Skicrosser Florian Fischer (Gräfelfing) vom SC Starnberg erlebt bei Olympia ein Wechselbad der Gefühle. Am Ende steht aber ein starker zehnter Platz.
Gräfelfing/Starnberg – Als Florian Fischer am Sonntag in seiner Wohnung in Ruhpolding ankommt und sich auf die Couch legt, sind seine Emotionen noch nicht so recht geordnet. „Es ist von allem etwas dabei“, sagt er im Merkur-Gespräch. Erst kurz zuvor ist der Skicrosser aus Gräfelfing von seinen ersten Olympischen Spielen heimgekehrt, bei denen er den – nüchtern betrachtet – starken zehnten Rang belegt hat.
Ski Cross bei Olympia: Feier mit Maier und Ärger über Regez
Da sei etwa die große Freude mit Teamkollegin Daniela Maier über deren Olympiasieg am Freitag. Dann aber auch der Ärger über den Schweizer Ryan Regez, der im Halbfinale der Männer „unvergleichlich unfair“ gegen Tim Hronek vorgegangen sei und diesen damit um die Finalteilnahme und eine große Chance auf eine weitere deutsche Medaille gebracht habe.
Ein wenig Enttäuschung über den eigenen Fehler und das damit verbundene Viertelfinal-Aus schwingt auch mit, aber auf der anderen Seite auch ein gewisser Stolz auf den „vernünftigen Wettkampf“ (Fischer) und den mehr als respektablen zehnten Platz bei Olympischen Spielen. Und erschöpft sei er ohnehin nach dem extrem kräftezehrenden Wettkampftag mit Qualifikation und Rennen bei ziemlich anstrengenden Bedingungen mit Schneefall am Samstag, betont der 25-Jährige.
Florian Fischer bei Olympia: Wende in der Ski-Cross-Quali
Doch der Reihe nach. Wie berichtet, war Florian Fischer mit dem ehrgeizigen Ziel nach Livigno gereist, eine olympische Medaille zu holen. Diese Herangehensweise entspricht seinem Naturell als ambitionierter Profisportler. Ein Podestplatz wäre freilich eine große Überraschung gewesen, schließlich stehen für den Würmtaler, der für den Ski-Club Starnberg fährt, als Karriere-Bestwerte in Weltcup-Rennen ein vierter und ein achter Platz zu Buche. Zudem hatte er nach dem Training ein eher mittelmäßiges Gefühl für die Strecke.
In der Qualifikation am Samstagvormittag, in der diesmal keiner ausschied, sondern es nur um die Zusammensetzung der K.o.-Läufe ging, wendete sich das Blatt ein wenig. „Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, ich habe den Kurs im Griff“, erzählt Fischer. Er belegte Rang 14 – und konnte überdies die zweitbeste Startzeit vorweisen.
Ski Cross bei Olympia: Schnee verschlechtert Bedingungen in Livigno ungemein
Zum Rennen zwei Stunden später dann aber die nächste Wendung: Es begann zu schneien, was die Strecke deutlich langsamer machte. „Nach dem Start im Achtelfinale dachte ich, ich schaffe das erste Element gar nicht, ich habe gar nicht genug Geschwindigkeit“, so Fischer. Er schaffte es, und weil sich die Kontrahenten natürlich mit den gleichen Problemen herumschlagen mussten, war der Gräfelfinger vom Start weg Zweiter – und gab diesen Platz bis ins Ziel nicht mehr aus der Hand. Das reichte, um ins Viertelfinale der Top 16 einzuziehen.
„Von Runde zu Runde wurde es mit dem Schnee schlimmer“, sagt Fischer. Trotzdem wieder: Rang zwei nach dem Start hinter dem Schweizer Regez, wie im Achtelfinale. Erneut konnte der 25-Jährige die Position lange verteidigen, ehe ihm ein kleiner Fehler unterlief: Vor einer der letzten Linkskurven ließ er die Tür einen Spalt offen, Routinier Alex Fiva (Schweiz), der spätere Bronzemedaillengewinner, nutzte die Chance und schlüpfte durch. „Da lässt er sich nicht zweimal bitten“, gibt Fischer zu.
Ski Cross: Bemerkenswerter Olympia-Auftritt von Florian Fischer
Also: Rang drei, Aus im Viertelfinale – und trotzdem ein bemerkenswerter Olympia-Auftritt. „Das Ergebnis ist in Ordnung, und ein zehnter Platz bei den Spielen liest sich schon ganz gut“, muss der Würmtaler zugeben.
Ein zehnter Platz bei den Olympischen Spielen liest sich schon ganz gut.
Zwar habe das Verpassen einer Medaille im ambitionierten deutschen Team – insbesondere nach dem unsportlichen Vorgehen von Regez – die Stimmung am Samstag ein wenig gedrückt, so Fischer. Gefeiert wurde am Abschlussabend aber dennoch. Zumal Olympiasieger Simone Deromedis aus Italien „groß eingeladen“ (Fischer) hatte.
Ski Cross: Fischer & Co. von Olympia direkt zurück in den Weltcup
Nun müssen die deutschen Skicrosser schnellstmöglich die Müdigkeit aus ihren Muskeln schütteln nach dem anstrengenden Wettkampf, der kurzen Nacht und der Heimfahrt. Denn bereits am Montagmorgen hebt der Flieger nach Serbien ab, wo ab Mittwoch der nächste Weltcup in Kopaonik wartet. Olympia muss also schnell wieder aus den Köpfen raus.
mg