Die Politik ruft die Deutschen immer wieder zu mehr Arbeit auf. Doch wollen sie das überhaupt? Eine neue Umfrage liefert Erkenntnisse.
Erfurt – Arbeit macht das Leben süß. So heißt es zumindest. Viel Arbeit macht das Leben noch süßer, denkt sich deshalb wohl die Politik. Als Beispiel sei hier nur an Markus Söder erinnert. „Wir sind der Meinung, dass länger arbeiten sinnvoll ist“, sagte der bayerische Ministerpräsident laut Deutscher Presse-Agentur Ende Januar nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. Kurz darauf forderte Söder in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ dann konkret eine Stunde Mehrarbeit in der Woche..
Zugleich will der CDU-Wirtschaftsflügel das Recht auf Teilzeit einschränken. „Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten“, sagte die CDU-Politikerin Gitta Connemann kürzlich dem Stern. Das Arbeitszeitgesetz sieht aktuell eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden an sechs Tagen vor. SPD und Union wollen den Acht-Stunden-Tag aber zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit abschaffen. Laut Statistischem Bundesamt lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Jahr 2024 bei 34,3 Stunden.
Umfrage zu Arbeit in Deutschland: Vollzeit ist das beliebteste Modell
Was sagen nun aber die Betroffenen zu all den Forderungen? Eine aktuelle Umfrage gibt Antworten. Erste Erkenntnis: Eine wöchentliche Arbeitszeit von bis zu 48 Stunden lehnt eine große Mehrheit der Deutschen ab. In der repräsentativen Befragung der IU Internationale Hochschule gaben 73,5 Prozent an, eine 48-Stunden-Woche würde sich „negativ“ oder „sehr negativ“ auf ihr Leben auswirken. Als Gründe wurden unter anderem zu wenig Zeit für Familie und Freunde sowie für Sport oder Hobbys genannt, aber auch gesundheitliche Bedenken körperlicher oder psychischer Art.
Zugleich ergab die Umfrage, dass Vollzeit mit 35 bis 40 Wochenstunden das beliebteste Arbeitsmodell ist. 44,7 Prozent der Befragten gaben demnach an, dass das am besten zur eigenen Lebenssituation passe. Dahinter folgt eine Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden an vier Tagen bei vollem Lohn (33,9 Prozent). Ein klassisches Teilzeitmodell mit weniger als 35 Wochenstunden bevorzugten 18,5 Prozent.
Das beliebteste Arbeitsmodell in der Umfrage
| 35 bis 40 Wochenstunden | 44,7 % |
|---|---|
| Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden | 32 % |
| Teilzeitmodell mit weniger als 35 Wochenstunden | 18,5 % |
Experte über die Umfrage zur Arbeit: Empfinden der Bevölkerung hat sich vom Diskurs entkoppelt
Arbeitsexperte Malte Martensen von der IU sagte: „Wir fanden überraschend, wie weit sich das Grundempfinden in der Bevölkerung vom politischen Diskurs entkoppelt hat.“ Dass es so eine große Ablehnung gegen eine 48-Stunden-Woche gebe, habe er nicht gedacht. Es gebe den Reflex, in Krisenzeiten einfach Antworten auf komplexe wirtschaftliche Probleme zu suchen. „Aber nur zu sagen, die Menschen müssten mehr arbeiten, ist letztlich zu kurz gedacht.“
Hinweise zur Umfrage
Die IU befragte für die Studie 2000 Arbeitnehmende in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren. Die Stichprobe ist repräsentativ für den deutschen Arbeitsmarkt nach Alter und Geschlecht. Die Befragung fand vom 10. November bis 16. November 2025 statt.
Weiter sagte Martensen: „40 Stunden finden die Leute okay. Gleichzeitig sagen sie: Mehr geht nicht, weil sie das mit den organisatorischen Realitäten in ihrem Leben nicht unter einen Hut kriegen.“ Solange es keine flächendeckende Kinderbetreuung gebe oder das Problem mit der Pflege nicht gelöst sei, gingen gewisse Dinge einfach nicht. (Quellen: IU, dpa, Stern) (cs)