Die Bürgerversammlung in Kochel dauerte fast dreieinhalb Stunden. Thema waren unter anderem der schlechte Zustand der Heimatbühne mit möglichen Sanierungs- oder Neubauplänen, ein neues Wohnbauprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofs „Rabenkopf“ sowie Überlegungen zur Erweiterung von Gewerbeflächen.
Kochel am See – Den Sitzungen des Kochler Gemeinderats eilt der Ruf voraus, sich gerne in die Länge zu ziehen – bei den Bürgerversammlungen ist das nicht anders. Der öffentliche Termin in der Heimatbühne dauerte fast dreieinhalb Stunden. Der Rechenschaftsbericht von Bürgermeister Jens Müller (UWK) über das vergangene Jahr sowie die Auszeichnung von fünf Ehrenamtlichen mit der Bürgermedaille in Silber nahmen viel Zeit in Anspruch. Erst nach drei Stunden begann die Fragerunde – zu diesem Zeitpunkt hatten bereits viele der rund 150 Besucher den Saal verlassen. Die Ehrungen seien heuer in der Tat „ausgedehnt“ gewesen, räumte Müller im Nachgespräch mit unserer Zeitung ein. Trotzdem seien alle Fragen behandelt worden.
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Zukunft der Heimatbühne
Der Jurist machte in seiner ausführlichen Rede den Veranstaltungsort selbst zum Thema. Wie berichtet, ist die Heimatbühne, die als kleines Kulturzentrum dient, derzeit aufgrund baulicher Mängel nur eingeschränkt nutzbar. Das 1936 errichtete und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweiterte Gebäude ist stark sanierungsbedürftig. Davon bekamen die Gäste der Bürgerversammlung unmittelbar etwas zu spüren: Es war nicht nur recht frisch – einige ließen ihre Winterjacken an –, sondern es lag auch ein unangenehmer Geruch in der Luft. „Man riecht, dass was passieren muss“, bemerkte Müller und wies auf Probleme mit der Kanalisation hin.
Wohin die Reise bei der Heimatbühne geht, ist noch unklar. Sowohl eine umfassende Sanierung als auch ein Neubau sind im Gespräch. „Ich bin völlig ergebnisoffen“, sagte Müller. Klarheit erhofft man sich von einem Gesamtplan für die Gemeinde: In Zusammenarbeit mit Fachleuten soll ein sogenanntes integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) entstehen – eine Art Richtschnur zur Ortsentwicklung. Bis dahin investiert die Kommune in der Heimatbühne zunächst rund 80 000 Euro in die dringend notwendige Verbesserung des Brandschutzes, um den normalen Betrieb wieder zu gewährleisten.
Auf Nachfrage aus dem Publikum verkündete Müller eine interessante Neuigkeit: Auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofs „Rabenkopf“ im Ortsteil Ried soll gebaut werden. Eigentümer ist eine Privatperson, die das Grundstück geerbt hat und mit einem Investor verhandelt. Erste Ideen seien dem Gemeinderat vorgestellt worden, plauderte der Bürgermeister aus dem Nähkästchen. Geplant sei Geschosswohnungsbau, etwa günstige Mietwohnungen oder seniorengerechtes Wohnen. „Es werden verschiedene Varianten überlegt“, berichtete Müller. Grundsätzlich stehe die Gemeinde dem Vorhaben positiv gegenüber, da dringend Wohnraum benötigt werde. Ungeklärt seien noch einige Punkte, etwa die Gebäudehöhe oder die Frage der Stellplätze. Zudem hat sich Kochel für Teilflächen ein Vorkaufsrecht gesichert, um beispielsweise eine Erweiterung des Feuerwehrhauses zu realisieren.
Ein drängendes Problem ist der akute Mangel an freien Gewerbeflächen. Viele Betriebe klagen über fehlende Expansionsmöglichkeiten. Eine Lösung bietet sich laut Müller im bestehenden Pessenbacher Wirtschaftsareal an: Dieses könnte im Süden erweitert werden. Es geht um rund 2,3 Hektar, derzeit noch bewaldet, deren Eigentümer bereit wären, das Gebiet zu verkaufen. Allerdings müsse zunächst die Regierung von Oberbayern grünes Licht geben. „Wir stehen erst ganz am Anfang“, machte Müller in seinen Ausführungen deutlich.
Etwas kryptisch blieb seine Ankündigung zum Familien- und Erlebnisbad Trimini. Mit dem Betreiber, der Kristall trimini Kochel am See GmbH, sei eine Einigung zur Sicherung des Standorts und zur finanziellen Entlastung der Gemeinde erzielt worden, berichtete er. Mehr wollte Müller nicht verraten – die Entscheidung werde zu gegebener Zeit noch öffentlich erläutert.
Die Botschaft des Rathauschefs, der zur Kommunalwahl ohne Gegenkandidat antritt, war unmissverständlich: 2025 sei vieles auf den Weg gebracht oder bereits umgesetzt worden, so sein Tenor. Zugleich lobte er die Arbeit des Gemeinderats. Auf die Konflikte in dem Gremium ging er nicht näher ein. Müller ließ wichtige Entscheidungen noch einmal Revue passieren und stellte die zentralen Themen vor – von der geplanten Einführung von Tempo-30-Zonen bis hin zur Verabschiedung einer Satzung zur Eindämmung von Zweitwohnungen.
Standorte für Kindergarten
Auf das Streitthema Kindergarten-Neubau ging der Ortschef nur kurz ein. Alle in Frage kommenden Standorte müssten nun genau geprüft werden, kündigte er an. Neben einer Fläche am Bergfeldweg neben der Schule – diese Variante hatte der Gemeinderat erst beschlossen, dann aber wieder verworfen – nannte er den Kurpark und das Gelände des ehemaligen Verstärkeramtes. Die neue Einbahnregelung am Bergfeldweg verteidigte er: „Die Schulwegsicherheit hat sich deutlich verbessert.“
Für den Fragenteil hatte Dieter Bury eine lange Liste an die Verwaltung geschickt, die Müller zügig abarbeitete. Im Mittelpunkt standen der aktuelle Stand verschiedener Orts- und Bauprojekte. So erklärte Müller unter anderem, dass er sich für das Verstärkeramt-Areal gut ein Einheimischenmodell vorstellen kann, im „Kavun“-Gebäude im Ortszentrum Wohnungen entstehen sollen und beim ehemaligen Verdi-Gelände derzeit Stillstand herrscht.