Rente mit 70 in Deutschland: Die von der Merz-Regierung eingesetzte Rentenkommission will darüber offenbar beraten. Drei Vorschläge stünden zur Debatte.
Berlin – „Keine Denkverbote, keine Tabus“ – das hatten die Parteichefs der aktuellen Bundesregierung für eine Rentenreform in Deutschland angekündigt. Den Grundstein für die Reform wollen Friedrich Merz (CDU), Markus Söder (CSU) und Lars Klingbeil (SPD) mit einer 13-köpfigen Rentenkommission legen, die aktuell daran arbeitet, der Merz-Regierung Reformvorschläge zu unterbreiten. Laut einem Medienbericht berät die Kommission auch über die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre. Damit wird die Debatte über eine Rente mit 70 in Deutschland konkret.
Laut einem Bericht der Bild, die sich auf Kommissionskreise beruft, wollen die Fachleute bei einem Treffen kommende Woche darüber beraten, wie eine Anhebung des Renteneintrittsalters aussehen könnte. Bereits im Frühjahr, also in wenigen Wochen, sollen die Vorschläge an die Merz-Regierung vorliegen. Um drei Punkte soll es bei den Beratungen um eine Rente mit 70 gehen.
- Anreize für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, auch in höherem Alter weiterzuarbeiten.
- Abschläge bei der Rente es bei einem früheren Renteneintritt.
- finanzielle Belohnung für einen späteren Renteneintritt, die – laut dem Bild-Bericht – „sehr großzügig“ ausfallen könnte.
Rente mit 70: Kommission will in wenigen Wochen Vorschläge an Merz-Regierung machen
Das Treffen zur Rente mit 70 soll am 23. Februar stattfinden. Auch ein anderer Punkt bei der Rente soll dann diskutiert werden, der in der politischen Debatte für Kontroversen sorgt: die Einbeziehung von Beamten und Politikern in die gesetzliche Rentenversicherung. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte dies schon früh nach Amtsantritt gefordert, dafür aber viel Gegenwind aus der Union bekommen.
Die Experten der Kommission wollen außerdem dem Vernehmen nach die private und betriebliche Altersvorsorge stärker durch Aktien unterstützen. Die von der Regierung eingesetzte Kommission ist folgendermaßen zusammengesetzt:
| Vorsitzende der Rentenkommisssion | Frank-Jügen Weise, Constanze Janda |
|---|---|
| Vertreter aus dem Bundestag | Anika Klose (SPD), Pascal Reddig (CDU), Florian Dorn (CSU) |
| Wissenschaftler | Peter Bolfinger, Teabea Bucher-Koenen, Georg Cremer, Camille Logeay, Monika Queisser, Jörg Rocholl, Silke Übelmesser, Martin Werding |
Weitergehende Forderungen an eine Rentenreform kommen aus der Jungen Union. Diese hatte sich bereits in den vergangenen Monaten lautstark in die Rentendebatte eingeschaltet und massive Kritik an der schwarz-roten Koalition geübt, dass deren Pläne zulasten der jungen Generation gehen.
Junge Union fordert Merz-Koalition zu Einsparungen bei der Rente auf – Rente mit 63 abschaffen
JU-Vorsitzender Johannes Winkel forderte jetzt in der Bild, die Rentenausgaben des Staates um 50 Milliarden Euro zu senken. Rentenerhöhungen sollten sich künftig an den Preisen statt an den Löhnen orientieren, sagte er – dies würde einen moderateren Rentenanstieg bedeuten. Die Rente mit 63 solle abgeschafft werden.
Der Chef der Jungen Union warf insbesondere der SPD vor, die Augen zu verschließen vor dem demografischen Wandel. „Gerade die SPD macht Politik, als gäbe es ihn überhaupt nicht. Das ist fern jeder Realität“, sagte Winkel.
Auch-Grünen-Chef Banaszak sieht späteres Renteneintrittsalter für geboten an
Kompromissbereit bezüglich einer Rente ab 70 scheinen die Grünen zu sein. Deren Vorsitzender Felix Banaszak sagte zum Spiegel, auch er sei der Meinung, dass die reale Lebensarbeitszeit steigen müsse. „Die Lebenserwartung wird absehbar weiter steigen. Ist es dann nicht denkbar, einen Teil der gewonnenen Lebenszeit im Erwerbsleben zu verbringen? Darüber sollten wir nachdenken“, wird er zitiert. Frühverrentungen seien einzuschränken, so der Grünen-Chef. Im Gegenzug müsse es aber auch mehr Gesundheitsschutz und Reha-Maßnahmen geben.
Die steigende Lebenserwartung und die alternde Bevölkerung setzen das deutsche Rentensystem zunehmend unter Druck. Aktuell steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre bis 2031 an. Zuletzt hatte auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gefordert, die Deutschen müssten länger arbeiten, um die Rentenkasse zu entlasten. Auch von Unionsfraktionschef Jens Spahn kamen entsprechende Töne.
Rente mit 70: Kritiker sehen bestimmte Berufsgruppen im Nachteil
Kritik kam von der SPD: Ein höheres Rentenalter bedeute nichts anderes als eine Rentenkürzung, sagte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf. Kritiker argumentieren auch, dass eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters die unterschiedlichen Belastungen in verschiedenen Berufsgruppen nicht berücksichtigt.
Andere Länder haben bereits Schritte unternommen, um ihre Rentensysteme an den demografischen Wandel anzupassen. Dänemark hat im Mai 2025 als erstes europäisches Land die Rente ab 70 beschlossen. Das Renteneintrittsalter wird dort bis zum Jahr 2040 schrittweise angehoben. (Bild, Spiegel, dpa) (smu)