Stefan Jocher ist der einzige Kandidat für das Bürgermeisteramt in Schlehdorf. Große Projekte wie die Mehrzweckhalle und ein Dorfplatz stehen auf seiner Agenda.
Schlehdorf – Seit 24 Jahren ist Stefan Jocher Bürgermeister von Schlehdorf. Bei der Kommunalwahl am 8. März wird der 56-jährige Verwaltungsfachwirt, der hauptberuflich als Kämmerer in der Verwaltungsgemeinschaft Iffeldorf-Seeshaupt arbeitet, erneut für die Wählergruppe Loisach (WGL) kandidieren. Seine Chancen stehen gut – Jocher ist der einzige Bewerber in Schlehdorf.
Viele Projekte stehen an
Herr Jocher, warum streben Sie eine weitere Amtszeit an?
56 ist kein Alter, in dem man aufhören muss oder sollte. Und aus unserer Gruppierung hat sich auch niemand anderes gefunden.
Sie machen es nur, weil sich niemand anderes gefunden hat? Ihre Motivation ist also gar nicht so groß?
Die Motivation ist ganz groß. Es gibt viele wichtige Projekte, die anstehen. Wir wollen die Mehrzweckhalle bauen. Und durch den Kauf vom Klosteranger hat sich die Möglichkeit ergeben, hier einen Dorfplatz zu errichten, je nachdem wie das finanziell möglich ist.
Was gibt es darüber hinaus noch für Projekte, die Sie in einer nächsten Amtszeit gerne realisieren würden?
Da wäre der Umbau und die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses. Und dann wird sicherlich auch noch die Ersatzbeschaffung des Löschfahrzeugs für die Feuerwehr anstehen.
Wie sieht es mit der Ausweisung neuer Baugebiete aus?
Das weiß ich nicht. Für Unterau-Ost ist jetzt eine Normenkontrollklage eingegangen. Das wird sich noch verzögern. Grundsätzlich ist das Thema Baugebietsausweisung vom Gemeinderat bisher sehr zurückhaltend behandelt worden. Sie wollten nicht, dass Schlehdorf übermäßig wächst.
Wie stehen Sie dazu?
Ich wäre demgegenüber schon aufgeschlossen. Nicht in zu großem Maße, aber dass man schon was anbieten kann.
Wo könnten Sie sich solche neuen Bauflächen vorstellen?
Etwa westlich der Unterauer Straße in Richtung der Staatsstraße gäbe es Möglichkeiten.
Wie sieht es im Bereich Hochwasserschutz aus? Steht da etwas an?
Bei der Kohllaine warten wir auf den Ausbauplan des Wasserwirtschaftsamtes, damit Gespräche mit den Grundstückseigentümern geführt werden können, um einen Ausbau zu ermöglichen. Ansonsten passt alles einigermaßen.
Sind die Lenkung des Ausflugsverkehrs und in dem Zusammenhang die Parksituation Themen der Zukunft?
Das wird sicherlich noch ein Thema werden. Die Parkregelung, die wir im Ortskern gefasst haben, ist bei der einheimischen Bevölkerung nicht so gut angekommen wie erhofft. Da werden wir sicherlich noch mal nachjustieren müssen. Und auch schauen, wo wir einen kleineren Parkplatz unterbringen können. Das wird sicherlich eine Aufgabe des neuen Gemeinderats.
Wie steht es um eine Erweiterung des Gewerbegebiets in Richtung Großweil? Nach wie vor kein Thema?
Die Möglichkeit dazu ist ja im Flächennutzungsplan schon drin. Aber das sind ja alles private Grundstücke. Für Landwirte ist das häufig ein steuerliches Problem. Wenn sie in die Landwirtschaft nichts reinvestieren können, wird bei einem Verkauf der Höchststeuersatz fällig. Das wollen logischerweise die meisten nicht. Deshalb bin ich da eher skeptisch.
Mehr Bürokratie-Aufwand
Wären denn Anfragen da?
Anfragen wären genug da.
24 Jahre sind Sie schon Bürgermeister. Wie hat sich Ihre Arbeit in dieser Zeit verändert? Und was sind die Herausforderungen, die in der nächsten Amtsperiode auf Sie zukommen?
Ich habe das Gefühl, dass sich die Bürokratie deutlich erhöht hat. Projekte kann man dadurch nicht mehr so durchziehen. Und andere Kollegen beklagen, dass die Bürger der Gemeinde gegenüber immer anspruchsvoller werden. Aber das habe ich jetzt in dem Umfang nicht so feststellen können.
Viele Gemeinden kommen finanziell immer mehr in Nöte. Wie steht es aktuell um die finanzielle Lage der Gemeinde? Und welche Tendenz zeichnet sich ab ?
Auch in Schlehdorf wird die Luft bei den Finanzen immer dünner. Wir haben aber durch sparsame Haushaltsführung in den vergangenen Jahren aktuell noch einen Rücklagenstand von rund 1,2 Millionen Euro. Demgegenüber stehen Schulden für den sozialen Wohnungsbau an der Karpfseestraße und die Generalsanierung der Grundschule in Höhe von gesamt etwa 700 000 Euro bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,44 Prozent. Der Schuldendienst ist also durchaus verträglich.
Die Finanzlage der Gemeinde wird sich im Jahr 2026 deutlich besser darstellen als in den vergangenen beiden Jahren, da wir deutlich mehr Schlüsselzuweisungen erhalten und wegen der geringeren Umlagekraft auch die Kreisumlage sinkt. Dadurch rechne ich gegenüber dem Vorjahr mit einer Verbesserung von rund 500 000 Euro. Bei der Gewerbesteuer zeichnet sich ein stabil bleibender Betrag von etwa 300 000 Euro ab. Das ist für unsere Verhältnisse ein gutes Ergebnis. Wenn das in den nächsten Jahren auch so bleibt, mache ich mir keine Sorgen.
Gebührenerhöhungen möglich
Auf was müssen sich Ihre Bürger in der kommenden Amtszeit einstellen?
Sollte die finanzielle Lage wie dargestellt stabil bleiben, gehe ich nicht davon aus, dass es Einschränkungen für die Bürger geben wird. Steuererhöhungen schließe ich aus; Gebührenerhöhungen nicht, da etwa Wasser- und Abwasserentsorgung kostendeckend betrieben werden müssen. Hier hängt es in erster Linie von der Entwicklung der Energiekosten ab. Bei den Kindergartengebühren rechne ich auf absehbare Zeit nicht mit Erhöhungen, da der Freistaat Bayern die Förderung erhöht.
Gibt es Projekte, die Sie sich im Laufe der vergangenen 24 Jahre vorgenommen hatten und die Sie nicht umsetzen konnten?
Ich hatte ganz am Anfang das Gewerbegebiet in Unterau geplant. Das ist aber dann am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Ansonsten fällt mir nichts ein, was ich mir vorgenommen habe, und das gescheitert wäre.
Wie haben Sie sich in all den Jahren verändert?
Ich glaube, dass ich heute vieles gelassener sehen, als in den ersten zwei Amtsperioden. Das ist durchaus ein gewisser Vorteil. Und Erfahrung habe ich natürlich dazugewonnen. Und durch meinen Hauptberuf tue ich mich recht leicht, das Amt auszuüben.
Aber es ist schon eine massive Doppelbelastung. Fühlen Sie sich der nochmal gewachsen?
Absolut.