„Die Isar ist wie ein Taxi" – Ranger warnen vor Wassermangel

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Ein wunderbarer Ausblick bot sich den Teilnehmern vom Kalvarienberg, links im Bild Rangerin Sabine Gerg. © Sabine Näher

Die Isarranger Gerg und Adlwarth führen durch das Naturschutzgebiet. Sie zeigen die dramatischen Folgen von Kraftwerken und Klimawandel.

Bad Tölz – Bei perfektem Wetter, mild und sonnig, haben die Isarranger Sabine Gerg und Hans Adlwarth zu einer informativen Winterwanderung zum Isarstausee eingeladen. Am Treffpunkt bei der Isarbrücke am Amortplatz finden sich acht Interessierte ein, eben genug, damit die Tour stattfinden kann. „In der Regel kommen 15 bis 20 Leute“, erzählt Gerg. Aber in der dritten Januarwoche sind die Touristen offenbar rar gesät, die Teilnehmer kommen allesamt aus Tölz und Heilbrunn. Über die Brücke geht es hinüber zum Taubenloch, der ersten Station.

Problemtier? Der Biber hinterlässt deutliche Spuren.
Problemtier? Der Biber hinterlässt deutliche Spuren. © sn

Gerg und Adelwarth sind seit 2019 als Ranger im Einsatz, erst nur an der Isar, mittlerweile auch am Walchensee. Beide haben dafür eine halbjährige Ausbildung zum Naturschutzwächter absolviert. Adlwarth ist zusätzlich als Biberberater im Landkreis tätig. Gerg hat ihren Jagdhund Berti bei allen Einsätzen dabei. Gerade nachts am Walchensee gebe der Hund ihr ein Gefühl der Sicherheit, erklärt sie. Denn unangenehme Begegnungen mit uneinsichtigen Naturfrevlern kämen leider durchaus vor.

Zu wenig Wasser, zu viele Touristen

Zum Glück ist damit heute nicht zu rechnen, die Teilnehmer sind überaus interessiert und aufgeschlossen für die Informationen der beiden Ranger. Im Taubenloch glitzert die Isar in der Wintersonne. Vor dem Schild „Naturdenkmal“ am Felsabbruch macht die Gruppe Halt. „Wir haben etwa 200 Naturdenkmäler im Landkreis, alleine 100 davon sind Bäume. Hier an dieser Abbruchkante lassen sich die verschiedenen Gesteinsschichten sehr gut erkennen“, erläutert Gerg. „Wo wir jetzt stehen, war früher ein See, die Isar floss damals in Richtung Holzkirchen. Dann hat sie sich einen neuen Weg gesucht und den See zum Verlanden gebracht.“

Walchensee gehört zu ältesten Seen Europas

Adlwarth erzählt, der Walchensee gehöre zu den ältesten Seen in ganz Europa. „Wegen des Kraftwerks fließt nun weniger Wasser von dort in die Isar, weil es in die Loisach abgeleitet wird. Das Wasser fehlt, zumal aufgrund des Klimawandels immer weniger Schnee in den Bergen liegt und folglich das Tauwasser im Frühjahr ausbleibt.“ Für die 30 000 Tier- und 20 000 Pflanzenarten in den Alpen seien Flüsse wie die Isar sehr wichtige Lebenswege, die Arten aus dem Gebirge in die Niederungen verschwemmten. „Die Isar ist wie ein Taxi, das dem genetischen Austausch dient“, fügt Gerg an. „Bei immer weniger Wasser wird einiges auf der Strecke bleiben.“

Über steile Treppen und Pfade geht es nach oben zum Kalvarienberg mit der perfekten Aussicht auf Stadt, Fluss und Gebirge. Die Erläuterungen der Ranger wirken hier noch eindrücklicher. „Es gibt 28 Stromerzeugungskraftwerke an der Isar. Kann man wirklich guten Gewissens von ‚grünem Strom‘ sprechen?“, gibt Adlwarth zu bedenken. „Die Auswirkungen auf die Natur sind enorm, der Fluss muss darunter erheblich leiden.“

Die zunehmende Trockenheit ist das eine, die zunehmenden Touristenmengen sind das andere. Sie seien rund ums Jahr unterwegs, um darüber aufzuklären, führt Gerg aus. Im Winter ermahnten sie Tourengeher, auf den Wegen zu bleiben und kein Licht in die Dunkelheit zu bringen, weil das Wildtiere aufscheuche, die diesen zusätzlichen Energieverbrauch nicht selten mit dem Leben bezahlen müssten. „Im Frühjahr geht es darum, die auf den Kiesbetten in der Isar brütenden Vögel und ihren Nachwuchs vor Wanderern und freilaufenden Hunden zu schützen. Im Sommer spüren wir Wildcamper im Naturschutzgebiet auf, die nicht selten auch noch Feuer machen.“

Wahre Schätze, die es zu schützen gilt

Für die insgesamt elf Ranger gebe es mehr als genug zu tun. Und solche Führungen wie diese hier seien nicht zuletzt als Multiplikatoren gedacht, um die wichtigen Informationen noch weiter verbreiten zu können. „Wir haben hier noch wahre Schätze, die es unbedingt zu schützen gilt“, mahnt Adlwarth.

Nach dem Abstieg hinunter zum Isarstausee wird er zum Biberberater und zeigt, welche Spuren die Tiere hinterlassen haben. „Der Biber fällt die Bäume, um an deren Rinde zu kommen, weil er im Winter kaum etwas zum Fressen findet“, erklärt er. „Fast 100 Jahre war der Biber weg, jetzt hat er sich weitestgehend wieder angesiedelt. Und wir haben verlernt, damit umzugehen.“ Wo er frei walten könne, etwa an der oberen Isar, schaffe der Biber wahre Paradiese. „Die von ihm gestalteten Feuchtgebiete ziehen Vögel, Insekten und Amphibien an“, schwärmt Adlwarth. Natürliche Feinde habe er kaum, bloß die Eule, die junge Biber schnappen könne, oder den Wolf. Das nächste „Problemtier“ also. „Wir müssen versuchen, alle Seiten zu sehen und zu verstehen. Und dazwischen zu vermitteln.“

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