Merz-Regierung plant umfassende Reform – „Der größte Fortschritt“ für Rentner
Frühstart-Rente, Aktivrente und flexiblere Modelle sollen das Rentensystem modernisieren. Ein Bank-Chef will Familien mit dem „Oma-Paragraf“ absichern.
München – Für viele Menschen in Deutschland ist die Rente mehr als ein finanzielles Thema – sie ist ein zentraler Bestandteil der Lebensplanung. Gleichzeitig steht das gesetzliche Rentensystem angesichts des demografischen Wandels unter Druck: Immer mehr Menschen gehen in den Ruhestand, während die Zahl der Beitragszahler sinkt. Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz will deshalb mit einer großen Reform gegensteuern und arbeitet an mehreren Projekten zugleich.
Im Zentrum stehen neue Modelle, die das Rentensystem langfristig stabilisieren und die Altersvorsorge breiter aufstellen sollen. Dabei geht es nicht nur um heutige Rentner. Vor allem jüngere Generationen sollen früh an das Sparen für das Alter herangeführt werden – genau hier setzt ein Vorschlag der Finanzbranche an, der die Reform noch deutlich verändern könnte. Zudem plant die Regierung Anreize, damit Rentner im eigentlichen Ruhestand länger arbeiten.
Rentenreform der Merz-Regierung geht neue Wege – „Öffnung der privaten Altersvorsorge für echte Kapitalmarktprodukte“
Merz will die Rentenreform noch 2026 auf den Weg bringen. Die gesetzliche Rentenversicherung soll erhalten bleiben, künftig aber nur noch ein Baustein eines „neuen Gesamtversorgungsniveaus“ sein, berichtet die Tagesschau. Private Altersvorsorge und Betriebsrente sollen stärker ins System integriert und kapitalgedeckt werden.
Die bisherige Riester-Rente soll auslaufen und künftig durch ein neues Altersvorsorgedepot mit Kapitalmarktprodukten wie Fonds oder Wertpapieren ersetzt werden. Um die Reformen vorzubereiten, hat die Regierung eine Rentenkommission eingesetzt, die bis Ende Juni 2026 konkrete Vorschläge für die Zukunft der Altersvorsorge erarbeiten soll, wie die Zeit berichtet.
„Der größte Fortschritt der Reform ist die Öffnung der privaten Altersvorsorge für echte Kapitalmarktprodukte“, sagt Lars Stoy, Vorstandsvorsitzender der ING in Deutschland und Mitglied im Vorstand des Bankenverbandes gegenüber der Berliner Morgenpost. „Erstmals werden renditestärkere Fondsparpläne ohne starre Garantien möglich.“
Frühstart-Rente: Schon als Kind Geld zurücklegen für das Alter
Neben der Reform der Riester-Rente plant die Bundesregierung auch die Einführung einer sogenannten Frühstart-Rente. Sie gehört zu den zentralen Bausteinen der geplanten Rentenreformen, die nach bisherigen Plänen bis zum Sommer rückwirkend zum 1. Januar starten sollen.
Ab dem sechsten Lebensjahr soll für jedes Kind ein individuell geführtes, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot bei einem Anbieter der Wahl eröffnet werden können. Die staatliche Förderung soll monatlich zehn Euro als Frühstart-Renten-Prämie betragen und kann durch eigene Einzahlungen aufgestockt werden.
Früh aufgebautes Kapital könne später den Einstieg in die private Altersvorsorge erleichtern und die Rente erhöhen, erklärt die Bundesregierung auf ihrer Webseite. Familien sollen so motiviert werden, früh für die Zukunft ihrer Kinder zu sparen. Laut Berliner Morgenpost fordert der Bankenverband zudem, die Frühstart-Rente flexibler zu gestalten: Nicht nur Eltern, sondern auch andere Verwandte sollen Geld in das Vorsorgedepot einzahlen können.
Gratis für Sie: Der große Renten-Ratgeber
So holen Sie das meiste aus Ihrer Rente. Versteckte Fehler vermeiden. Dies und viele Tipps von Renten-Profis finden Sie in unserem kostenlosen Ratgeber.
Laden Sie sich HIER den Ratgeber kostenlos als PDF herunter
Bank-Chef will Familien mit „Oma-Paragraf“ absichern
Stoy spricht sich deshalb für eine Art „Oma-Paragraf“ im neuen Rentengesetz aus: „Zehn Euro im Monat vom Staat, nur für Sechsjährige, reichen nicht aus, um bis zur Volljährigkeit ein solides Fundament für die Altersvorsorge zu legen.“ Erst freiwillige Einzahlungen durch Eltern oder Großeltern würden das Vorsorgedepot wirklich attraktiv machen und den frühzeitigen Vermögensaufbau stärken.
Der Bankenverband sieht die Frühstart-Rente als „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“, fordert jedoch einen nahtlosen Übergang in ein lebenslanges Altersvorsorgedepot und mehr Anreize für Wertpapiersparen. „Hiervon würden auch die aktuell Berufstätigen profitieren“, so Stoy weiter. Gleichzeitg solle das Momentum der Frühstart-Rente genutzt werden, um junge Menschen besser über Finanzen aufzuklären: „Nur wer sich auskennt, kann Eigenverantwortung für seine finanzielle Zukunft übernehmen“, sagt er in einer Mitteilung.
Wie genau die verschiedenen Modelle am Ende ausgestaltet werden, soll die Rentenkommission bis Mitte 2026 klären. Ab Juli 2026 dürfen sich Rentner auf eine Rentenerhöhung einstellen – doch viele Senioren klagen. (Quellen: Tagesschau, Zeit, Berliner Morgenpost, Bundesregierung, Bankenverband) (vw)
Wie sehen Sie das? Teilen Sie Ihre Gedanken mit der Community.
Haben Sie Fehler entdeckt? Schreiben Sie unserem Autor/unserer Autorin eine Nachricht.