Die USA sind im erbitterten Zollstreit mit Kanada. Doch unter Republikanern regt sich Widerstand. Die Entwicklungen im Überblick.
Washington, DC – Für US-Präsident Donald Trump dürfte es eine ungewöhnliche Überraschung gewesen sein. Denn zu verlieren ist der MAGA-Republikaner sicher nicht gewohnt – oder kann es nicht besonders. Und doch musste er am Mittwochabend (Ortszeit) eine Niederlage bei seinen Zollplänen gegen Kanada im US-Repräsentantenhaus einstecken. Und das ausgerechnet, weil sechs Personen aus seiner eigenen Partei für ein Ende der Handelsbeschränkungen stimmten, wie etwa Axios berichtete.
Eine direkte Auswirkung hat die damit getroffene Resolution im Repräsentantenhaus nicht. Vielmehr verfügt der Fall über eine starke Symbolkraft, da eine Mehrheit (219 zu 211 Stimmen) nur durch die Abweichler aus der republikanischen Partei möglich war. Die Partei von Trump besitzt in der Kongresskammer eine Mehrheit. Der Gesetzesentwurf muss nun noch den US-Senat passieren, in dem die Republikaner ebenfalls eine Mehrheit besitzen.
Trump will Kanada: Zölle sollen Druck auf US-Nachbarn erhöhen
Selbst wenn die Resolution auch im Senat angenommen werden sollte – was ebenfalls am Rückhalt der Partei für ihren Präsidenten zweifeln lassen würde –, dürfte Trump diese mithilfe seines Veto-Rechtes außer Kraft setzen, schreibt etwa die Nachrichtenagentur AFP.
Hintergrund des Streits sind verschiedene Äußerungen des US-Präsidenten. Die Zölle hatte Trump erhoben, weil er glaubt, Kanada würde die USA bei den Wirtschaftsbeziehungen ausnutzen. „Kanada hat die Vereinigten Staaten im Handel jahrelang ausgenutzt“, schrieb Trump kurz vor der Abstimmung am Mittwochabend. „Sie gehören zu den schwierigsten Handelspartnern weltweit, insbesondere was unsere Nordgrenze betrifft. Zölle sind für uns ein sicherer Gewinn.“ Immer wieder ist seitens des Weißen Hauses von einem Handelsdefizit von 200 Milliarden US-Dollar die Rede.
Laut dem Handelsbeauftragten der USA lag das Defizit im Jahr 2024 allerdings bei rund 62 Milliarden US-Dollar, also deutlich unter dem von Trump angegebenen Wert. Der Präsident sah sich zudem von angeblich überbordenden Zöllen Kanadas auf US-Produkte provoziert. Laut CNN habe es sich bei Kanada allerdings vor dem Handelskrieg um ein Niedrigzolland gehandelt. Erst nach Trumps Zollerlass von 25 Prozent auf kanadische Produkte, erhob auch der Nachbarstaat 25-Prozent-Zölle auf eine lange Liste an US-Produkten.
China verschärft den Handelsstreit zwischen Trump und Kanada
Dabei galten die USA und Kanada lange als eine der größten Handelsbeziehungen der Welt. Laut dem US-Handelsbeauftragten war „Kanada im Jahr 2024 das wichtigste Zielland für US-Exporte und der drittgrößte Lieferant von US-Importen“. Fast die Hälfte aller Waren, die nach Kanada fließen, stammten aus den USA. Doch der einst treue Partner sucht im Handelskrieg mit Trump neue Verbündete. Und dabei könnte das Land ausgerechnet mit einem Erzfeind der Vereinigten Staaten kooperieren.
Wie auch Europa angesichts der restriktiven US-Handelspolitik neue Wege geht, etwa mit dem geplanten Mercosur-Abkommen, hat sich auch Kanada für eine Diversifizierung seiner Wirtschaftsbeziehungen entschieden. Und so schloss der kanadische Premierminister Mark Carney kürzlich einen Deal mit China. Peking soll im Zuge der Vereinbarung ab dem 1. März seine Zölle auf kanadisches Rapssaatgut auf 15 Prozent senken, wie der kanadische Premier auf seiner Webseite mitteilt. Zudem wolle man die „Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, saubere Technologien und Klimaschutz“ verstärken.
Im Gegenzug will Kanada 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge mit einem verbilligten Zollsatz von 6,1 Prozent auf den Markt lassen. „Im Idealfall hat die Beziehung zwischen Kanada und China enorme Chancen für unsere beiden Völker geschaffen“, so Carney
Trump machte seinem Ärger über den Deal zwischen Kanada und China auf Truth Social Luft. „Und jetzt will Premierminister Carney obendrein noch ein Abkommen mit China schließen – das Kanada ruinieren wird“, so Trump. Als Reaktion kündigte der US-Präsident bereits an, Zölle in Höhe von 100 Prozent gegen Kanada erlassen zu wollen, sollte der Deal finalisiert werden. Dann prophezeite er noch, dass China den Kanadiern Eishockey verbieten würde, den Nationalsport des Landes.
51. US-Bundesstaat: Trump provoziert Kanada mit Annexionsfantasien
Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kanada sind im Zuge von Trumps zweiter Amtszeit schwer beschädigt. Doch noch schwerer dürften die ständigen Drohungen aus Washington wiegen, Kanada zum 51. US-Bundesstaat machen zu wollen. Immer wieder lässt sich Trump vor einer entsprechenden Landkarte ablichten, die Kanada bereits in den Farben der US-Flagge zeigt. Eine schnelle Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ist also nicht zu erwarten.
Die Trump-Regierung wird derweil nicht müde, von den angeblichen Erfolgen der Handelspolitik des Präsidenten zu sprechen. Doch Zahlen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigten zuletzt, dass vor allem die Bevölkerung der USA unter den Zöllen zu leiden hat. Denn die Mehrkosten für Importe würden von ausländischen Unternehmen nur zu rund vier Prozent selbst getragen. Die übrigen 96 Prozent müssen Menschen in den USA selbst zahlen. (Quellen: AFP, Handelsbeauftragter der Vereinigten Staaten, Truth Social, Premierminister von Kanada, Kiel Institut für Weltwirtschaft) (nhi)