Der Lenggrieser SPD-Kandidat Tobias Raphelt tritt zum dritten Mal zur Bürgermeisterwahl an. Er will soziale Gerechtigkeit, bezahlbaren Wohnraum und mehr Transparenz für Lenggries erreichen.
Lenggries – Es ist vermutlich die meistbefahrene Kreuzung in Lenggries, die sich SPD-Bürgermeisterkandidat Tobias Raphelt für sein Foto ausgesucht hat. An der Ecke Isar- und Schützenstraße geht es ihm aber nicht um die Verkehrsführung, sondern um das Eckhaus. Denn dort lebten seine Eltern, als Raphelt von 53 Jahren zur Welt kam. Dort hatte sein Großvater – er war Kachelofenbauer – seine Werkstatt und führte einen Gasflaschenhandel. Viele schöne Kindheitserinnerungen verbinde er mit dem Haus, sagt Raphelt – und auch mit der Nachbarschaft. Im Café Strehler holte der Bub Eis, in der heutigen Metzgerei Weber Brotzeit für die Gasflaschen-Fahrer. Am Bahnwärterhäuschen „haben wir oft beobachtet, wie der Bahnwärter die Schranke hoch- oder runtergekurbelt hat“, sagt Raphelt. Nur wenige Jahre verbrachte er in seiner Kindheit in Landshut. Sonst lebte er immer in Lenggries. Mit seiner Frau wohnt Raphelt, der gerne grillt, kocht und liest, mittlerweile in Schlegldorf, genau neben seiner Mutter.
Blick auf alle Ortsteile
Schlegldorf sei der Ortsteil, der oft hinten runterfalle, sagt der IT-Service-Manager. Auch deshalb war es ihm wichtig, sich im Gemeinderat zu engagieren. Noch mehr bewirken könnte man natürlich als Bürgermeister. Für Raphelt ist es die dritte Kandidatur. Im März 2020 trat er das erste Mal an, holte bei drei Gegenkandidaten gut 8 Prozent. Das Ergebnis verdoppelte er bei der Nachwahl im September – damals traten drei Bewerber an – nach dem plötzlichen Tod von Amtsinhaber Markus Landthaler. Dass er Bürgermeister werden will, daran lässt Raphelt keinen Zweifel. „Ich glaube, dass ich es von allen vier Bewerbern am besten kann“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern selbstbewusst.
Soziale Gerechtigkeit im Fokus
Soziale Gerechtigkeit liegt ihm am Herzen. Die müsste man bei allen Beschlüssen mitdenken. Themen, die er anpacken will, hat er viele auf der Liste. „Tourismus ist uns wichtig“, sagt er. Aber er plädiert dafür, Einheimische nicht schlechter zu stellen als Urlauber, sei es bei den Eintrittspreisen für die Isarwelle und Tickets für die Bergbahn. „Es gibt Regionen, da finanzieren die Touristen den Öffentlichen Personennahverkehr, der dann für die Einheimischen frei ist.“
Mehr Transparenz – auch das ist Raphelt ein Anliegen. Er frage sich immer wieder, warum dieses oder jenes Thema nicht öffentlich im Gemeinderat behandelt werde. Die Arbeitsprozesse in der Gemeindeverwaltung möchte Raphelt optimieren. „Ich behaupte auf keinen Fall, dass dort irgendjemand schlecht arbeitet.“ Manches sei aber einfach nicht effizient. Raphelts Lieblingsthema sind hier die roten Säcke, die gekauft werden müssen, wenn die Restmülltonne nicht ausreicht. Die SPD hätte gerne gesehen, wenn an Eltern mit Wickelkindern oder Haushalte mit Pflegebedürftigen eine bestimmte Anzahl an Säcken kostenlos abgegeben worden wäre. Raphelt erinnert sich noch gut an die Sitzung, in der vorgerechnet wurde, welchen großen Verwaltungs- und Zeitaufwand das nach sich ziehen würde. Helfen würde hier vielleicht auch, die Digitalisierung weiter voranzutreiben, findet der IT-Fachmann. „Es kommen ja auch immer noch mehr Aufgaben auf die Verwaltung zu. Da ist es wichtig, die vorhandenen Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen.“
Die Entwicklung des Kasernenareals mit Kita, Multifunktionsplatz und Handwerkerhof steht natürlich auf seiner Agenda. Dort sei Platz für bezahlbaren Wohnraum, aber auch darüber hinaus brauche es Projekte. Dabei könne man nicht immer nur auf die Lenggrieser Baugenossenschaft setzen, die Gemeinde müsse hier selbst tätig werden, findet Raphelt. Und auch bei Einheimischenmodellen dürfe man nicht immer nur in Reihen- oder Doppelhäusern denken, sondern auch mal in Mehrfamilienhäusern mit Wohnungen. An der Verlagerung des Bauhofs aufs Kasernenareal hat Raphelt Zweifel. „Er kann nur in einem Gewerbegebiet liegen.“ Das mache benachbarte Wohnnutzungen oder auch die Einrichtung einer Tagespflege für Senioren schwierig bis unmöglich.
Die meisten Anträge kamen von der SPD
Mit dem Bau des Schlegldorfer Gehwegs, für den sich die SPD immer stark machte, werde hoffentlich heuer begonnen. Die SPD, sagt Raphelt, habe übrigens die vergangenen sechs Jahre mehr Anträge im Gemeinderat eingebracht, als die anderen drei Fraktionen zusammen. Nicht mit allen kam man durch. In Gesprächen habe man dann aber immer wieder gehört, dass die Ideen nicht schlecht gewesen seien, dass man einem SPD-Vorschlag aber eben nicht zustimmen könne. Generell komme man als Sozialdemokrat in Lenggries aber schon zurecht, sagt Raphelt und lacht. Er muss es wissen: Heuer gehört er der SPD seit 35 Jahren an.