vor der Revolution.
Bad Tölz – Vor 50 Jahren hat eine Jugendgruppe der Tölzer Alpenvereinssektion den Iran besucht. Demokratisch war das Land, das einst Persien hieß, auch damals nicht. Schah Reza Pahlawi regierte mit harter Hand und unterdrückte die Opposition. Doch bis 1989 war das Land weltoffen, und Reisen waren völlig unproblematisch.
Tölzer Jugendgruppe bestieg Damawand
Der Tölzer Bergfilmer Wolfgang Gorter (1908 bis 1989) hatte das Land seit 1936 mehrfach bereist. Dabei schloss er Freundschaften und initiierte einen deutsch-iranischen Jugendaustausch zwischen der Tölzer DAV-Jugend und persischen Gleichaltrigen. Im Januar 1976 schrieb der Kreisjugendring die Reise aus, nach Fürsprache von Landrat und Alpenvereinsvorstand Otmar Huber. Zwölf junge Bergsteiger bekamen im Juni Gelegenheit, den 5600 Meter hohen Damawand zu besteigen und in der Alam-Kuh-Region zu wandern. Sie konnten Kulturschätze bewundern und tiefe Eindrücke von der orientalischen Gastfreundschaft mit nach Hause nehmen.
In Lederhosen und Dirndl beim Persischen Alpenclub
Mit dabei war auch Monika Wiedemann. Sie berichtet von der Reise, die von den Eheleuten Gorter und Kreisjugendpfleger Karl Weigl begleitet wurde. Es gab offizielle Empfänge beim Persischen Alpenclub und bei der Stadt Teheran. Sie erinnert sich gut daran, dass sie dabei in Lederhosen und Dirndln auftraten und eigens verfasste Gstanzl vortrugen. „Es ist ein wunderbares Land mit so gastfreundlichen Menschen, die uns mit größter Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft begegneten“, erinnert sie sich. Bei einem Ausflug zum Kaspischen Meer sei sie – heute undenkbar – im Bikini geschwommen.
Beim vorausgegangenen Gegenbesuch aus dem Iran unternahmen sie gemeinsame Ausflüge ins Karwendel, in die Landeshauptstadt und nach Neuschwanstein sowie eine Floßfahrt auf der Isar. „Und immer ist deutlich geworden, dass sich die gut gebildete iranische Jugend an westlichen Werten orientieren möchte“, sagt sie.
Es war alles ganz anders, als Monika und Peter Wiedemann 2017 noch einmal im Iran waren. „An der überwältigenden Hilfsbereitschaft der Menschen hatte sich nichts geändert, aber es gab überall Aufpasser.“ Und man spürte, wie vorsichtig sie ihre Worte wählten. Die Botschaft: „Die Welt soll wissen, dass wir nicht auf der Seite der Mullahs stehen und frei sein wollen.“