„Gewalt um 18 Prozent senken“: CDU-Verkehrsminister fordert Änderung bei Ticket-Kontrollen

  1. Startseite
  2. Politik

Kommentare

Ein Zugbegleiter starb, nachdem ein Schwarzfahrer ihn nach einer Ticketkontrolle tödlich verletzt hatte. Die Bahn reagiert. Verkehrsminister Schnieder macht weitere Vorschläge.

Berlin – Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz Anfang Februar hat eine Debatte über Ausweiskontrollen in Zügen ausgelöst. „Wir haben festgestellt, dass die Identitätskontrollen Auslöser für erhebliche Grundaggressivität sind“, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU).

Nach einem tödlichen Angriff auf einen Fahrkartenkontrolleur fordert Merz-Minister Schnieder Änderungen bei Kontrollen. © Martin Schutt/dpa

Um Kontrolleuren weniger Risiken auszusetzen, schlägt der Minister im Kabinett Merz weniger Ausweiskontrollen in Zügen der Deutschen Bahn vor. Denkbar wären Stichprobenkontrollen, ähnlich wie in U- und S-Bahnen, sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt.

Merz-Minister will Änderungen bei Kontrollen in der Bahn – auch Vorschlag zu Deutschlandticket

Bisher werden Bahnfahrer oft aufgefordert, nicht nur ihr Deutschlandticket oder ihre Bahncard, sondern auch den Personalausweis bei einer Fahrkartenkontrolle vorzuzeigen. „Man könnte die Gewalt um etwa 18 Prozent senken, wenn man auf solche Kontrollen verzichtet“, sagte Schnieder.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) schlug am Sonntag (15. Februar) in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ ein einheitliches Deutschlandticket mit Foto vor. „Wir haben ganz viele Deutschlandtickets, die unterschiedlich aussehen“, begründete er seinen Vorstoß. Die aktuelle Vielfalt zwinge Zugbegleiter häufig dazu, Ausweise zu verlangen, was zu „eskalierenden Momenten“ führen könne.

Unterstützung erhält dieser Vorschlag vom Chef der Polizeigewerkschaft GdP, Andreas Roßkopf. Er bestätigte gegenüber der Rheinischen Post die Problematik und betonte, dass „immer wieder die Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei zu diesem Personenabgleich hinzugezogen werden“. Die Personalisierung insbesondere von Abo-Fahrkarten sei daher „sinnvoll“.

Bahn beschließt nach tödlichem Angriff auf Kontrolleur mehrere Änderungen

Die Deutsche Bahn unter ihrer Chefin Evelyn Palla hat bereits Konsequenzen gezogen. Folgende Änderungen soll es geben, um die Arbeit von Kontrolleuren und anderen Bahnmitarbeitern sicherer zu machen:

  • Ab dem 1. März entfällt in Regionalbahnen die verpflichtende Ausweiskontrolle bei Ticketprüfungen. Künftig liegt es im Ermessen der prüfenden Mitarbeiter, ob sie einen Ausweis verlangen.
  • Alle Bahn-Beschäftigten mit Kundenkontakt im Regional- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen werden mit Bodycams ausgestattet.
  • Zusätzlich zu den bestehenden rund 4000 Bahn-Sicherheitskräften sollen 200 weitere Mitarbeiter eingestellt werden.
  • Für alle Mitarbeitenden im Kundenbetrieb plant die Bahn die Einführung eines Notfallknopfs.

Merz-Minister fordert Tonaufnahmen durch Bodycams – Datenschützer warnen

Bundesverkehrsminister Schnieder regte außerdem an, die Videoüberwachung im Bahnbereich auszuweiten und Bodycams anzuschaffen, die auch Ton aufnehmen können. Aus Datenschutzgründen ist das bisher nicht möglich.

Datenschützer warnen auch in der aktuellen Debatte vor einer Totalüberwachung im öffentlichen Raum durch die flächendeckende Ausstattung von Bahnmitarbeitern mit Bodycams. Die Nutzung der Körperkameras stelle einen intensiven Eingriff in die Privatsphäre der Reisenden dar, sagte der hessische Datenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Zugbegleiter stirbt nach Attacke durch Schwarzfahrer – Bahnpersonal soll besser geschützt werden

Auslöser der aktuellen Sicherheitsdebatte war der Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters, der Anfang Februar von einem Schwarzfahrer in Rheinland-Pfalz lebensbedrohlich verletzt wurde und später im Krankenhaus verstarb. Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über besseren Schutz für Bahnpersonal angefeuert.

Wie die Deutsche Bahn auf Anfrage der Zeit mitteilte, hat es in Deutschland im Jahr 2025 rund 3.000 Fälle von Gewalt gegenüber Bahn-Beschäftigten gegeben. Tätliche Angriffe ereigneten sich demnach bei Fahrkartenkontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie am Rande von Großveranstaltungen wie Fußballspielen und Volksfesten. (Quellen: dpa, Handelsblatt, Die Zeit, Redaktionsnetzwerk Deutschland) (smu)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/merz-minister-fordert-wesentliche-aenderung-bei-ticketkontrollen-zr-94172070.html