ZDF-Krise nach Fake-Videos: Kubicki spricht von „Skandal“ und fordert Rundfunk-Neustart

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Ein ZDF-Beitrag sorgt für heftige Kritik. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki verlangt politische Schritte und stellt das Beitragssystem infrage.

Mainz – Das ZDF steht nach der Ausstrahlung eines Beitrags mit nicht gekennzeichneten KI-generierten Bildern schwer in der Kritik. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sprach in der Bild von einem „ZDF-Skandal“ und forderte politische Konsequenzen: „Ein Milliarden-Beitragssystem, das zu einem Rundfunk führt, in dem manipulative bzw. manipulierte Berichterstattung offenbar schon so verbreitet ist, dass es nicht einmal bei den Verantwortlichen ein Störgefühl auslöst, können wir uns im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten.“ Er forderte die Bundesländer auf, die Rundfunkverträge zu kündigen und über eine Neuausgestaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu verhandeln.

Dunja Hayali warnt vor Fake-Videos – zeigt dann selbst welche im „heute journal“. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki reagiert heftig. © Hannes P Albert/Christian Charisius/dpa/Montage

Auch Nathanael Liminski, nordrhein-westfälischer Medienminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, bezeichnete den Vorfall als „No-Go“. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe den Auftrag, „durch verlässliche und ausgewogene Informationen zur Meinungsbildung beizutragen“, sagte er dem Stern. Die Machart dieses Beitrags torpediere dieses Ziel. Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, werde auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen.

ZDF-Beitrag zum Vorgehen der ICE-Behörde enthält KI-generiertes Video ohne Hinweis darauf

Was war geschehen? Am Sonntag (15. Februar) strahlte der Sender im „heute journal“ einen Beitrag über Abschiebungen von Minderjährigen durch die US-Behörde ICE aus. In diesem Beitrag wurden KI-generierte Bilder verwendet – ohne dass diese als solche gekennzeichnet waren. Der Fehler lag aber nicht alleine in der fehlenden Kennzeichnung der KI-Bilder, sondern auch darin, dass die gezeigten Szenen nicht dem entsprachen, was der Sprechertext suggerierte. Dies führte zu einer Verzerrung der dargestellten Realität und einer potenziellen Irreführung des Publikums.

Zwei Videosequenzen waren problematisch: Die erste zeigte eine Frau, die von Männern abgeführt wird, während zwei Kinder verzweifelt weinen – begleitet vom Sprechertext: „Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab.“ Das Problem: Dieses Video war vollständig mit dem KI-Tool „Sora“ von OpenAI generiert worden. Das Logo und der Nutzername waren auf dem Clip sogar sichtbar, wurden aber vom ZDF nicht entsprechend ausgewiesen.

Die zweite beanstandete Aufnahme zeigte, wie ein Junge von einem uniformierten Mann abgeführt wird. Im Beitrag wurde dazu der Text „ICE agents are detaining children at Schools“ („ICE-Agenten verhaften Kinder in Schulen“) eingeblendet. Diese Aufnahme war zwar real, stand aber in keinem Zusammenhang mit den aktuellen ICE-Einsätzen: Sie wurde 2022 in Florida aufgenommen und zeigt die Festnahme eines Zehnjährigen nach einer Amokdrohung an einer Schule.

Besonders pikant: In der Anmoderation hatte Moderatorin Dunja Hayali explizit davor gewarnt, dass von den ICE-Einsätzen sehr viele Fake-Videos im Umlauf seien. „Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump gibt. Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele.“ Die im Anschluss gezeigten Videos waren jedoch selbst nicht echt oder falsch kontextualisiert.

ZDF entschuldigt sich für Beitrag über US-Einwanderungsbehörde ICE

Das ZDF reagierte zunächst nur halbherzig. Anfangs hatte der Sender von einem technischen Versehen gesprochen und die Ausgabe des „heute journals“ zunächst aus der Mediathek gelöscht. In einer zwischenzeitlich abrufbaren korrigierten Fassung wurden die falschen Videosequenzen durch Standbilder ersetzt.

Die Kritik an dem Beitrag riss aber nicht ab. Am Dienstagabend entfernte das ZDF dann den Originalbeitrag von allen Plattformen und veröffentlichte eine überarbeitete Fassung in der Mediathek – versehen mit dem Hinweis: „Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert.“ In der neuen Version wurden die beiden beanstandeten Sequenzen durch anderes Bildmaterial ersetzt und der Sprechertext angepasst.

Zugleich veröffentlichte das ZDF auch einen Beitrag „In eigener Sache“. Der Sender betonte, dass der ursprüngliche Beitrag in dieser Form nie hätte veröffentlicht werden dürfen. „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen“, erklärte die stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek. (Quellen: ZDF, Bild, Stern, ntv, Zeit) (cs)

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