Bundeswehrsoldat will Bürgermeister werden: „Hier sind meine Wurzeln"

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Bastian Gassl tritt für die CSU als Bürgermeisterkandidat an. Auf den Kalvarienberg führt ihn auch immer wieder die Runde mit seiner Hündin Mika. © Arndt Pröhl

Der Bundeswehrsoldat Bastian Gassl kandidiert in Lenggries für die CSU. Er will nach seinem Aufenthalt in Berlin zurückkehren und seine Heimat gestalten.

Lenggries – Auf dem Lenggrieser Kalvarienberg war Bastian Gassl schon immer gerne. Daher wählt ihn der CSU-Bürgermeisterkandidat auch als Platz für das Interview. „Als Kind habe ich drüben bei der Burgruine Ritter gespielt. Und der Kalvarienberg ist für mich irgendwie ein hoheitlicher Ort“, sagt der 39-Jährige. „Ich geh‘ immer noch gerne hier rauf – auch weil nicht so viel los ist.“ An der Seite des Berufssoldaten und Fachkrankenpflegers für Notfallpflege ist fast immer seine Hündin Mika. Auch heute begleitet sie ihn auf den Kalvarienberg.

Glaube ist dem 39-Jährigen wichtig

Glaube, sagt Gassl, sei ihm nicht immer wichtig gewesen. Heute ist das anders. Dazu trugen auch die Auslandseinsätze bei der Bundeswehr bei – unter anderem in Afghanistan. „Gerade wenn man mit dem Tod von jungen Menschen zu tun hat, mit denen man vielleicht kurz zuvor noch ein Bier getrunken hat, stellt man sich schon öfter die Sinnfrage. Man fragt sich nach dem Warum.“

Der Wunsch nach einem uniformierten Beruf entstand während der Schulzeit. Ausschlaggebend war ein Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau. „Dort gab es ein Foto von einer Holocaust-Überlebenden mit ihrer Enkelin. Darunter stand, dass die Enkelin immer noch Angst vor deutschen Männern in Uniform hat“, erinnert sich Gassl. „Diese Aussage hat sich bei mir eingebrannt, genauso wie der Wunsch, dass deutsche Juden keine Angst mehr haben sollen.“ Entschieden eintreten gegen Antisemitismus, das ist für Gassl eine Grundhaltung. „Das hat nichts mit Schuldkult zu tun“, betont er. „Aber man muss gegen Antisemitismus vorgehen.“

Ziel: Jung und Alt mehr zusammenbringen

Die CSU ist seit 2019 Gassls politische Heimat, auch weil er gut findet, wie die Partei das Thema Verteidigungspolitik besetzt. Eigentlich wollte der passionierte Gewichtheber, der in seiner Freizeit aber auch imkert und Aquarelle malt, nur für den Gemeinderat antreten. Als ihn der Ortsverband fragte, ob er als Bürgermeister kandidieren wolle, „habe ich mir eine kurze Bedenkzeit auserbeten“. Dann sagte er zu. „Politik fasziniert mich“, sagt Gassl, der drei jüngere Geschwister hat. Die Reaktionen seines Umfelds seien „sehr positiv“ gewesen, erinnert er sich. „Meine Oma hat gesagt, dass es sie überhaupt nicht wundert, dass ich das mache“, sagt Gassl und lacht. Seine Oma, das merkt man im Gespräch, liegt ihm sehr am Herzen. „Ich bin sehr froh, dass ich sie noch habe.“

Jung und Alt mehr zusammenzubringen, das ist eines seiner Ziele. Gerade die Jugend brauche mehr Angebote, mehr Gründe, in Lenggries bleiben zu wollen. Natürlich gebe es in Lenggries großartige Vereinsstrukturen, „und die katholische Landjugend begeistert mich“. Aber es gebe eben auch viele Kinder und Jugendliche, die nicht in der Dorfgemeinschaft angekommen seien. Auch sie dürfe man nicht vergessen.

Überhaupt sollten aus Gassls Sicht Jugendliche mehr Mitspracherecht bei Gemeindeentscheidungen haben, die sie betreffen. Am Herzen liegt Gassl auch das Konzept für die Ganztagsbetreuung, die ab Herbst an den Grundschulen angeboten werden muss. Hier sei es ihm wichtig, auch Integrativplätze für Kinder zu schaffen, die einen erhöhten Förderungsbedarf  – logopädisch, ergotherapeutisch oder entwicklungspsychologisch – haben. Für das zusätzliche Fachpersonal, das benötigt wird, gebe es Fördermittel.

Eine positive Entwicklung der Kasernenflächen will Gassl vorantreiben. „Ich bin allerdings skeptisch, was die Nutzung als Wohnungen anbelangt.“ Er habe sein halbes Leben in Kasernen zugebracht. „Die Gebäude sind nicht dafür gebaut, schnell in Zwei-Zimmer-Wohnungen umgebaut zu werden.“ Allerdings, und da kommt Gassl wieder zurück zur Jugend, wäre es vielleicht denkbar, „dass man einen Investor für einen Club in der Kaserne findet“.

Rückkehr in den Isarwinkel

Gassl arbeitet derzeit in der Notaufnahme am Bundeswehrkrankenhaus im Berliner Brennpunkt-Stadtteil Wedding. Wann immer es sein Dienstplan zulässt, kommt er aber nach Hause nach Lenggries. „In Berlin ist nicht alles schlecht. In den acht Jahren habe ich einige Menschen ganz tief in mein Herz geschlossen“, sagt Gassl. Doch dass der Isarwinkel seine Heimat ist, daran lässt der 39-Jährige keinen Zweifel. „Hier sind meine Wurzeln, hier will ich alt werden.“ Und hierher will er zurück – auch dann, wenn es mit dem Bürgermeisteramt nicht klappen sollte, sondern „nur“ mit einem Platz im Gemeinderat. „Ich werde mein Mandat definitiv ausfüllen. Das ist für mich der Punkt, Berlin den Rücken zu kehren und ganz hierher zurückzukommen.“