„Nacht am Nil“ und „Blütenfest am Fujijama“: Historischer Verein zeigt Faschingsfilme aus den 1960er-Jahren

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„Nacht am Nil“ hieß der erste Faschingsfilm der Tölzer KJG, der 1963 entstand. Die Beteiligten stellten sich zu einem Gruppenfoto auf. © Bernhard

Der Historische Verein Bad Tölz lädt zu einem besonderen Filmabend ein. Gezeigt werden historische Aufnahmen der legendären Faschingsbälle.

Bad Tölz – Sind die 1960er-Jahre schon Geschichte? Mancher Historiker mag da die Nase rümpfen und ablehnend den Kopf schütteln, zumal, wenn es sich „nur“ um Tölzer Faschingsfilme handelt. Wer sie dann freilich gesehen hat, wird anderer Meinung sein. Zu sehen sind nämlich in bewegten Bildern auch Stadt- und Landansichten, die es längst nicht mehr gibt.

Fasching war ein Großereignis in Bad Tölz

Die befahrene Marktstraße, der alte stattliche Pfarrhof, eine winterliche Bundesstraße 472 am Blomberg, auf der – heute unvorstellbar – spazieren gegangen wird. Im Mittelpunkt stehen aber die Faschingsfeiern, die die Katholische Jugend Bad Tölz von 1963 bis 1965 im ebenfalls nicht mehr existierenden alten Kolberbräu-Saal organisierte – und filmte. Zum Ansehen der Filme lädt der Historische Verein am Mittwoch, 11. Februar, um 19.30 Uhr im Stadtmuseum (Sitzungssaal) ein.

Ludwig Bernhard wird die Filme kommentieren.
Ludwig Bernhard wird die Filme kommentieren. © Christoph Schnitzer

Ein Beteiligter, nämlich Ludwig Bernhard, wird auf Fragen von Christoph Schnitzer in die Filme einführen und namentlich den Beweis führen, dass viele in Ehren ergraute Tölzerinnen und Tölzer, man glaubt es kaum, tatsächlich auch mal jung gewesen sind.

Beteiligte und Darsteller

Soweit genannt und alphabetisch: Ludwig Bernhard, Toni Bold, Kurt Breiter, Helmut Drexler, Traudl Ehrfurt, Margit Fink, Erika Fottner, Bruno und Rudi Forstner, Christl Kell, Sepp Kniegel, Marille Lex, Gerda Obermayer, Hilde Opacher, Fritz Pregler, Ernst Riebel, Heidi Späth, Bernd Sachs, Walter Salomon, Franz Stadler, Lilli Suttner, Sieglinde Wahl, Felix Weber, Hans Wankerl, Toni Waldherr, Richard Walser, Inge Winkler, Annelise Zenk. 

Fasching in den 1960er-Jahren war anders als heute ein Großereignis in einer Kleinstadt wie Tölz, in der ansonsten nicht viel geboten war, wie sich Bernhard erinnert. Da halfen alle zusammen, um zum Beispiel den großen Saal des „Kolberbräu“ einfallsreich und fantasievoll zu dekorieren. Der Saal besaß noch eine Empore und – historisch interessant – Vorrichtungen im Boden, damit ein Reck für Turnvorführungen aufgebaut werden konnte. Beheizt wurde er mit Holz und Kohle, die die Saalnutzer mitbrachten.

Walter Salomon als Sprecher

Und wer waren die Helfer? Neben der Katholischen Jugend, so erinnert sich Bernhard, waren das auch Mitglieder von Jungkolping. Es handelte sich um Themenbälle. In den Jahren 1962 bis 1964 hießen die Mottos „Nacht am Nil“, „Ritterfest am Kolberstein“ und „Blütenfest am Fujijama“. Und damit es ganz echt ausschaute, fuhren die Filmleute um Franz Stadler schon auch mal zum Flughafen München-Riem, um startende Flugzeuge auf Film zu bannen und szenisch einbauen zu können.

Natürlich sind die Filme vertont. Sprecher ist zum Beispiel der damals noch junge Mitarbeiter des Tölzer Kurier, Walter Salomon, der auch als Schauspieler (Burgvogt) herhalten muss. Apropos Ton: Bernhard war Mitglied der legendären Band „Cayocas“, die bei den Bällen aufspielte. Am Schlagzeug der im vergangenen April verstorbene Kurt Breiter. Film- und Tonspur im Nachhinein übereinanderzulegen war übrigens, sagt Bernhard, gar nicht so einfach.

Treibende Kraft und Motor

Treibende Kraft und Motor hinter den Aktivitäten der Katholischen Jugend war der 1961 nach Tölz gekommene Jugendkaplan Josef Hamberger, der in die eher vorkonziliare Atmosphäre der Stadtpfarrei mit einem eher konservativen Pfarrer Anton Seebäck, frischen Wind hineinbrachte. Bernhard erinnert sich, dass Hamberger mit seiner Schwester Elisabeth neben der Kirche wohnte. Ihre Wohnung sei der Anlaufpunkt gewesen. Beide hätten sich vorbehaltslos für die Jugend eingesetzt. Hamberger habe auch die Tradition der Blumenteppiche eingeführt, die heute noch in der Pfarrei gepflegt wird. Und Hambergers Beziehungen war es auch zu verdanken, dass die KJG für ihre Faschingsbälle in den Kolber-Saal gehen durften. (chs)