Merz zweifelt lautstark am Sozialstaat. Zwei Drittel der Deutschen stimmen ihm zu: Der Sozialstaat sei nicht mehr finanzierbar. Das zeigt eine Umfrage.
Berlin – „Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar.“ Das sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im August 2025. Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts stimmen ihm da nahezu zwei Drittel der Menschen in Deutschland zu.
Konkret lautete die Frage der Umfrage wie folgt: „Teilen Sie die Auffassung, dass unser Sozialstaat in der heutigen Form nicht mehr finanzierbar ist?“ 64 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu. 34 Prozent waren anderer Meinung und 2 Prozent konnten sich nicht festlegen. Die Umfrage zeigt, dass die Antworten je nach befragter Gruppe variieren.
Umfrage zeigt: 64 Prozent der Deutschen halten Sozialstaat für nicht finanzierbar
Besonders die Anhänger der Union (79 Prozent) und der AfD (84 Prozent) zweifeln an der Finanzierbarkeit des Sozialsstaats. Auch bei der SPD sehen das 58 Prozent so, auch wenn 42 Prozent noch in die Finanzierbarkeit vertrauen. Das linke Lager zeigt hingegen mehr Zuversicht: Die Mehrheit der Anhänger der Grünen (57 Prozent) und der Linken (66 Prozent) sieht keine grundsätzlichen Finanzprobleme des Sozialstaates.
Frage: „Teilen Sie die Auffassung, dass unser Sozialstaat in der heutigen Form nicht mehr finanzierbar ist?“
| Ja | Nein | Weiß nicht | |
| Insgesamt | 64 % | 34 % | 2 % |
| Anhänger der CDU/CSU | 79 % | 19 % | 2 % |
| Anhänger der SPD | 58 % | 42 % | - |
| Anhänger der Grünen | 43 % | 57 % | - |
| Anhänger der Linken | 34 % | 66 % | - |
| Anhänger der AfD | 84 % | 16 % | - |
Hinweis zur Umfrage
Für die repräsentative Umfrage befragte Forsa im Auftrag des Sterns und von RTL Deutschland am 5. und 6. Februar 2026 insgesamt 1006 Menschen. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus/minus drei Prozentpunkten.
Die Ergebnisse zeigen außerdem Unterschiede zwischen Ost und West: 65 Prozent der Bürger der ehemaligen BRD-Bundesländer sehen die Bezahlbarkeit des Sozialstaats in Gefahr, aber nur 58 Prozent der Befragten in den Ex-DDR-Bundesländern. Spannend ist auch der Unterschied bei den Einkommensgruppen: Deutsche mit einem eher geringen Haushaltsnettoeinkommen von unter 2500 Euro im Monat machen sich zu 58 Prozent Sorgen um die Finanzierung des Sozialstaates. Aber die Besserverdienenden machen sich noch mehr Sorgen: Diejenigen, die monatlich 4000 Euro oder mehr einnehmen, sehen zu 67 Prozent Probleme bei der Aufrechterhaltung der Sozialleistungen.
Vertrauen in den Sozialstaat schwindet: Kommission erarbeitete Reform
Insgesamt zeigt sich: Das Vertrauen in den Sozialstaat in Deutschland schwindet. Die Haushaltsdebatten in den letzten Jahren mögen dazu beigetragen haben. Tatsächlich ist der Anteil am Haushalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bei 37,62 Prozent – mehr als jedes andere Ressort. Das Sozialministerium ist für die meisten Sozialleistungen verantwortlich. Ende Januar hat die von der Bundesregierung eingesetzte Sozialstaatskommission ihre Ergebnisse vorgelegt.
Die Kommission setzte sich aus Vertretern aus Ministerien, Bund, Ländern und Kommunen zusammen und hat über mehrere Monate hinweg Experten angehört und Wissen aufgebaut. Laut der Kommission ist eine grundsätzliche Reform des Sozialstaats nötig. Das System sei „im Laufe der Jahre sehr komplex geworden“, viele Bürger würden nicht überblicken, auf welche Leistungen sie Anspruch haben. Auch die Verwaltung des aktuellen Systems erfordere erheblichen Aufwand. „Viele Behörden sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit“, so der Bericht. Insgesamt schlug das Gremium 26 Maßnahmen für eine Reform des Sozialstaats vor, einige von ihnen erfordern Grundgesetzänderungen. (Quellen: Forsa, Stern, Empfehlungen der Kommission zur Sozialstaatsreform) (cdz)