Brutto-Rente von 2000 Euro reicht nicht – Rechnung zeigt, wie viel Sie wirklich benötigen

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Mieten steigen, Preise explodieren. Selbst das ominöse Ziel von 2.000 Euro Bruttorente schafft keinen sorglosen Ruhestand wie eine Rechnung zeigt.

Frankfurt – Das Leben in Deutschland wird immer teurer. Mieten, Energiekosten, Lebensmittel, Sozialabgaben – die Preise steigen in nahezu allen Bereichen des Alltags. Die Jahresdurchschnitts-Inflation lag 2025 bei 2,2 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Bei Wohnnebenkosten betrug der Anstieg seit 2022 sogar rund 13 Prozent. Gleichzeitig kletterten die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung auf neue Höchststände.

Euro-Münzen liegen auf einem Dokument mit Abrechnung auf einem Holztisch.
Die meisten Deutschen erhalten deutlich weniger als 2.000 Euro Brutto-Rente. © Marco Bader/IMAGO

Für Rentnerinnen und Rentner wiegt das besonders schwer. Anders als Berufstätige können sie ihr Einkommen nicht einfach aufbessern – zumindest nicht ohne Aktivrente. Viele Arbeitnehmende peilen deshalb 2.000 Euro Bruttorente als Zielmarke für einen sorglosen Ruhestand an. Doch wer nachrechnet, merkt schnell: Diese Summe reicht bei Weitem nicht so weit, wie viele glauben.

80 Prozent des letzten Nettogehalts als Rente? 2.000 Euro-Rentenziel reicht nicht

Von der Bruttorente gehen Krankenversicherung (7,3 Prozent plus kassenindividueller Zusatzbeitrag von durchschnittlich 2,5 Prozent) und Pflegeversicherung (3,6 Prozent, für Kinderlose 4,2 Prozent) ab. Dazu kommt die Einkommensteuer: Wer 2026 in Rente geht, muss 84 Prozent seiner Bruttorente versteuern. Der Grundfreibetrag liegt bei 12.348 Euro im Jahr. Ergebnis: Bei 2.000 Euro Bruttorente bleiben nach allen Abzügen nur etwa 1.600 bis 1.750 Euro netto übrig.

Laut einer Faustregel der Stiftung Warentest brauchen Rentner rund 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens, um ihren Lebensstandard zu halten. Wer zuletzt 2.500 Euro netto verdient hat, bräuchte demnach 2.000 Euro netto. Je nach Krankenkasse und Familiensituation landet man da bei einer notwendigen Bruttorente von ungefähr 2.350 bis 2.400 Euro.

Die Realität sieht anders aus: Selbst der statistische Standardrentner bzw. die Standardrentnerin mit 45 Beitragsjahren bei Durchschnittsverdienst (also 45 Rentenpunkten) kam nach Angaben des Vermögenszentrums ab Juli 2025 auf lediglich 1.835,55 Euro brutto. Die meisten müssen mit deutlich weniger auskommen. Selbst diejenigen, die das vermeintliche Ziel von 2.000 Euro Bruttorente erreichen, können davon bei den heutigen Stadtmieten und Preisen kaum über die Runden kommen.

Kosten machen Brutto-Ziel zum Netto-Ziel: 2.500 Euro Rente für den Großteil unerreichbar

Bei einer heutigen Warmmiete von 800 Euro benötige man laut Modellrechnungen des Focus bereits eine Netto-Rente von 2.500 Euro bzw. eine Brutto-Rente von 3.000 Euro, um genug Puffer für Lebensmittel, Energie und Versicherungen zu haben. Das entspreche beim aktuellen Entgeltwert von 40,79 stolzen 74 Rentenpunkten und einem monatlichen Gehalt von 7.000 Euro brutto über 45 Jahre hinweg.

Die gute Nachricht ist, dass es mehrere Wege gibt, die eigene Ausgangslage zu verbessern – vorausgesetzt, man fängt rechtzeitig damit an:

  • Freiwillige Beiträge einzahlen: Selbstständige, Hausfrauen und -männer oder Menschen mit Lücken im Lebenslauf können freiwillig in die gesetzliche Rente einzahlen. Der monatliche Beitrag liegt 2026 zwischen 112,16 Euro (Mindestbeitrag) und 1.571,70 Euro (Höchstbeitrag). Vorteil: Die Beiträge sind steuerlich absetzbar und erhöhen die Rente dauerhaft.
  • Rentenpunkte kaufen: Diese Möglichkeit besteht für alle ab 50. Ein Rentenpunkt kostet laut finanztip.de rund 9.662 Euro. Auch hier greifen Steuersparmöglichkeiten.
  • Das neue Altersvorsorgedepot nutzen: Ab 2026 gibt es eine neue staatlich geförderte Möglichkeit, privat vorzusorgen. Über ein Altersvorsorgedepot kann man in ETFs, Fonds oder Anleihen investieren. Der Staat zahlt 30 Cent Zulage für jeden selbsteingezahlten Euro bis 1.200 Euro.
  • Auf eigene Faust vorsorgen: Wer unabhängig von staatlichen Produkten bleiben will, kann mit einem ETF-Sparplan langfristig Vermögen aufbauen. Je früher man anfängt, desto stärker arbeitet der Zinseszinseffekt.
  • Beitragszeiten anrechnen lassen: Die Deutsche Rentenversicherung erkennt eine ganze Reihe von Lebensphasen als Beitrags- oder Anrechnungszeiten an – auch wenn in dieser Zeit keine Beiträge gezahlt wurden. Dazu gehören unter anderem Schul- und Studienzeiten, Kindererziehung oder Pflegezeiten.

Für alle, die auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze ihr Einkommen aufbessern möchten, gibt es seit Januar 2026 die Aktivrente. Wer freiwillig weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Die reguläre Rente wird dadurch nicht gekürzt. (Quellen: Statistisches Bundesamt, Stiftung Warentest, Vermögenszentrum, Focus, finanztip.de, Bundesregierung, Deutsche Rentenversicherung) (jaka)

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