Widerstand gegen schwimmenden Offshore-Windpark vor der italienischen Küste in der Region Toskana wird lauter. Eklat am Urlaubs-Hotspot
Florenz – Das Panorama der Toskana, die Küste mit malerischen Stränden und die historischen Gebäude sorgen für idyllische Augenblicke wärhend des Italien-Urlaubs. Da wären natürlich ein Windräder inmitten der Landschaft ein Schandfleck, oder? Allerdings gibt es deshalb unter anderem auch Offshore-Windparks. Und die Planungen im Tyrrhenischen Meer sorgen für massiven Widerstand. Sogar von Umweltorganisationen.
Vor Elba, zwischen Gorgona und Capraia: Windpark vor den Augen der Touristen
Zwischen den Inseln Gorgona und Capraia nördlich der Insel Elba ist der Aufruhr groß. Elba ist unter Touristen ein beliebtes Ziel, wenn es um Entspannung im Land des Stiefels geht. Die Umweltorganisation Italia Nostra hat in der laufenden Umweltverträglichkeitsprüfung eine ablehnende Stellungnahme abgegeben und fordert die zuständigen toskanischen Behörden auf, das Projekt zurückzuweisen oder grundlegend zu überarbeiten, wie Corriere Fiorientino berichtet. Immerhin gehören die Gebiete noch nicht zur No-List für 2026.
Das umstrittene Vorhaben wird von Atis Floating Wind entwickelt, einem Joint Venture von Eni Plenitude und der irischen Simply Blue Group. Geplant ist ein schwimmender Offshore-Windpark mit 48 Windkraftanlagen zu je 18 Megawatt, was einer Gesamtleistung von 864 Megawatt entspricht. Die Investitionskosten belaufen sich auf 2,98 Milliarden Euro.
Toskana-Archipel vor den Toren von Livorno: Bald Windpark statt Sonnenuntergang für Urlauber?
Die Anlagen sollen mehr als 20 Seemeilen vor der Küste der Hafenstadt Livorno, rund 50 Kilometer vom Festland entfernt, errichtet werden. Italien, im Speziellen die Toskana, gelten als beliebtes Urlaubsziel der Deutschen und steht auf der Risiko-Karte für 2026 noch sehr gut da. Der Landanschluss der Unterseekabel ist in Rosignano in der Provinz Livorno vorgesehen. Das Projekt wurde 2023 eingereicht und befindet sich derzeit in der Phase der Umweltverträglichkeitsprüfung beim italienischen Umweltministerium, schreibt auch Süditrol News .
Italia Nostra kritisiert insbesondere den geplanten Standort zwischen zwei Inseln des Toskanischen Archipels. Das Gebiet liegt in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Toskanischer Archipel und innerhalb des Walschutzgebiets Santuario dei Cetacei. Dieses internationale Meeresschutzgebiet erstreckt sich über 87.000 Quadratkilometer zwischen Sardinien und den Küsten der italienischen Regionen Ligurien und Toskana sowie der südfranzösischen Côte d‘Azur .
„Radikale Überarbeitung des Projekts“: Umweltorganisation gegen Windpark zwischen Urlauber-Hotspots
„Wir fordern die regionalen Behörden auf, die Probleme der Umweltinkompatibilität zu betonen und ein negatives Gutachten abzugeben oder zumindest eine radikale Überarbeitung des Projekts“, erklärte Italia Nostra in ihrer Stellungnahme.
Auch an Land stößt das Projekt auf Bedenken. Der Windpark würde sich zu bestehenden Energieinfrastrukturen wie dem LNG-Terminal im Hafen von Piombino addieren. Laut Italia Nostra hat die Region bereits eine außergewöhnlich hohe Umwelt- und Infrastrukturbelastung zu tragen. Im Projekt fehle eine umfassende Analyse der kumulativen Auswirkungen sowie eine Bewertung der Belastungsgrenze des betroffenen Gebiets. Windparks werden nicht nur in Italien, auch in Deutschland heiß diskutiert. Eifrige Debatten um Offshore-Windenergie gibt es regelmäßig.
Windpark-Offensive in Italien: CEO erklärt Ziel
Die Umweltorganisation fordert daher entweder eine komplette Ablehnung des Projekts oder zumindest eine grundlegende Überarbeitung, etwa durch eine Änderung des Standorts oder der Planung der landseitigen Anlagen.
Das Projekt ist Teil einer größeren Strategie von Eni Plenitude und Simply Blue Group zur Entwicklung schwimmender Offshore-Windparks in Italien. Stefano Goberti, CEO von Plenitude, erklärte: „Mit dieser Partnerschaft erweitert Plenitude sein Portfolio an schwimmenden Windprojekten im Einklang mit unserem Ziel, bis 2030 15 Gigawatt an erneuerbarer Kapazität zu erreichen“. (Quellen: Corriere Fiorentino, Greenreport, Eni Plenitude, Südtirol News) (ank)