Zugbegleiter stirbt nach Attacke – Experte schlägt Sicherheits-Neuerung am Bahnhof vor

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Zugbegleiter Serkan C. stirbt nach Attacke – Experte schlägt Sicherheits-Neuerung am Bahnhof vor

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Täglich werden Bahn-Beschäftigte angegriffen. Ein Zugbegleiter starb jetzt. Sicherheitsexperte Bisanz erklärt, welche Maßnahmen helfen könnten.

Serkan C. machte nur seinen Job – jetzt ist der 36 Jahre alte Zugbegleiter nach einer brutalen Attacke tot. Der Vorfall sorgt bundesweit für Entsetzen. C. hatte am Montagabend in einem Regionalzug am Bahnhof Landstuhl bei Kaiserslautern die Tickets der Fahrgäste kontrolliert. Einen der Reisenden, der keinen Fahrschein hatte, wollte er des Zuges verweisen. Dann aber griff der Schwarzfahrer ihn an, schlug auf ihn ein und verletzte ihn schwer am Kopf. Der tatverdächtige 26-Jährige wurde noch vor Ort festgenommen. Serkan C. starb anderthalb Tage später, am Mittwochmorgen, in einem Krankenhaus an den Verletzungen.

Übung der Bundespolizei für den Fall von Gewalttaten im Umfeld der Bahn im Jahr 2018: Schon damals beobachteten die Behörden eine Zunahme von Übergriffen. © Philipp Schulze/dpa

Bahn-Chefin Evelyn Palla schrieb bei LinkedIn, der Tod des Mitarbeiters mache sie „fassungslos und traurig“. Und weiter: „Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt.“ Auch Bahngewerkschaften klagen seit Jahren darüber, dass es immer wieder zu Übergriffen gegen Bahnmitarbeiterinnen und -mitarbeiter komme.

Die Zahl der Gewalttaten gegen Beschäftigte der Deutschen Bahn erreichte 2025 in der Tat ein Rekordhoch, wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums von Anfang Januar auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hervorgeht. Demnach wurden allein von Januar bis Oktober 2025 rund 3000 Mitarbeiter körperlich attackiert. Tendenz steigend. Am stärksten betroffen ist der Regionalverkehr. Dazu kamen 2.981 tätliche Angriffe und 1.796 Fälle von Bedrohung gegen Beamte der Bundespolizei, die unter anderem für die Sicherheit an Bahnhöfen zuständig ist. Hat die Bahn ein Sicherheitsproblem?

Serkan C. stirbt nach Attacke: Deutsche Bahn sieht mehr Gewalttaten gegen Zugbegleiter

„Politik und Bahn sollten zumindest auf die offenbar gestiegene Gewaltbereitschaft reagieren“, sagt der Kölner Sicherheitsexperte Stefan Bisanz, der seit Jahrzehnten im Personenschutz und Bedrohungsmanagement tätig ist, im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media. Tatsächlich sei die Deutsche Bahn, wie jeder Arbeitgeber in Deutschland, dazu verpflichtet. Hintergrund ist das sogenannte ILO-Übereinkommen 190 der International Labour Organization, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Daraus hervorgegangen ist in Deutschland das „Gesetz über die Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt“. Arbeitgeber sind demnach verpflichtet, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Gewalt ist, und entsprechende Präventionsmaßnahmen und Richtlinien festzulegen.

Inwieweit ein Arbeitgeber das immer erfüllen kann, ist freilich zum Teil Auslegungssache. Bei der Bahn kommt hinzu: Für die Sicherheit der Fahrgäste muss ebenfalls gesorgt sein. Eine Mammutaufgabe, die die Bahn auch mit einer erst Anfang des Jahres gestarteten Sicherheitsoffensive bewältigen will. Am 20. Januar hatte die Bahn angekündigt, zusätzliches Sicherheitspersonal auf Streife zu schicken und mehr Bahnhöfe mit Kameras und Videotechnik auszustatten. Wichtigstes Mittel sei grundsätzlich Prävention, sagt Experte Bisanz. Eine Möglichkeit, die bislang in Deutschland so gut wie keine Rolle spielt: „Schleusen oder Drehkreuze an Bahnhöfen, die man nur mit gültigem Fahrschein passieren kann“, so Bisanz. Das schrecke zumindest einige potenzielle Randalierer frühzeitig ab. Die Debatte um Sicherheitsschleusen läuft schon länger: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler etwa hatte bereits 2024 nach einem Gewaltvorfall in Frankfurt im Interview mit dieser Redaktion entsprechende Einrichtungen an Bahnhöfen vorgeschlagen.

Würde mehr Sicherheitspersonal bei der Deutschen Bahn helfen? „Man kann nicht jeden Zug mit Sicherheitspersonal besetzen. Aber Kameras in Zügen können ebenfalls dabei helfen, den ein oder anderen von Gewalttaten abzuhalten“, so Bisanz. Ein wirkungsvolles Mittel seien auch moderne Bodycams. Genauer: „Wichtig sind Modelle, die auch auf der Vorderseite einen kleinen Screen haben. Wenn sich ein potenzieller Angreifer darin selbst sieht, wie er randaliert, schreit und droht, hat das einen psychologischen Effekt und führt häufig dazu, dass sich die Lage etwas entspannt.“ Solche Bodycams seien zwar kostspieliger als Standardmodelle – aber: „Prävention ist immer günstiger, als im Nachhinein auf Gewalttaten reagieren zu müssen.“

Sinnvoll sei auch ein Bedrohungsmanagement-Training für Zugbegleiter. „Und da geht es nicht um Selbstverteidigung und Kampfsport. Denn das lernt man nicht mal eben in einem Schnellkurs, sondern nur über regelmäßiges Training.“ Vielmehr gehe es um die Vermittlung von Deeskalationsmaßnahmen: „Man kann recht schnell lernen, bestimmte Gesten und Verhaltensweisen eines Gegenübers richtig einzuschätzen und zu entscheiden, ob man sich weiter auf Diskussionen einlassen kann oder ob man den Rückzug antreten und die Polizei rufen muss, weil es zu brenzlig wird“, so der Sicherheitsfachmann. (Quellen: Sicherheitsexperte Stefan Bisanz, Bundesinnenministerium, Deutsche Bahn, eigene Recherchen, dpa)

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